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Landeselternrat: Beim digitalen Unterricht Luft nach oben

Dresden  

Landeselternrat: Beim digitalen Unterricht Luft nach oben

23.11.2020, 05:37 Uhr | dpa

Der digitale Unterricht in der Corona-Pandemie läuft in Sachsen nach Einschätzung vieler Eltern noch nicht optimal. Sollten im Zuge der Krise wieder mehr Schulen geschlossen werden, fürchtet der Landeselternrat erneut Probleme. "Es war absehbar, dass die Infektionszahlen wieder steigen. Aber man hat viele Dinge über den Sommer verschlafen", sagte der stellvertretende Vorsitzende, Jörg Menke. Zwar habe sich schon einiges getan, dennoch fehle es vielen Schulen an technischer Ausstattung und am Zugang zu schnellem Netz.

Aus Sicht der Eltern brauche es in der aktuellen Situation staatliche Vorgaben, um Qualitätssicherung auch beim digitalen Unterricht zu gewährleisten. Nur so könnten die Schüler ihre Abschlüsse bewältigen. "Man braucht einen Mindeststandard, der sich am Bildungsplan orientiert." Dazu sollten vom Kultusministerium Lehrpläne entrümpelt werden und eine Konzentration auf die Pflichtfächer erfolgen - zumindest für die Zeit der Pandemie.

Mit steigender Zahl von Neuinfektionen sind auch wieder mehr Schulen betroffen. Mehr als 9000 Schülerinnen und Schüler lernten zuletzt in häuslicher Quarantäne. Tendenz steigend.

Die Lage an Sachsens Schulen stellt sich aus Sicht des Landeselternrates unterschiedlich dar. "Wie der Unterricht gestaltet wird, hängt immer auch von dem jeweiligen Lehrer ab", berichtete Menke. Es gebe Bio- oder Chemielehrer, die eigene Videos zu ihren Experimenten erstellten. "Andere verstehen unter digitalem Unterricht, ein PDF-Dokument hochzuladen." Aus Sicht des Landeselternrates hätten die vergangenen Wochen stärker genutzt werden müssen, um etwa Videokonferenzen oder digitalen Unterricht über Plattformen wie Lernsax parallel zum regulären Unterricht zu üben. "Viele schalten erst um, wenn der Präsenzunterricht ausfällt. Das geht aber nicht von einem auf den anderen Tag", so Menke.

Das Kultusministerium verwies hingegen auf eine Reihe von Maßnahmen - etwa auf den neuen Dienst "Schullogin", der sämtliche digitalen Dienste für Schulen auf einer Plattform bündelt. Darüber könnte nicht nur auf die Lernplattform Lernsax zugegriffen, sondern auch Nachrichten gesendet, Dateien geteilt sowie Videokonferenzen abgehalten werden. Seit Anfang Oktober gibt es dafür ein neues System, mit dem bei coronabedingten Schulschließungen schnell und einfach Videokonferenzen organisiert werden könnten, hieß es. "Wir sind für mögliche Schulschließungen oder vorübergehende Lernzeiten zuhause deutlich besser aufgestellt, als es vor den Sommerferien der Fall war", betonte ein Ministeriumssprecher.

Einen Beweis dafür sieht die Behörde auch in den steigenden Nutzerzahlen: Griffen vor der der Corona-Krise rund 200 000 Lehrer, Schüler und Eltern auf Lernsax zurück, waren es Ende des vergangenen Schuljahres mehr als 500 000. Auch 20 000 Zugänge für die Online-Lernplattform sofatutor mit Lernvideos und interaktiven Übungen hat Sachsen gekauft. Betroffene Schulen können vom Landesamt für Schule und Bildung bei Bedarf einen Zugang erhalten.

Aus Sicht von sofatutor-Geschäftsführer Stephan Bayer hat sich bisher zu wenig getan, was Konzepte für Hybridunterricht und digitales Fernlernen angeht. "Jetzt zu sagen "Fenster auf und Maskenpflicht für alle" ist ein bisschen zu wenig." Digitalisierung sei mehr als Scans aus dem Lehrbuch, digitales Lernen funktioniere vor allem multimedial. "Deswegen ist das, worüber wir gerade sprechen, auch eher digitaler Notfallunterricht", so Bayer.

Die Linksfraktion im Landtag stellte dem Freistaat in Sachen Netzausbau und digitales Lernen kein gutes Zeugnis aus. "Selbst wenn Schulen Bundesgeld für digitale Endgeräte abgerufen haben und sich besser ausstatten, heißt das nicht, dass die Familien im Schließungsfall digitalen Heimunterricht durchführen können", so die Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg. Für klamme Elternhäuser blieben Tablets und Laptops weiterhin unerschwinglich. "Die Anzahl der zur Verfügung gestellten Endgeräte war da nur ein Tropfen auf den heißen Stein."

Die Ministerpräsidenten hatten jüngst Pläne von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgebremst, zur Halbzeit des bis Ende November geltenden Teil-Lockdowns weitergehende verbindliche Maßnahmen für Kontaktbeschränkungen - auch in Schulen - zu beschließen. Am 25. wollen die Länderchefs erneut mit der Kanzlerin zusammenkommen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) habe bereits im Vorfeld deutlich gemacht, dass er an dem Thema Schulen nicht rütteln möchte, so Regierungssprecher Ralph Schreiber im Vorfeld. Kretschmer sei es wichtig, dass die Schulen geöffnet blieben.

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