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Wasser per Kanister statt aus der Leitung

Langenhagen  

Wasser per Kanister statt aus der Leitung

05.11.2020, 12:15 Uhr | dpa

Wasser per Kanister statt aus der Leitung. Ein überlaufendes Glas, in das Trinkwasser läuft

Ein überlaufendes Glas, in das Trinkwasser läuft. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Wasser kommt aus der Leitung, darauf verlässt man sich, ohne viel darüber nachzudenken. Nur: Was tun, wenn verunreinigtes Trinkwasser nicht mehr benutzt werden darf? In Langenhagen bei Hannover ist genau das seit gut einer Woche der Fall. Grund für die Verunreinigung ist vermutlich ein Reinigungsmittel. Mal eben einen Kaffee kochen, die Dusche morgens, all das ist für viele Menschen in Langenhagen derzeit unmöglich. Rund 2000 Haushalte waren betroffen, nach ersten Lockerungen ist die Trinkwassernutzung für etwa 400 davon wieder freigegeben.

"Wir haben bemerkt, dass das Wasser der Toilettenspülung geschäumt hat", sagten Ingrid und Jürgen Schreiber aus Langenhagen am Donnerstag. "Zum Glück war in der Kaffeemaschine noch Wasser vom Vortag, so hatten wir wenigstens frischen Kaffee." Derzeit werden die Menschen an sechs Ausgabestellen versorgt, per Fünfliterkanister oder mit Plastikflaschen in Getränkekisten holen sie dort ihr Trinkwasser. Waschen oder Duschen geht nach Angaben der Stadt in einer Schulsporthalle, allerdings nur nachmittags und nach Voranmeldung. Wer nicht gut zu Fuß oder pflegebedürftig ist, kommt nicht zu kurz, wie ein Sprecher der Stadt sagte. Die Johanniter hätten die Versorgung dieser Menschen organisiert.

In der Sporthalle könnten auch Menschen duschen, die eigentlich in Corona-Quarantäne seien, sagte der Sprecher. Laut Gesundheitsamt dürften sie dort duschen, wenn sie nicht positiv auf Covid-19 getestet seien. Sie müssten mit dem eigenen Auto kommen, nach dem Duschen werde gereinigt und desinfiziert.

Allein das Technische Hilfswerk verteilt an seinen Ausgabestationen per Lastwagen täglich rund 14 000 Liter Wasser, wie Sprecher Pierre Graser sagte. Und das schon seit dem vergangenen Donnerstag. Zuvor wurde die Verunreinigung des Trinkwassers entdeckt - nach Angaben der Stadt Langenhagen haben Netztechniker des Energie- und Wasseranbieters Enercity das Problem schnell gefunden. Die Schadensmeldung kam nach Angaben eines Enercity-Sprechers am 28. Oktober, das Gebiet sei dann schnell separiert worden, um das belastete Wasser vom restlichen Netz fernzuhalten.

Für 20 Prozent der betroffenen Haushalte sei die Störung vorbei, das sei die "frohe Botschaft", betonte der Sprecher. Das Netz sei gespült worden, aber auch die Haushalte und Betriebe müssten ihre Leitungen mehrmals durchspülen. Für die restlichen Betroffenen gelte weiter, dass das verunreinigte Wasser nur für die Toilettenspülung genutzt werden dürfe. Unklar war zunächst, wann diese Menschen das Wasser wieder nutzen dürfen, wie ein Sprecher sagte. Das könne in wenigen Tagen oder auch in einer bis zwei Wochen der Fall sein und hänge von der Entwicklung der Wasserqualität ab: "Die muss stimmen, da kann man nicht experimentieren."

Enercity geht davon aus, dass es sich bei der Substanz im Wasser um ein Reinigungsmittel handele, das für Schaumbildung gesorgt habe. Vermutlich stamme das Reinigungsmittel aus einem Gewerbebetrieb. Die Proben des verunreinigten Wassers seien "mit Blaulicht nach Karlsruhe" geschickt worden, sagte der Sprecher - in ein Speziallabor. Vergleichbare Fälle kennt Enercity nicht, ebenso wenig der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Nach Schätzung der Sprecherin des Technologiezentrums Wasser in Karlsruhe sind vergleichbare Fälle eher selten. Es seien lokale Ereignisse, insgesamt sei das Trinkwasser gut geschützt.

Kritisch sehen Ingrid und Jürgen Schreiber aus Langenhagen den Informationsfluss, das Technische Hilfswerk helfe aber gut. Von der Verunreinigung hätten sie per Lautsprecherwagen in ihrer Straße erfahren. Duschen in der Sporthalle müssen sie nicht: "Zum Duschen fahren wir zu Freunden, die nicht von der Verunreinigung betroffen sind."

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