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Dörte-Hansen-Roman "Altes Land" im TV

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Dörte-Hansen-Roman "Altes Land" im TV

11.11.2020, 06:55 Uhr | dpa

Dörte-Hansen-Roman "Altes Land" im TV. Roman-Verfilmung "Altes Land"

Milan Peschel, Marius Ahrendt, Maria Ehrich, Birte Schnöink und Robin Sondermann am Filmset. Foto: Carmen Jaspersen/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Apfelbäume, reetgedeckte Häuser, plattes Land soweit das Auge reicht und mittendrin eine grauhaarige, knorrige Iris Berben. Als Vera Eckhoff macht die 70-Jährige in der Verfilmung des Dörte-Hansen-Debüts "Altes Land" wenig Worte. Stattdessen blafft und knurrt sie sich durch ihren Alltag und hält sich fast alle Menschen durch schlechte Laune erfolgreich vom Hals.

Um Berbens Figur dreht sich das vielschichtige Generationenporträt aus einem Dorf mitten in Norddeutschland. Im Mittelpunkt der Geschichte: starke Frauen aus drei Generationen mit jeder Menge emotionalem Gepäck. Das ZDF zeigt die Verfilmung des Heimat- und Familienromans aus dem Jahr 2015 am Sonntag und Montag jeweils um 20.15 Uhr. In der Mediathek ist der Zweiteiler bereits am Samstag abrufbar.

Der Zweiteiler wirkt wie ein Fenster, durch das man in einen alten Bauernhof und seine Bewohner im Laufe der Zeit schauen kann. Die Geschichte beginnt in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Veras Mutter (Birte Schnöink) hatte es auf der Flucht von Ostpreußen nicht leicht, verlor Mann und Kind an Krieg und Kälte. Im Alten Land bei Hamburg angekommen, findet sie auf dem zugewiesenen Bauerngut mit der kleinen Vera Unterschlupf bei einer griesgrämigen Bäuerin (Karoline Eichhorn).

Als wenig später deren Sohn Karl (Milan Peschel) - innerlich und äußerlich gezeichnet - aus dem Krieg zurückkehrt, bahnt sich eine Liebe an. Karl wird Veras Stiefvater - und damit bald zur einzigen Familie, die ihr bleibt. Denn ihre Mutter verlässt sie für einen reichen Mann und ein neues Kind - ohne warme Worte oder Worte des Bedauerns.

Doch Vera lässt sich nicht unterkriegen, sie studiert, wird erste Zahnärztin im Alten Land, steht ihrem Stiefvater treu zur Seite und findet ihre Wurzeln in der Nachbarschaft des alten Hofes. Gleichzeitig aber wirkt sie verloren, einsam, zu stolz. Bis ihre quirlige Nichte Anne (Svenja Liesau) mit ihrem kleinen Sohn vor der Tür steht. Vera hat plötzlich eine Chance auf Versöhnung, auf eine neue Zukunft.

Die Verfilmung der Geschichte einer Familie aus dem malerischen Alten Land an der Elbe hat keinen klassischen Aufbau, der langsam zum dramatischen Höhepunkt und dann zum erwartbaren Happy End führt. Stattdessen nimmt der Zweiteiler den Zuschauer mit auf eine Reise durch die Zeit und die pittoreske Region. Dabei lässt er sich Zeit, zeigt Facetten des Lebens, deutet Konflikte an, lässt Brüche zu.

"Altes Land" erzählt dabei wie nebenbei von alltäglichen Konflikten zwischen Alt und Jung, Deutschen und Ausländern, Spießern und Freigeistern, Stadt- und Landmenschen, Männern und Frauen, großen und kleinen Schwestern, Vegetariern und Fleischessenden, Bio-Bauern und konventionellen Landwirten. Der Film bewertet nicht. Er zeigt nur. Aber man darf bei allen mal durchs Küchenfenster gucken und sich eine Meinung bilden.

Die Geschichte fließt meist ganz lässig dahin. Langweilig wird sie dennoch nicht. Sie fesselt stattdessen in ihrer Bedächtigkeit geradezu. Und das liegt vor allem an den guten Schauspielern. Sowohl Iris Berben, Milan Peschel, Svenja Liesau, Peter Kurth (als liebevoll spießiger Nachbar Hinni) und Maria Ehrich überzeugen durch eindrucksvolle Mimik, die oft auch ohne große Worte auskommt. Selbst Nina Kunzendorf, deren Figur der egozentrischen und wenig empathischen jüngeren Schwester recht überzogen und holzschnittartig rüberkommt, schaut man gern beim Übertreiben zu.

Die Familiengeschichte war als Buch ein Sensationserfolg. Auch als Film beeindruckt sie. Und am Ende bleiben vor allem die schönen Seiten der Apfel- und Kirschregion an der Elbe und Iris Berben in Erinnerung. Grauhaarig, grummelig, das Gewehr im Anschlag.

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