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Mordprozess ins Stocken geraten: Kritik an Kamerateam

Limburg an der Lahn  

Mordprozess ins Stocken geraten: Kritik an Kamerateam

08.10.2020, 12:42 Uhr | dpa

Mordprozess ins Stocken geraten: Kritik an Kamerateam. Justitia

Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Nach einem Zwischenfall mit einem Kamerateam muss das Landgericht Limburg im Prozess gegen einen Mann, der Frauen zum Suizid gedrängt haben soll, erneut über die Aussetzung des Verfahrens entscheiden. Einen entsprechenden Antrag stellte die Verteidigung am zweiten Verhandlungstag am Donnerstag. Wegen des Vorfalls sei das Verfahren für den Angeklagten "vergiftet" und ein Neustart nötig, sagte einer der beiden Verteidiger.

Der Vorsitzende Richter hatte zuvor gesagt, der Angeklagte sei von dem Kamerateam am ersten Prozesstag am Dienstag bedrängt worden. Der 61-Jährige sei in einem eigentlich abgetrennten Bereich gefilmt worden, als er zu dem provisorischen Gerichtsgebäude in einem Zeltbau gebracht wurde. Es hätte verhindert werden müssen, dass so etwas passiert, räumte der Richter ein und entschuldigte sich dafür. Die Aufnahmen des Angeklagten seien später unverpixelt gesendet worden.

Die Verteidigung kritisierte "ungenügende" Sicherheitsvorkehrungen. Das Limburger Gericht hat wegen der Corona-Pandemie größere Prozesse in den Zeltbau verlegt, wo mehr Platz ist als im eigentlichen Gerichtsgebäude.

Der Prozess soll nun am nächsten Donnerstag fortgesetzt werden. Das Gericht tendiert laut dem Vorsitzenden dazu, das Verfahren nicht zu beenden. Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Das Gericht hatte zudem wegen des Vorfalls sämtliche Foto- und Drehgenehmigungen für Medienvertreter für den Prozesstag am Donnerstag widerrufen.

Der Sender RTL teilte auf Anfrage mit, dass für den Reporter nicht erkennbar gewesen sei, dass auf dem Gelände am Gerichtszelt nicht gedreht werden dürfe, es habe auch keine Absperrungen oder Hinweise von Justizbeamten oder des Sicherheitsdienstes gegeben. Die Fragen an den Angeklagten seien mit dem nötigen Corona-Sicherheitsabstand gestellt worden. Eine Demütigung könne man nicht erkennen.

Dass der Mann später unverpixelt gezeigt wurde, begründet RTL unter anderem mit der Schwere der Vorwürfe und der Tatsache, dass der Mann bereits einschlägig verurteilt worden sei und mit "außergewöhnlicher Kriminalität" gehandelt habe. Insofern überwiege das öffentliche Informationsinteresse das Persönlichkeitsrecht. Der Widerruf aller Foto- und Drehgenehmigungen durch das Gericht sei aus Sicht des Senders "rechtswidrig und nicht verfassungskonform".

Der Angeklagte steht wegen Mordes, versuchten Mordes und Verabredung zum Mord vor Gericht. Der Deutsche soll psychisch labile Frauen zum Suizid gedrängt oder dies versucht haben. Der 61-Jährige hatte, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, drei Frauen aus Bayern und Bremen per Chat oder Telefon manipuliert, damit sie sich selbst töten oder sie dies ihm überlassen. Eine Frau beging tatsächlich Suizid. Motiv des Angeklagten soll die Befriedigung seiner "sexuell motivierten Tötungsfantasien" gewesen sein.

Einen ersten Aussetzungsantrag der Verteidigung, der sich um ein kurzfristig in Auftrag gegebenes Gutachten drehte, wies die Kammer des Landgerichts zurück.

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