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Windhorst rettet erneut Flensburger Schiffbau-Gesellschaft

Flensburg  

Windhorst rettet erneut Flensburger Schiffbau-Gesellschaft

31.07.2020, 10:18 Uhr | dpa

Windhorst rettet erneut Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Lars Windhorst

Investor Lars Windhorst. Foto: Andreas Gora/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Der Schicksalstag für die traditionsreiche Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mit dem drohenden endgültigen Aus hat sich am Freitag zum Neustart gewendet - exakt einen Tag vor der Insolvenzeröffnung. Investor Lars Windhorst verkündete auf der Pier der Werft - nach einem Gespräch mit Politikern, Gewerkschaftern, Betriebsräten und der Geschäftsführung -, dass mehrere zu seiner Tennor Holding gehörende Gesellschaften die Werft und 350 der 650 Mitarbeiter zum 1. September übernehmen. Darunter sind alle 31 Auszubildenden und 9 Mitarbeiter, die ein duales Studium absolvieren.

Rund 300 Mitarbeiter sollen freiwillig in eine Transfergesellschaft wechseln - gelingt das nicht, könnte das Gesamtpaket noch platzen. Der Kaufvertrag für die "FSG 2.0" - wie Windhorst den Neustart nennt - ist demnach bereits notariell beurkundet. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Die Tennor Holding will selbst zwei RoRo-Schiffe im Wert von mehr als 100 Millionen Euro in Auftrag geben, damit die Werft wieder erste Aufträge hat.

Käufer oder Charterer für die Schiffe gibt es noch nicht. "Bleibt es dabei, haben wir dann auch noch die beiden Schiffe an der Backe", sagte Windhorst. Er machte deutlich, dass er intern nicht nur auf Zustimmung stieß für den neuerlichen Erwerb der Werft, die die für Investoren übliche Renditen nicht in kurzer Zeit werde erwirtschaften können. Aber er empfinde Verantwortung für sein Land und wolle helfen. Emotional-politische-strategische Aspekte seien für ihn dabei entscheidend gewesen.

Im Jahr 2019 hatte Windhorst die alte FSG erworben - ohne Fortune, im Frühjahr musste nach einem geplatzten Schiffsgeschäft Insolvenz beantragt werden. Insgesamt 38 Millionen Euro nennt Windhorst an Investitionskosten.

Für den Neustart der Werft hat Windhorst eine gute Ausgangsposition geschaffen, denn die neue "FSG 2.0" startet ohne Altschulden und Verbindlichkeiten. Die Insolvenzeröffnung am 1. August für die alte FSG sei also eine gute Nachricht für den Neustart wegen des Schuldenschnitts, sagte Stefan Denkhaus, Generalbevollmächtigter der FSG. Der Name der Werft FSG bleibt erhalten.

Die neue Werft braucht dringend Aufträge. Wie ein roter Faden zieht sich diese Botschaft durch die Statements, die auf der Pier gegeben werden. Nach Ansicht des Betriebsratsvorsitzenden Thomas Jansen kann eine kleinere Werft mit den beiden Schiffsaufträgen kurzfristig weitergeführt werden. Er forderte den norwegischen Ex-Eigentümer Siem auf, dass die Großfähre "Honfleur", die zurzeit in Flensburg halbfertig an der Pier liegt, auf der Werft zu Ende gebaut wird. "Dann können sofort weitere Kolleginnen und Kollegen aus der notwendigen Transfergesellschaft in die FSG geholt werden."

Windhorst zeigte sich zuversichtlich, dass das Schiff in Flensburg fertiggebaut werden werde, auch wenn er nicht der Eigentümer sei.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) lobte und dankte Windhorst für seine Engagement und stellt wieder Landesbürgschaften in Aussicht für Schiffsfinanzierungen. Dies sei für gefährdete Unternehmen in Insolvenz nicht möglich. Das Land habe in früheren Jahren 400 Millionen Euro Bürgschaften geleistet für Neubauten.

Manche fragen sich, ob Windhorst mit dem Neustart die Werft wie eine Braut für einen Weiterverkauf aufhübschen will. Mit der Pella Sietas Gruppe hatte es Gespräche gegeben. Windhorst und die FSG-Geschäftsführung machten deutlich, dass man sich Schiffbau-Kooperationen - etwa für den Bau von Eisbrechern - vorstellen könne. Pella Sietas in Hamburg habe Probleme wegen der Verschlickung des Wassers um die Werft, hieß es. Und Windhorst betont, er habe die FSG nicht erworben um sie nach einem Jahr zu veräußern. Wenn aber ein besonders zukunftsträchtiges Angebot für die Werft aus dem Industriebereich bekomme, werde man sich Gesprächen nicht verschließen.

"In diesen schwierigen Zeiten, in denen vieles im Umbruch ist, ist es für mich wichtig, zur FSG und zu den Mitarbeitern zu stehen", sagte Windhorst. Leider sei es nicht möglich, alle Arbeitsplätze zu erhalten. "Ich glaube aber grundsätzlich an eine Zukunft des Unternehmens, deshalb setze ich mich mit Tennor erneut dafür ein." Vor der Werft liege aber ein schwieriger Weg der Umstrukturierung.

Die FSG hatte im April den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Flensburg gestellt. Die Produktion stand wegen der Corona-Pandemie monatelang still, die 650 Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Buchholz sprach in Flensburg von einer Chance für einen Neustart. "Wir sind aber noch nicht über den Berg. Es muss noch einiges gelingen." Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) betonte: "Für Euphorie ist es zu früh, aber Optimismus ist angesagt."

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