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Wortkarge Zeuginnen im Lotto-Untersuchungsausschuss

Magdeburg  

Wortkarge Zeuginnen im Lotto-Untersuchungsausschuss

03.07.2020, 12:46 Uhr | dpa

Wortkarge Zeuginnen im Lotto-Untersuchungsausschuss. Lotto

Lotto-Kugeln liegen auf einem Lottoschein. Foto: Tom Weller/dpa (Quelle: dpa)

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zu Lotto Sachsen-Anhalt versucht weiter, Licht in die enorm hohen Sportwetteneinsätze in Lotto-Annahmestellen in Zerbst und Umgebung zu bringen. Bei Zeugenbefragungen am Freitag trafen die Abgeordneten auf zwei kaum auskunftsbereite Zeuginnen aus einer ehemaligen Lotto-Annahmestelle in Zerbst.

Die ehemalige Verkaufsstellenleiterin machte deutlich, nicht ausreichend Deutsch zu sprechen für eine Befragung. Sie soll später mit Unterstützung eines Dolmetschers erneut gehört werden. Eine ehemalige Mitarbeiterin wollte auf die meisten Fragen der Abgeordneten nicht antworten und verwies darauf, sie könne sich oder andere sonst belasten.

Die 47-Jährige sagte, sie habe damals den Mindestlohn verdient. Sie selbst hatte den Erkenntnissen des Ausschusses zufolge in großem Stil an der Sportwette Oddset teilgenommen. Allein 2018 soll sie damit unterm Strich gut 50 000 Euro Gewinn erzielt haben. Auf die Frage, woher das Geld für die hohen Spieleinsätze gestammt habe, antwortete die Frau nicht. Sie beantwortete auch nicht, wohin die Gewinne genau flossen.

Zu den Deutschkenntnissen ihrer Ex-Chefin sagte die 47-Jährige, man habe sich "mit Händen und Füßen" verständigt. Ein Vertriebsleiter von Lotto Sachsen-Anhalt hingegen berichtete von einem einstündigen Gespräch mit der Betreiberin des Lotto-Geschäfts auf Deutsch, nur bei Fachbegriffen sei die Verständigung an Grenzen gestoßen.

Der Lotto-Laden in Zerbst war Ende Januar dieses Jahres geschlossen worden. Auch in anderen Lotto-Geschäften in der Nähe hatten mehrere Großspieler enorm viel bei der Sportwette Oddset gesetzt und gewonnen. Der U-Ausschuss geht verschiedenen möglichen Ungereimtheiten bei der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt nach. Dabei geht es unter anderem um Geldwäsche, Spielerschutz, aber auch um die Fragen, ob und inwiefern es Ungereimtheiten bei der Vergabe von Jobs und Fördermitteln gab. Die Landeslottogesellschaft selbst sieht keine Verstöße.

Der Landesrechnungshof hatte in dieser Woche Details zu einem Prüfbericht zu Lotto veröffentlicht. Darin kritisierte er unter anderem die Dauerförderung jährlich wiederkehrender Kulturveranstaltungen wie den Händel-Festspielen. Auch das Verfahren bei der Stellenbesetzung der Lotto-Bezirksleiter wurde negativ beurteilt.

Kritisiert wurde etwa, dass Unterlagen vernichtet worden sind, nachdem Bewerbungsgespräche zur Besetzung von Bezirksleiterstellen geführt wurden. Der am Freitag als Zeuge gehörte Lotto-Vertriebsleiter bestätigte das Vorgehen. Es habe dem Datenschutz gedient. Die Personalentscheidungen in der Sache verteidigte er. Es sei nach Eignung entschieden worden, andere Gründe hätten keine Rolle gespielt.

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