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Ahrenshoop verstärkt nach tödlichem Badeunfall Warnhinweise

Ahrenshoop  

Ahrenshoop verstärkt nach tödlichem Badeunfall Warnhinweise

03.07.2020, 14:08 Uhr | dpa

Ein aus Seetang und Strandgut in den Sand gelegtes Kreuz, Blumen und Kerzen markieren den Ort des tragischen Badeunglücks bei Ahrenshoop (Kreis Vorpommern-Rügen). Regelmäßig kommen an diesem eher wolkenverhangenen Freitag mit nur mäßigem Badebetrieb Strandbesucher zu der Stelle am Beginn des Steilufers und halten in stillem Gedenken inne. Den Steinwall, der das Ufer vor der gefräßigen Kraft des Meeres schützt, umspielen leichte Wellen. Schwer vorstellbar, dass hier am Mittwoch ein junger Mann beim Versuch, zwei in Not geratene Kinder zu retten, den Kampf gegen Wellen und Strömung verlor und ertrank.

Die Verwaltung des beliebten Ostseebades auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst hat erste Konsequenzen aus dem Unglück gezogen. Zusätzliche Hinweisschilder warnen an dem unbewachten Strandabschnitt vor den gefährlichen Strömungen und dem Sog, der bei starkem Wind den Steinwall zur tödlichen Falle macht. Wie Bürgermeister Benjamin Heinke sagte, wurden zu der Warntafel am Treppenaufgang zunächst provisorisch Schilder auch am Strand selbst aufgestellt. "Baden im Bereich des Wellenbrechers verboten! Lebensgefahr!", ist zu lesen.

Heinke selbst ist nach eigenen Worten tief betroffen vom Tod des 32-Jährigen, mit dem ihn eine gemeinsame Kindheit und Jugend verbinde. "Dafür gibt es keine Worte", sagte der Bürgermeister. Wenigstens zehn Jahre lang habe es ein solch schreckliches Ereignis in dem Badeort nicht mehr gegeben. Darstellungen, die örtliche Feuerwehr habe zu lange gebraucht, um Hilfe zu leisten, weißt er zurück. "12.36 Uhr ging der Notruf in der Leitstelle ein, 12.41 Uhr wurden die Rettungskräfte alarmiert, 12.51 Uhr waren wir mit unserem Boot vor Ort. Schneller geht es nicht", sagt Heinke, der nach eigenen Angaben selbst Wehrführer ist.

Den Ermittlungen zufolge war der Mann mit seinem Kind, seiner Lebenspartnerin und deren Kind zum Baden am Strand. Das flache, meist ruhige Wasser hinter dem Wellenbrecher verdeckt dabei die Gefahren, die dort durch Unterströmungen entstehen können. Das wurde offenbar auch den Kindern zum Verhängnis, die zu nah an die Steinmole und so in große Gefahr geraten waren. Beim Versuch, sie aus dem Meer zu holen, kam der Vater eines der beiden ums Leben.

Die Kinder hatten zum Teil Hautabschürfungen erlitten, konnten aber von einem Strandbesucher an Land gebracht werde. In der "Ostsee-Zeitung" (Freitag) beschrieb der Mann aus der Nähe Berlins die Rettungsaktion. Seine Freundin habe kurz nach der Ankunft am Strand die in Gefahr geratenen Kinder entdeckt und ihn darauf aufmerksam gemacht. Dann sei er ins Wasser gerannt, habe den Jungen unter den Arm geklemmt und ihn aus dem Wasser getragen. Der Vater der Kinder sei ebenfalls ins Wasser gelaufen und habe versucht, das Mädchen zu retten. Doch seien beide von der Strömung auf die Außenseite der Mole auf die offene Ostsee getragen worden.

"Ich bin sofort wieder ins Wasser gelaufen, nachdem der Junge in Sicherheit war. Aber ich hatte so keine Chance, die beiden noch zu erreichen", berichtet der als Rettungsschwimmer ausgebildete Soldat der Zeitung. Dann sei er von der etwas ruhigeren Landseite auf den Steinwall geklettert und habe von dort die Neunjährige packen, herausziehen und an Land bringen können. Als er auf den Wellenbrecher zurückkehrte, habe der Mann sechs bis acht Meter entfernt mit sichtlicher Erschöpfung in den Wellen getrieben und sei dann untergetaucht.

Kritik übte der Soldat in der Zeitung am Verhalten vieler anderer Strandbesucher. "Die sind einfach weitergelaufen. Die haben nur geglotzt. Einige haben ihr Handy gezückt. Keiner hat geholfen", zitiert ihn die "Ostsee-Zeitung". Zudem beklagte er, dass es dort keine Rettungsmittel wie Rettungsring oder Seil gegeben habe.

Nach Angaben von Bürgermeister Heinke hat die Gemeinde in der Nähe der Steinmole einen Rettungsring deponiert. Doch werde dieser regelmäßig beschädigt oder entwendet. "Ich weiß nicht, was sich Menschen denken, wenn sie so etwas tun", klagt der Verwaltungschef. Bei einer Kontrolle am Wochenende vor dem Unglück sei der Ring noch da gewesen.

Ein zusätzlicher Wachturm mit Rettungsschwimmern solle auch nach dem Unglück nicht errichtet werden. Wegen der unberechenbaren Strömung und der Sogwirkung an den beiden Enden der Steinmole seien die Verhältnisse dort bei starken Winden auch für versierte Schwimmer zu gefährlich, erklärte Heinke. Deshalb gebe es den eindringlichen Warnhinweis, dort nicht zu schwimmen.

Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die den Strand vor Ahrenshoop bewacht, entscheidet die jeweilige Kommune darüber, an welchen Strandabschnitten Rettungsschwimmer eingesetzt werden. Gefährliche, nicht bewachte Bereiche würden als solche auch ausgewiesen. "Das Meer hat seine Tücken. Es ist daher immer gut, an bewachten Stellen zu baden", betonte DLRG-Landessprecher Thorsten Erdmann. Der nächste Wachturm der DLRG war etwa 700 Meter von der Unglücksstelle entfernt.

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