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Kutscher rollten mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

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Kutscher rollten mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

20.10.2020, 06:08 Uhr | dpa

Kutscher rollten mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer. Kutschfahrten in der Lüneburger Heide

Urlauber lassen sich mit einer Kutsche durch die Lüneburger Heide fahren. Foto: Philipp Schulze/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

In der Lüneburger Heide geht die Kutschsaison langsam zu Ende, doch Britta Alpers war auch am Dienstag noch mit vielen Kindern und Erwachsenen auf dem Wagen unterwegs. "Man merkt, es sind Herbstferien. Es sind immer noch Gäste vor Ort", sagt die Kutscherin aus Egestorf-Döhle im Kreis Harburg. Und jede Fahrt hilft wirtschaftlich nach einem Corona-Sommer voller Einschränkungen. "Bis Ende Mai durften wir ja gar nicht fahren", blickt Alpers zurück.

Fast 7000 Quadratkilometer groß ist die hügelige Lüneburger Heide, und Kutschen gehören zur Landschaft wie Wacholder oder Heidschnucken. Auch die Geschäftsführerin des Naturparks Lüneburger Heide, Hilke Feddersen, bestätigt, dass die Saison für die Kutschanbieter schwierig gewesen sei. Anfangs habe es für alle Beteiligten Unsicherheiten gegeben. Dann sei klargestellt worden, "dass Kutschen zu behandeln sind wie öffentlicher Personennahverkehr". Also galt eine Maskenpflicht wie im Bus - trotz der frischen Luft.

"Als es lief, haben die Kutschen eine extrem hohe Nachfrage gehabt", sagte Feddersen der Deutschen Presse-Agentur. "Es konnten gar nicht alle Kunden bedient werden." Allerdings mussten die Kutscher meist ihre großen Gefährte für über 20 Personen im Stall lassen. Gefragt waren kleine Kutschen. Das lag daran, dass in dieser Saison viel weniger Reisebusse kamen. Auch wollten viele Gäste nicht zu dicht gedrängt auf der Kutsche sitzen. Sie seien aber bereit gewesen, für das Alleinsein tiefer in die Tasche zu greifen, sagt Feddersen.

Bei ihren Touren nach Wilsede und in andere Heidedörfer hat die Geschäftsführerin beobachtet, dass in diesem Sommer andere Gäste gekommen sind als sonst. Es reisten weniger Touristen von weit aus Berlin oder Nordrhein-Westfalen an. Dafür kamen mehr Menschen aus der Region, auch - im Gegensatz zum etwas altbackenen Image des Heidetourismus - viele junge Menschen, Familien mit Kindern.

Alpers hält fünf Rappen und kann für ihre Fahrten fünf Kutschen verschiedener Größe anbieten. Die Kunden hätten in diesem Jahr die Fahrten mit der Hochzeitskutsche abgesagt, berichtet sie. Und auch das Ausbleiben der großen Busreisegruppen hat sie gespürt. "Weil die kleinen Wagen gut gelaufen sind, ist es nicht so dramatisch gewesen", sagt sie. "In letzter Zeit ging es wieder los mit Planwagenfahrten." Doch der beliebte Platz auf dem Bock neben der Kutscherin musste in diesem Jahr frei bleiben. Sie selbst trug die ganze Zeit Maske.

Feddersen sagt, dass den Heidekutschern auch Einnahmen entgangen seien wie die Teilnahme an Umzügen in anderen Städten. Deshalb sei noch nicht klar, ob alle Betriebe wirtschaftlich überleben könnten. Für die Zukunft komme es darauf an, die Angebote für Kleingruppen oder ungewöhnliche Fahrstrecken auszubauen. "Man darf nicht darauf setzen, dass nächstes Jahr wieder der große Bus kommt", sagt sie.

Auch Alpers erklärt, dass dem Kutschtourismus in der Heide eine Modernisierung gut täte. Die Pferdewirtin hat vor drei Jahren ihren Brotberuf im Kindergarten an den Nagel gehängt und sich selbstständig gemacht. Seitdem fährt sie Kindergruppen, nimmt auch einen Clown an Bord, bietet Picknickfahrten oder Exkursionen zu den Schäfern und deren Heidschnucken an. Doch sie beobachtet auch, dass viele ältere Kutscherkollegen das Geschäft stillschweigend aufgeben. "Wir sind leider, leider eine aussterbende Zunft", sagt sie.

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