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Vorrang Corona, Gutachten-Stau: Gesundheitsämter im Stress

Nordhausen  

Vorrang Corona, Gutachten-Stau: Gesundheitsämter im Stress

08.07.2020, 07:58 Uhr | dpa

Vorrang Corona, Gutachten-Stau: Gesundheitsämter im Stress. Ein Wissenschaftler zeigt einen Corona Schnelltest

Ein Wissenschaftler zeigt einen Corona Schnelltest. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

In den Thüringer Gesundheitsämtern ist wegen der Bekämpfung der Corona-Pandemie viel sonstige Arbeit liegen geblieben. Das betrifft nach Angaben des Berufsverbandes der Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) beispielsweise bestimmte amtsärztliche Gutachten, Schuleingangs- oder Reihenuntersuchungen. Trotz sinkender Infektionszahlen seien die meisten Ämter vom Normalmodus noch weit entfernt, sagte die Landesverbandsvorsitzende Ingrid Francke der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist noch nicht abzusehen." Verschärft bemerkbar mache sich jetzt, dass in einer Reihe von Gesundheitsämtern teilweise seit Jahren Ärzte fehlten.

Auf dem Höhepunkt der Pandemie hatte Francke zufolge vor allem die Ermittlung von Kontaktpersonen Coronainfizierter Vorrang, was mit hohem Zeit- und Personalaufwand verbunden gewesen sei. Andererseits wurden etwa Schuleingangsuntersuchungen für die Erstklässler des Schuljahres 2020/21 wegen der zeitweiligen Schließung der Landratsämter oder auch der Absage durch die Eltern aufgeschoben. Diese Untersuchungen würden nun nachgeholt.

Bis zum 9. Juli sollen diese möglichst abgeschlossen sein, so sieht es eine Vereinbarung mit dem Thüringer Bildungsministerium vor. Doch diesen Stichtag können nach Verbandseinschätzung nicht alle Ämter halten. "Wir haben noch einen gewissen Überhang", bestätigte ein Sprecher des Landratsamtes Sonneberg. Das Land erlaube den Kommunen aber, die Untersuchungen bis in das kommende Schuljahr hinein nachzuholen. Im Kreis Greiz, wo laut Kreisverwaltung bislang gut die Hälfte der Schulanfänger untersucht ist, sollen für die Gesundheitschecks auch die Sommerferien und der September genutzt werden. Greiz und Sonneberg waren wochenlang regionale Corona-Schwerpunkte in Thüringen.

Im Saale-Orla-Kreis, in dem Anfang März der erste bestätigte Corona-Fall in Thüringen aufgetreten war, liegen die Schuleingangsuntersuchungen "sehr gut im Zeitplan", wie das Landratsamt mitteilte. Bereits zu Jahresbeginn, vor dem Ausbruch der Pandemie, seien Kinder in zahlreichen Kindergärten untersucht worden.

Schwierigkeiten bereitet es aus Sicht des ÖGD-Ärzteverbandes und von Gesundheitsämtern, weggefallene Schulreihenuntersuchungen in den 4. und 8. Klassen nachzuholen. Im Kreis Greiz etwa konnten wegen der Pandemie, die zu wochenlangen Schulschließungen geführt hatte, nur 16 Prozent der Viertklässler untersucht werden. Weitere Reihenuntersuchungen seien im zu Ende gehenden Schuljahr nicht mehr realisierbar, so das Landratsamt. Die Achtklässler seien bereits im vergangenen Herbst an der Reihe gewesen. In Sonneberg wurden auch die Besuche des jugendzahnärztlichen Dienstes an den Schulen zwecks Zahnprophylaxe eingeschränkt.

Zu Verzögerungen kam es auch bei amtsärztlichen Begutachtungen. Das seien Aufgaben, die nicht ohne Weiteres an externe Ärzte übertragen werden könnten, sagte Francke. Gesundheitsämter sind unter anderem für die Beurteilung der Dienstfähigkeit von Beamten, für Einstellungsuntersuchungen von Beamten und für die Begutachtung zur Feststellung einer gerichtlich angeordneten Betreuung zuständig.

In Thüringen gibt es 22 kommunale Gesundheitsämter. Ende 2018 waren dort gut 600 Mitarbeiter beschäftigt, wie aus einer Antwort des Sozialministeriums auf eine CDU-Landtagsanfrage hervorgeht. Davon sind 92 Ärzte und Zahnärzte. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

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