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Mutmaßliche Sekten-Chefin: Lebenslange Haftstrafe gefordert

Hanau  

Mutmaßliche Sekten-Chefin: Lebenslange Haftstrafe gefordert

16.09.2020, 03:03 Uhr | dpa

Mutmaßliche Sekten-Chefin: Lebenslange Haftstrafe gefordert. Statue der Justitia

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Im Mordprozess gegen eine mutmaßliche Sekten-Chefin in Hanau hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Die 73-Jährige sei schuld am Tod eines vierjährigen Jungen im August 1988, sagte Oberstaatsanwalt Dominik Mies am Mittwoch. Er wertete die Tat als Mord durch Unterlassen. Die Angeklagte habe das ihr von Mitgliedern der Gemeinschaft zur Betreuung überlassene Kind vorsätzlich in einem über den Kopf verschnürten Leinensack seinem Schicksal überlassen. Das Opfer sei ohnmächtig geworden und dann an Erbrochenem erstickt.

Als Mordmotiv nannte die Staatsanwaltschaft einen niedrigen Beweggrund. Die Angeklagte, die angeblich direkt mit Gott kommunizierte, habe versucht, durch den Tod des Vierjährigen ihre Machtposition innerhalb der Gemeinschaft zu stärken. Vor der Tat habe sie den Jungen unter anderem als "vom Bösen besessen" bezeichnet und ihn misshandelt. Der Vierjährige habe regelmäßig im Bad schlafen müssen.

Nach dem Tod habe sie die "Eingebung" vorgetäuscht, dass Gott das Kind geholt habe. Zudem habe sie das Kind innerhalb der Gemeinschaft als Wiedergeburt von Adolf Hitler bezeichnet. Außerdem habe die Angeklagte zusammen mit ihren Anhängern versucht, die Tat zu verschleiern. Als ein Notarzt sowie die Polizei eintrafen, sei der Sack verschwunden gewesen und das offensichtlich schon tote Kind vom Bad ins Kinderzimmer gelegt worden, um Spuren zu beseitigen.

Kurz nach dem Tod des Kindes waren die Behörden im August 1988 von einem Unfall ausgegangen. Es hieß, der Junge sei an Erbrochenem erstickt. Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt, weil die Hanauer Staatsanwaltschaft den Fall 2015 neu aufrollte. Zuvor hatte es Hinweise von Sekten-Aussteigern gegeben. Die Verteidiger weisen in dem Verfahren den Mordvorwurf zurück und bezeichnen entsprechende Aussagen als "Hetzkampagne angeblicher Sekten-Aussteiger". Die Plädoyers der Verteidiger waren am Nachmittag noch nicht beendet. Das Urteil soll am kommenden Donnerstag (24.9.) verkündet werden.

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