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Grabungen bei Ursaurier-Fundstätte fördern Neues zu Tage

Tambach-Dietharz  

Grabungen bei Ursaurier-Fundstätte fördern Neues zu Tage

23.10.2020, 12:27 Uhr | dpa

Grabungen bei Ursaurier-Fundstätte fördern Neues zu Tage. Paläontologische Ausgrabungen

Forscher der Universität Jena, des Naturkundemuseums Berlin und von Schloß Friedenstein graben an einer Aushebung am Bromacker. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/ZB/Aktuell (Quelle: dpa)

Auf den ersten Blick wirkt die hügelige, mit Gestrüpp übersäte Fläche am Waldrand recht unspektakulär. Doch der Klang von beständigem Klopfen, der an diesem Freitag aus einer Grube zu vernehmen ist, lässt erahnen, dass es auf dem Areal bei Tambach-Dietharz noch etwas mehr zu entdecken gibt. Tatsächlich handelt es sich bei dem sogenannten Bromacker um eine der weltweit bedeutendsten Fundstätten für Ursaurier. Die Landwirbeltiere lebten vor zig Millionen Jahren auf der Erde - noch lange vor den Dinosauriern.

Nachdem es gut zehn Jahre auf dem Bromacker keine Grabungen mehr gegeben hatte, haben Wissenschaftler dort nun wieder die Arbeit aufgenommen. Mehrere Skelettteile haben die Forscher dort schon innerhalb der zweiwöchigen Testgrabungen gefunden. Schon am ersten Tag sei der womöglich spektakulärste Fund gemacht worden, sagt Jörg Fröbisch vom Museum für Naturkunde in Berlin. Dabei handle es sich um Gänge, die noch nicht näher bekannte Tiere dort in früher Urzeit gegraben hätten. Im Sandgestein sind sie konserviert. Abzweigungen und Kammern können geschulte Augen dort sehen. "Es waren sehr kleine Wirbeltiere, vielleicht 20 bis 30 Zentimeter lang", so Fröbisch. Besonders sei der Fund deshalb, weil er womöglich der älteste und komplexeste seiner Art sei.

Gut 290 Millionen Jahre alt sind die teils spektakulären Funde aus dem Unteren Perm, die auf dem Bromacker bislang gemacht worden sind. Vor einigen Jahrzehnten wurden dort etwa die Überreste zweier Ursaurier gefunden, die als "Tambacher Liebespaar" weltweit bekannt wurden. Die Skelette der Art Seymouria sanjuanensis schienen sich eng aneinander zu kuscheln.

Funde dieser Saurier-Art wurden auch in den USA gemacht. Für Forscher ist das ein Beleg für die Existenz des Urkontinents Pangäa. Die Landschaft beim Bromacker habe damals wohl Gebieten wie in der Mongolei heute geähnelt, sagt Christoph Heubeck, Professor für Allgemeine und Historische Geologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Es sei vielleicht eine Steppen-Graslandschaft gewesen, durchzogen von Flüssen.

Er und seine Geologen-Kollegen wollen mit ihren Kartierungsarbeiten, Bohrungen und anderen Untersuchungen den Paläontologen bei dem Projekt zusätzliches Wissen über die Landschaft, das Klima und somit die Lebensumstände der Ursaurier liefern. Das helfe etwa auch dabei zu klären, wie die Tiere aussahen, ob sie etwa Fell hatten. "Ich fühle mich ein bisschen wie ein Kind, das mit anderen Kindern zusammen am Küchentisch sitzt und ein Puzzle zusammensetzt", beschreibt Heubeck die Aufgabe am Freitag.

Noch bis Sonntag sind die Forscher für Testgrabungen vor Ort. "Etwa ein Mal am Tag finden wir einen Knochen", sagt Philipp Knaus vom Berliner Naturkunde-Museum, während er wie seine Kollegen mit einem Hammer Teile des Schluffstein-Gesteinspakets nach potenziellen Fundstücken abklopft.

Hintergrund der neuen Ausgrabungen ist ein Projekt, bei dem auch neue Wege des Wissenstransfers gegangen werden sollen. Dabei arbeiten die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, das Museum für Naturkunde Berlin - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Nationalen GeoParks Thüringen Inselsberg-Drei Gleichen zusammen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt soll bis 2025 Einblicke in das Leben früher Landwirbeltiere geben. Weitere Grabungen stehen im Sommer 2021 an.

Für die öffentliche Wissensvermittlung seien etwa digitale Medien und Führungen zur Ausgrabungsstelle geplant. Zudem soll es Live-Präparationen von Fossilien geben.

Die Besonderheit der Fundstelle bestehe auch darin, dass bislang oft zu Spuren und Fährten - Kratzer oder eben die gegrabenen Gänge - auch die passenden Tierskelette dort entdeckt wurden. "Und das ist der absolute Hammer", sagt Tom Hübner, wissenschaftliche Mitarbeiter der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Aus seiner Sicht ist es auch keine Frage, ob, es einen neuen Sensationsfund gibt - sondern eher wann.

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