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Prozess wegen Kindesmissbrauch: Angeklagter schweigt

Schwerin  

Prozess wegen Kindesmissbrauch: Angeklagter schweigt

24.11.2020, 14:08 Uhr | dpa

Prozess wegen Kindesmissbrauch: Angeklagter schweigt. Gericht

Eine modellhafte Nachbildung der Justitia steht neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Foto: Volker Hartmann/dpa/Illustration (Quelle: dpa)

Wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs eines Jungen muss sich ein 64-jähriger Mann seit Dienstag vor dem Landgericht Schwerin verantworten. Der Angeklagte wollte sich zu Prozessbeginn nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern. Diese wirft ihm vor, sich 2013 in sieben Fällen und 2018 in zwei Fällen an einem anfangs elfjährigen Jungen vergangen zu haben.

Zwischenzeitlich saß der Mann wegen anderer Taten in Haft. Nach der Entlassung war es ihm durch die Führungsaufsicht verboten, sich Kindern und Jugendlichen zu nähern.

Bei dem mutmaßlichen Opfer handelt es sich um den Stiefsohn eines langjährigen Bekannten des Mannes. Der Junge soll sich 2013 eine Woche lang zu Besuch in der Wohnung des Angeklagten in Berlin aufgehalten haben. Seit 2018 wiederum wohnte der Angeklagte in der Nähe der betroffenen Familie in Wismar.

Eine Verständigung zwischen Richtern, Staatsanwaltschaft und Verteidigung lehnte er ab. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters wäre ihm ein Strafmaß von höchstens vier Jahren und drei Monaten Gefängnis in Aussicht gestellt worden, sollte er ein umfangreiches Geständnis ablegen. Der Angeklagte ist in zwei Fällen wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, kritisierte das Angebot eines Deals gegen eine Strafmilderung für den Angeklagten in diesem Fall als besonders verstörend. Damit sollte seinem Opfer eine Retraumatisierung durch eine Zeugenaussage erspart werden. Vielen Gerichten scheine noch nicht bekannt zu sein, dass die Strafprozessordnung die Möglichkeit einräume, Kinder und Jugendliche in einem anderen Raum vernehmen zu lassen, um ihnen eine unmittelbare Konfrontation mit dem Angeklagtem zu ersparen. Täter dürften sich nicht auf diese Weise "nahezu standardisiert" Vorteile verschaffen dürfen.

Bislang hat das Gericht vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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