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"Direkt von der Kante": Anwohner-Dialog im Braunkohlegebiet

Erkelenz  

"Direkt von der Kante": Anwohner-Dialog im Braunkohlegebiet

15.10.2020, 19:33 Uhr | dpa

"Direkt von der Kante": Anwohner-Dialog im Braunkohlegebiet. Andreas Pinkwart

Andreas Pinkwart auf der Dialogveranstaltung zum Entwurf für das rheinische Braunkohlerevier. Foto: Roberto Pfeil/dpa (Quelle: dpa)

Wie wird der beschlossene Ausstieg aus der Braunkohleverstromung umgesetzt? Bei einem öffentlichen Dialog im Rheinischen Revier in Erkelenz ging es am Donnerstag um die Leitentscheidung der NRW-Landesregierung. "Wir haben unsere Spielräume genutzt", sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) vor rund hundert Zuhörern in der Stadthalle von Erkelenz. So solle der Abstand zwischen den Ortsrändern zum Tagebau auf mindestens 400 Meter vergrößert werden. Auch solle die Umsiedlung möglichst sozialverträglich geschehen.

Während vor der Veranstaltungshalle Dutzende Menschen mit Schildern und Reden gegen den Braunkohleabbau und die Umsiedlung der Dörfer protestierten, blieb heftiger Protest im Saal aus. Denn im Publikum waren viele Anwohner mit konkreten Anliegen. Vor allem die Abstandsfrage zum Tagebau treibt offenbar viele um. "400 Meter sind kein Lärmschutz", stand auf einem der vielen Zettel, die im Saal an Kommentarwände geheftet wurden. "Nachtbaggerverbot einführen", forderte ein Anwohner. "Was macht RWE gegen den Dreck in den nächsten Jahren? Wir brauchen Abstand!", verlangte ein anderer.

Mit der Leitentscheidung wird der auf Bundesebene beschlossene Kohleausstieg in Nordrhein-Westfalen umgesetzt. Der Entwurf kann bis Anfang Dezember digital kommentiert werden. Im nächsten Frühjahr soll die gesetzliche Grundlage für den Braunkohle-Abbau in NRW verabschiedet werden. Trotz des beschlossenen Ausstiegs aus der Braunkohleförderung bis 2038 sollen noch die Erkelenzer Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath dem Tagebau weichen.

"Ich bin direkt von der Kante", berichtete ein Mann aus Keyenberg. Die Bewohner wollten genau wissen, wie der Abbau geplant sei, berichtete er. Er setze auf eine weitere Leitentscheidung, so dass das Dorf bleiben könne - und war einer der wenigen Redner, der für seinen Beitrag Applaus bekam.

Pinkwart hob auch die Bedeutung des Energieunternehmens RWE hervor. Es solle seinen Versorgungsauftrag zur Stromversorgung erfüllen können. Er wolle auch der Region für die seit Jahren stabile Energieversorgung danken, sagte der Minister.

Auch auf RWE und seine Mitarbeiter kommen durch den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung einschneidende Veränderungen zu: Man beginne mit dem sozialverträglichen Personalabbau, berichtete Lars Kulik, der Vertreter von RWE, bei der Dialogveranstaltung. Tausende Stellen werden abgebaut.

Bürgermeister Peter Jansen sieht "die Geschichte des Tagebaus in Erkelenz als eine Geschichte von Hoffnung und Enttäuschung". Seine Region, die direkt an den Tagebau Garzweiler grenzt, müsse bis zum Ende damit leben, sagte der CDU-Politiker. Denn die beiden anderen Tagebaue Inden und Hambach sollen deutlich eher außer Betrieb gehen.

Es sei noch nie so viel zugehört worden, sagt Jansen über den Beteiligungsprozess. Aber es gebe keine Entscheidung, die alle hundertprozentig zufrieden mache. Der Bürgermeister forderte die Anwohner zu einer konstruktiven Teilnahme an dem Beteiligungsverfahren auf. Auch er ist offensichtlich nicht mit allem einverstanden, unter anderem mit der Abstandsregelung: "Es gibt noch ein paar Stellschrauben, die zu stellen sind". Eine weitere Dialogveranstaltung ist am 29. Oktober in Kerpen geplant.

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