Sie sind hier: Home > Regional >

Demonstranten blockieren Zufahrt zu Schlachthof

Kellinghusen  

Demonstranten blockieren Zufahrt zu Schlachthof

02.11.2020, 11:51 Uhr | dpa

Demonstranten haben vom frühen Montagmorgen an über Stunden die Zufahrt zum Schlachthof in Kellinghusen (Kreis Steinburg) blockiert. "Wir haben hier ungefähr 60 Personen, von denen einige die zwei Zufahrten zum Gelände blockieren", sagte eine Polizeisprecherin. Zudem seien Demonstranten auf mehrere Dächer des Betriebes - des größten Schlachthofs in Schleswig-Holstein - geklettert. Seit 6.00 Uhr stand mindestens ein Lastwagen mit mehreren Tieren auf der Zufahrtsstraße und wartete auf die Weiterfahrt. Nach elf Stunden konnte die Polizei den Einsatz beenden.

"Unter Einsatz von einfacher körperlicher Gewalt" räumte die Polizei nach eigenen Angaben die Zufahrtstore zum Schlachthof und holte mit Unterstützung der Feuerwehr die Demonstranten von den Dächern.

Die Polizei stellte von rund 40 Personen die Identitäten zur Einleitung von Strafverfahren fest, etwa zehn Demonstranten mussten sich erkennungsdienstlichen Maßnahmen am Behördenstandort in Itzehoe unterziehen. Die Teilnehmer werden sich den Angaben zufolge unter anderem wegen Hausfriedensbruch und Nötigung verantworten müssen. Des Weiteren nahmen Beamte eine Strafanzeige wegen einer Sachbeschädigung auf - an einem Fahrzeug hatte ein Unbekannter einen Reifen zerstört.

Eine spontane Gegen-Demonstration von etwa 30 bis 40 Landwirten, die sich im Verlauf des Einsatzes am Betriebsgelände versammelt hatten, ging nach Angaben der Polizei ohne Zwischenfälle zu Ende. Mitarbeiter des zuständigen Ordnungsamtes vermittelten zwischen den Umweltaktivisten und den Landwirten - ein kurzes Gespräch zwischen beiden Parteien fand noch vor Ort statt.

Zu der Aktion hatte das Bündnis "Gemeinsam gegen die Tierindustrie" aufgerufen. Eigenen Angaben zufolge will das Bündnis damit erreichen, dass die Produktion in Schlachthöfen mit Blick auf die Corona-Pandemie und schlechte Arbeitsbedingungen eingestellt wird.

Ein Teil der wartenden Tiere war nach Unternehmensangaben schon vor Ende der Blockade über Feuerwehrzufahrten in den Stall und an die Futtertröge gebracht worden. Die Arbeit im Schlachtbetrieb habe am Mittag wieder anlaufen können.

Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, forderte ein schnelles und konsequentes Eingreifen des Staates gegen Blockadeaktionen an Schlachthöfen wie in Kellinghusen. "Es ist nicht hinnehmbar, dass rechtmäßig arbeitende Unternehmen durch eindeutig rechtswidrige Aktionen geschädigt und so das Demonstrationsrecht missbraucht wird", sage Schwarz. "Wer den Schweinestau durch Blockaden vergrößert, dem geht es nicht um Tierschutz, noch interessiert ihn die Versorgungssicherheit der Verbraucher", sagte Schwarz.

In Schleswig-Holstein sind nach Angaben von Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zurzeit etwa 40 000 zur Schlachtung anstehende Schweine überfällig. Hintergrund sind die zurzeit geringeren Schlachtkapazitäten wegen Corona-Fällen auf großen Schlachthöfen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Ein weiterer Grund sind Importverbote von deutschem Schweinefleisch in 13 Nicht-EU-Staaten - darunter China - wegen der Afrikanischen Schweinepest, die in Deutschland in mehreren Bundesländern bei Wildschweinen festgestellt wurde, bislang aber nicht in Schleswig-Holstein.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal