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Kaddor: Unwissen und Vorbehalte bei Jugend gegenüber Juden

Duisburg  

Kaddor: Unwissen und Vorbehalte bei Jugend gegenüber Juden

18.10.2020, 09:33 Uhr | dpa

Kaddor: Unwissen und Vorbehalte bei Jugend gegenüber Juden. Lamya Kaddor

Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin und Publizistin von der Universität Duisburg-Essen. Foto: Jörg Carstensen/dpa (Quelle: dpa)

Um Antisemitismus entgegenzuwirken, sollte man nach Einschätzung von Religionspädagogin Lamya Kaddor intensiver im Jugendalter ansetzen. Bei jungen Leuten sei kaum Wissen über das aktuelle, lebendige Judentum vorhanden, es bestehe praktisch kein persönlicher Kontakt zu jüdischem Leben in Deutschland. Das seien erste Erkenntnisse aus dem von ihr geleiteten Projekt an der Uni Duisburg-Essen, das von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wird, schilderte die Erziehungswissenschaftlerin.

Es seien diffuse Vorbehalte und großes Unwissen über das Judentum, den Staat Israel und über historische Zusammenhänge in den noch laufenden ausführlichen Interviews zutage getreten. Die Ergebnisse seien nicht repräsentativ, aber aussagekräftig. "Es war kein offener, überzeugter Antisemitismus festzustellen, aber latente, unbewusste Vorbehalte und ein lückenhaftes, undifferenziertes Bild, das schon in Richtung antisemitische Haltung geht."

Ziel des auf vier Jahre angelegten Projekts sei es, einen "Bildungskoffer" für den Einsatz an Schulen, der außerschulischen Jugendarbeit und für die Präventionsarbeit zusammenzustellen. Schon jetzt habe die Befragung der 15- bis 25-Jährigen gezeigt, dass es viele "blinde Flecken" beim Wissenstand gebe, auch beim Thema Holocaust und der sich daraus ergebenden Verantwortung Deutschlands.

Dieses Thema sowie Fragen rund um Islam, Islamismus, Islamfeindlichkeit - "anstrengende, schwere Kost" - wolle sie neben anderen Themen - im Bundestag voranbringen und daher für die Grünen kandidieren, sagte die Islamwissenschaftlerin. "Die Grünen sind bereit und in der Lage, sich den Herausforderungen in diesen Bereichen verstärkt zu stellen", meinte Kaddor. "Mit zunehmender Diversität in der Gesellschaft und damit einhergehenden Konflikten sind das Zukunftsaufgaben."

Die Partei müsste die 42-jährige Duisburgerin für ihre Pläne auf einen aussichtsreichen Listenplatz wählen. Neben ihrer Forschungsarbeit lehrt die Mitbegründerin des Liberal-Islamischen Bunds islamische Religion an einem Gymnasium. "Ich möchte nicht immer nur von der Politik fordern, sondern auch selbst in der Politik Verantwortung übernehmen."

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