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Eisengießerei Torgelow: Trotz Corona-Sorgen auch Optimismus

Torgelow  

Eisengießerei Torgelow: Trotz Corona-Sorgen auch Optimismus

15.06.2020, 07:31 Uhr | dpa

Eisengießerei Torgelow: Trotz Corona-Sorgen auch Optimismus. Arbeiter mit Schutzmantel

Ein Arbeiter mit Schutzmantel und Helm geht an sprühenden Funken vorbei. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Der Eisengießerei Torgelow GmbH - einem der wichtigsten Industriebetriebe in Vorpommern - drohen wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise harte Einschnitte. "Wir haben Maßnahmen in der Schublade, die wir ziehen, wenn die Situation dafür eintreten sollte und da ist letztendlich auch ein Personalabbau nicht ausgeschlossen", sagte Geschäftsführer Peter Krumhoff. Noch sei es allerdings nicht so weit. Langfristig zeigte er sich optimistisch, etwa weil sein Unternehmen einen Standortvorteil habe. Der Betrieb hat 310 Beschäftigte und ist nach eigenen Angaben eine der größten Gießereien ihrer Art in Europa.

"Unsere Auslastung ist im Moment im Bereich Offshore-Windkomponenten noch gut", sagte Krumhoff. Dafür verantwortlich seien vor allem langfristige Aufträge. So hatte die Firma 2018 einen 37-Millionen-Euro-Auftrag für Offshore-Windradteile für die USA erhalten - den größten Auftrag ihrer Geschichte. Daran arbeite man immer noch. "Allerdings sind das Produkte, die jetzt nicht die lukrativsten sind", sagte Krumhoff.

Ertragreichere bereits eingeplante Geschäfte seien hingegen fast zum Erliegen gekommen. "Speziell in den Märkten USA und Großbritannien haben wir eigentlich einen kompletten Stillstand seit drei Monaten." Dabei gehe es um den Bau von Spezialbehältern für Abfälle in der Nuklearindustrie. "Das Offshore-Windgeschäft alleine reicht aufgrund der geringen Margen nicht." In der Produktion befinde sich derzeit niemand in Kurzarbeit. In der Verwaltung sind es laut Krumhoff etwa 70 Mitarbeiter.

Für die Zukunft der Firma spricht laut Krumhoff unter anderem der Standortvorteil: Etwa der brückenfreie Zugang zum Hafen in Ueckermünde, den man für den Transport der schweren Gussteile benötigt, oder das Vorhandensein von Wind und Sonne als Energiequellen. "Wir haben hier im Unternehmen einen Plan, dass wir bis 2025 CO2-frei sein wollen." Nicht viele in der Branche hätten diese Möglichkeit.

In 20 Jahren werde die Energie nicht mehr aus Kraftwerken mit fossilen Energieträgern kommen, sondern beispielsweise von Windrädern. "Die Energie kann nur hergestellt werden, wenn einer zum Beispiel die Rotornaben gießt." Aus Krumhoffs Sicht könnte die Energiewende schon viel weiter sein, werde aber von einer Politik ausgebremst, "die das Ziel der CO2-Einsparung nicht konsequent verfolgt, sondern veraltete, zentralistische Strukturen quersubventioniert, anstatt taugliche wirtschaftliche Anreize für den Ausbau und die Nutzung CO2-freier Energieträger zu geben".

Eisenguss hat in der Region eine mehr als 250-jährige Tradition. Der Betrieb in Torgelow war nach der Wende allerdings in Schwierigkeiten geraten und 2003 mit Windkraftteilen neu gestartet. Zeitweise stieg der Jahresumsatz auf 100 Millionen Euro. Die Produktion war durch den Rückgang beim Windkraftanlagenbau aber in den vergangenen Jahren gesunken. 2018 hatte das Unternehmen einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro erwirtschaftet.

"Die Eisengießerei ist das industrielle Herz im Süden Vorpommerns", sagte Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD). Es sei eine Besonderheit, dass man mit den Eisengießereien Torgelow und Ueckermünde zwei Industriebetriebe in unmittelbarer Nähe habe. Sie seien nicht nur für Arbeitsplätze wichtig, sondern auch identitätsstiftend für die Region.

Dahlemann sagte, man müsse die Netzentgelte der Verbraucher im Blick behalten, um die Akzeptanz der Menschen für erneuerbare Energien zu steigern. "Dass nicht die Menschen, wo wir die höchsten Anteile an erneuerbaren Energien haben, gleichzeitig auch die höchsten Stromkosten zahlen." Hier könne er Krumhoffs Kritik verstehen. Das Land setze sich auf Bundesebene dafür ein, dass auch südliche Bundesländer die Kosten für den Ausbau dieser Energieträger mittragen.

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