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Alkoholismus: Mehr Andrang bei Selbsthilfegruppen

Koblenz  

Alkoholismus: Mehr Andrang bei Selbsthilfegruppen

20.11.2020, 06:09 Uhr | dpa

Alkoholismus: Mehr Andrang bei Selbsthilfegruppen. Das Logo der Anonymen Alkoholiker hängt an einer Wand

Das Logo der Anonymen Alkoholiker hängt an einer Wand. Foto: Tom Weller/dpa (Quelle: dpa)

Teil-Lockdown, Einsamkeit, Ängste - Corona treibt in Rheinland-Pfalz die Zahl der Hilferufe bei Selbsthilfegruppen für Alkoholiker nach oben. "Viele Leute spüren eine Ausweglosigkeit. Sie verlieren ihren Job oder sind in Kurzarbeit", sagt Monika von den Anonymen Alkoholikern in der Pfalz. "Dann hockt man zu Hause aufeinander, es gibt Aggressionen - da ist Alkohol ein Mittel, um sich weg zu beamen", erklärt die trockene Alkoholikerin, die ihren Nachnamen nicht nennen will. "Die Zahl der Anrufe bei uns hat zugenommen." Das Problem ziehe sich "vom Müllmann bis zum Doktor".

Der Vorsitzende des Freundeskreises Westerwald - Verein für Suchtkrankenhilfe, Gerhard Weyer, sagt in Marzhausen, in Zeiten von Kurzarbeit, Kontaktbeschränkungen und Homeoffice fehle vielen der Austausch mit Kollegen und Freunden. Die Isolierung zu Hause und die Ängste vor der Zukunft könnten zum "Erleichterungstrinken" führen. Weyers Ehefrau Ellen ergänzt, häufig würden dabei die Angehörigen vergessen: "Oft sind sie nervlich mehr belastet als der Alkoholiker selbst. Oft nehmen sie zuerst den Kontakt mit uns auf."

Der eher triste November könne Alkoholismus noch verstärken, sagt Monika. "Viele Angehörige wollen auch vor Weihnachten noch ihre Trinkenden trockenlegen. Aber das funktioniert nicht so leicht. Der Trinkende muss selbst die Einsicht haben." Ellen Weyer erklärt: "Schon vor Corona hat es immer vor und nach Weihnachten mehr Hilfsbedarf gegeben." Familien kämen im größeren Kreis zusammen, es werde "auf heile Welt gemacht". Dann brächen manchmal Konflikte auf.

Zahlreiche Kirchengemeinden haben ihre Räume für Selbsthilfegruppen aus Angst vor Corona-Infektionen längst gesperrt, wie Ellen Weyer und Monika berichten. Ein Ausweg sind Videokonferenzen. Ein Mitglied der Anonymen Alkoholiker im Raum Koblenz, das anonym bleiben will, sagt, drei bis zehn Betroffene kämen hier "per Skype und Zoom" zusammen. "Es sind bestimmt auch welche abgesprungen. Nicht alle haben Internet. Oder ihr Netz ist zu schwach", erklärt der Mann.

Eine Erhebung von Forsa im Oktober in Deutschland hat ergeben: Etwa ein Viertel der Menschen mit ohnehin problematischem Alkoholkonsum trinkt seit Corona noch mehr. Eine weitere Studie förderte steigenden Alkoholkonsum bei einem Drittel von bundesweit rund 3000 befragten Erwachsenen seit der Krise zutage.

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