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Kitas auf Vormarsch in MV: Weniger Tageseltern

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Kitas auf Vormarsch in MV: Weniger Tageseltern

19.10.2020, 06:39 Uhr | dpa

Kitas auf Vormarsch in MV: Weniger Tageseltern. Kita

Gummistiefel für Kinder stehen in der Garderobe einer Kindertagesstätte. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Die Zahl der in Kitas, Horten und bei Tageseltern betreuten Kinder ist in Mecklenburg-Vorpommern auf ein Rekordhoch seit den 1990er Jahren gestiegen. Am Stichtag 1. März 2020 wurden 113 412 Mädchen und Jungen betreut, wie aus einem aktuellen Bericht des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Davon gingen 109 642 Kinder in Kitas und Horte - ebenfalls ein Rekord. Dagegen nimmt die Bedeutung von Tagesmüttern und Tagesvätern immer weiter ab. Zuletzt wurden dort 3770 vornehmlich kleine Kinder betreut. 2019 waren es noch gut 4000, der Höchststand war 2013 mit 5486 erreicht.

Cindy Materna vom Landesverband Kindertagespflege sagte, schlechte Bezahlung lasse immer mehr Tagespflegepersonen aufgeben. "Mir bleiben netto weniger als 1000 Euro im Monat." Dabei arbeiteten Tagesmütter und -väter 50 Stunden und länger pro Woche, denn ein Ganztagsplatz heißt in Mecklenburg-Vorpommern Anspruch auf zehn Stunden Betreuung. Ihr Verdacht: "Wir waren Lückenfüller. Jetzt sind genügend Kitas gebaut worden, jetzt meint man uns nicht mehr zu brauchen."

Eine Tagespflegeperson darf maximal fünf Kinder betreuen. Das und die Flexibilität gerade bei Schichtarbeit wüssten Eltern zu schätzen, sagte Materna. Die Nachfrage sei groß, viele Kindertagespflegen führten Wartelisten. Dennoch sei die Zahl der Anbieter von gut 1300 im Jahr 2016 auf jetzt unter 900 gesunken. Materna forderte eine bessere Bezahlung, verantwortlich seien die Landkreise und kreisfreien Städte.

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) bestätigte die schlechte Bezahlung der Tagesmütter und -väter. Sie warb dafür, dass die Städte und Landkreise ihnen künftig mehr Geld überweisen. Drese: "Mit der neuen Finanzierung des Kindertagesförderungsgesetzes MV seit dem 1. Januar 2020 besteht auch mehr Spielraum für die Kommunen, die laufende Geldleistung anzupassen." Das Land übernehme seit diesem Jahr 54,5 Prozent der Kosten. "Dies ermöglicht den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe, künftig eine bessere Vergütung auch im Bereich der Kindertagespflege sicherzustellen", meinte die Ministerin. Allerdings erwägt ein Landkreis, Klage gegen das Gesetz zu erheben, weil zu viele Lasten bei den Kommunen hängen blieben.

Bis 2005 hat das Statistische Landesamt nicht die Zahl der betreuten Kinder, sondern die Zahl der verfügbaren Plätze in Tageseinrichtungen erfasst. Diese sank den Angaben zufolge von 166 664 im Jahr 1991 bis auf 80 519 im Jahr 2002. Die Zahl der betreuten Kinder wird erst seit 2006 erfasst - damals waren es 82 417.

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