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Wo Corona im Kindergarten Alltag ist und Gläubige anlockt

Passau  

Wo Corona im Kindergarten Alltag ist und Gläubige anlockt

18.07.2020, 10:35 Uhr | dpa

Wo Corona im Kindergarten Alltag ist und Gläubige anlockt. „Kindergarten St. Korona“ steht auf einem Schild am Eingang

„Kindergarten St. Korona“ steht auf einem Schild am Eingang. Foto: Armin Weigel/dpa (Quelle: dpa)

Ausgerechnet der Heiligen Corona ist ein Kindergarten in Passau gewidmet. Seit der Ausbreitung des Coronavirus ist der Name St. Korona des Kindergartens plötzlich Gesprächsthema, wie Leiterin Andrea Optiz sagte. Früher habe sie sich wenig Gedanken über den Namen gemacht. Das hat sich geändert: "Ich werde sehr oft darauf angesprochen." In einigen Pfarreien, in denen Kirchen den Namen Corona oder Korona tragen, ist es ähnlich.

Opitz zufolge reagieren Menschen oftmals etwas ungläubig, wenn sie beispielsweise irgendwo anrufe, um etwas zu bestellen. "Dann meinen die Geschäftspartner gerade im Norden Deutschlands sehr häufig, dass ich sie auf den Arm nehmen will", sagte die Kindergartenleiterin. Wenn ihr Gegenüber den Namen des Kindergartens nicht glauben will, dann erzähle sie ihm von der Heiligen Corona.

Der Legende nach handelt es sich dabei um eine frühchristliche Märtyrerin. Sie gilt als Patronin des Geldes, der Metzger und Schatzgräber - aber auch als Fürsprecherin gegen Seuchen.

In Bayern tragen oder trugen neben dem Kindergarten in Passau mindestens sieben Kirchen oder Kapellen den Namen der Heiligen, die Wallfahrtskirche St. Corona im niederbayerischen Massing (Landkreis Rottal-Inn) und etwa die Wallfahrtskirche in Iggensbach (Landkreis Deggendorf). Die Kirchen erleben einen Andrang von Gläubigen.

In der Kirche Sankt Korona in Passau reißt der Strom an Besuchern nicht ab, wie Markus Kirchmeyer, Stadtpfarrer des Pfarrverbands Passau-Hacklberg, sagte. "Es gibt viele Gläubige, gerade auch Auswärtige, die extra herfahren." Viele stille Beter kämen tagsüber und viele Menschen fragten nach, was es mit der Heiligen auf sich habe. Andere kauften Andenken: "Es war einmal ein Mann da, der hat gleich um die 30 Postkarten gekauft. Die wollte er seinen Freunden und seiner Familie geben, als Schutz vor der Krankheit."

Oft geht der Geistliche nach eigener Aussage in Predigten oder Fürbitten auf das aktuelle Geschehen ein. Das Hygienekonzept sieht vor, dass in Sankt Korona momentan zwar nur 45 Gottesdienstbesucher gleichzeitig Platz finden. Abweisen musste Kirchmeyer aber noch niemanden, wie er erzählt.

Am 20. Februar wird in Sankt Korona in Passau stets Patrozinium - der Jahrestag der Heiligen - mit einem Festgottesdienst gefeiert. Kirchmeyer hofft, dass dies auch 2021 wieder der Fall sein kann und hat sich eines schon fest vorgenommen: "Wenn diese ganze Gaudi mit der Pandemie vorbei ist, halten wir eine große Sternwallfahrt." Aus drei Pfarrkirchen sollen sich die Gläubigen dann in der Mitte treffen und sich vor dem Altarbild, das die Heilige Corona zeigt, versammeln.

Eine Kerze brennt seit März täglich vor der Statue der Heiligen Corona in der Bubacher Pfarrkirche St. Petrus in Mamming (Landkreis Dingolfing-Landau). Dorthin wurde im Jahr 1700 die Heiligenfigur von der kleinen Wallfahrtskirche Groafrauerl (von "Groa", bayerisch kurz für Corona) gebracht. Seit der Corona-Pandemie hat die rund 60 Zentimeter große Terrakottafigur aus dem Jahr 1450 laut Pfarrer Thomas Gleißner für die Pfarrei und viele Gläubige neue Bedeutung erlangt. Vor ihr versammelten sich derzeit besonders gerne die Menschen, um ein Gebet zu sprechen oder Opferkerzen zu entzünden.

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