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Forscher: Proteste gegen A49 haben Symbolcharakter

Kirtorf  

Forscher: Proteste gegen A49 haben Symbolcharakter

23.10.2020, 05:30 Uhr | dpa

In den Aktionen gegen den Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen sieht der Experte Felix Anderl einen Beleg für ein wachsendes Protestpotenzial vor allem jüngerer Menschen in Deutschland. Bewegungen wie Fridays for Future und andere Gruppen suchten Möglichkeiten für "symbolische Zusammenkünfte", um sich gegen den Klimawandel und für Nachhaltigkeit einzusetzen, sagte der Protestforscher vom Leibniz Institut Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung der Deutschen Presse-Agentur. Ob sich dies längerfristig auch parteipolitisch niederschlage, sei noch offen.

Aus Widerstand gegen Rodungsarbeiten für das Projekt hatten sich Waldbesetzer in Baumhäusern im Herrenwald bei Stadtallendorf und im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm eingerichtet. Immer wieder klettern sie auf Bäume, um Fällarbeiten zu verhindern oder hinauszuzögern, teils ketten sich Menschen an Barrikaden fest oder besetzen Baufahrzeuge.

Ziel der Aktivisten sei es, mit spektakulären Aktionen Aufmerksamkeit zu erzeugen, sagte Anderl. Neben dem konkreten ökologischen Ansatz, die betroffenen Bäume vor der Rodung zu schützen, seien die Proteste aber auch "ein Symbol für was Größeres". Deshalb flössen beispielsweise auch antirassistische und feministische Ansätze ein. "Es geht um eine ganz andere Produktionsweise und ein anderes Zusammenleben, um eine nachhaltige Lebensform, die gerecht ist für Menschen und Natur", sagte Anderl, der sich dazu bekannte, Verständnis für die Anliegen der Proteste zu haben.

Zugleich räumte er ein, dass Ereignisse wie der Unfall mit einem Schwerverletzten an einem Stauende nach einer Abseilaktion von Aktivisten an der Autobahn 3 den Protesten schadeten und Sympathien verspielten. Rangeleien zwischen Aktivisten und Polizei hingegen sollte man aus Sicht von Anderl "nicht dramatisieren". Grundsätzlich sei die Gewaltlosigkeit in der Umweltbewegung stark ausgeprägt.

Dass an dem Weiterbau der A49 noch einmal gerüttelt werden könnte, daran glaubt Anderl derweil nicht. Die Proteste hätten aber die öffentliche Debatte bereits verändert. Zunehmend setze sich die Haltung durch "Infrastruktur ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen - Ökologie und Nachhaltigkeit müssen auch einen Stellenwert haben", so Anderl.

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