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Anklage wertet Attacke auf Karnevalsumzug als geplante Tat

Volkmarsen  

Anklage wertet Attacke auf Karnevalsumzug als geplante Tat

18.12.2020, 08:23 Uhr | dpa

Anklage wertet Attacke auf Karnevalsumzug als geplante Tat. Eine Figur der Justitia steht neben einem Holzhammer und Akten

Eine Figur der Justitia steht neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Knapp zehn Monate nach der Attacke mit einem Auto auf den Rosenmontagsumzug im nordhessischen Volkmarsen hat die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Täter angeklagt. 90 Menschen, darunter viele Kinder, waren am 24. Februar teils schwer verletzt worden. Der Angeschuldigte sei bewusst und ungebremst mit 50 bis 60 Stundenkilometern in die Menge von Teilnehmern und Zuschauern gefahren, um Menschen zu töten, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Freitag mit. Der 30-Jährige hatte die Amokfahrt demnach geplant, sein Motiv ist aber weiter unklar. 42 Meter lang fuhr er durch die dicht gedrängte Menge in seiner Heimatstadt.

Dem Deutschen wird versuchter Mord in 91 Fällen und gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen zur Last gelegt. Nur ein potenzielles Opfer habe sich rechtzeitig mit einem Sprung zur Seite retten können und sei unverletzt geblieben, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Georg Ungefuk. 20 Verletzte hätten stationär und teilweise intensivmedizinisch in Krankenhäusern behandelt werden müssen, zahlreiche weitere Menschen seien traumatisiert worden.

Unmittelbar nach der Tat war zunächst unklar, ob es sich um einen Anschlag handelt, alle anderen Fastnachtsumzüge in Hessen wurden sicherheitshalber abgebrochen. Zehn Monate später rätseln die Ermittler noch immer über das Motiv, gehen aber nicht von einem politischen oder religiösen Hintergrund aus.

Erst vor zweieinhalb Wochen, am 1. Dezember, hatte eine Amokfahrt Trier erschüttert. Der Täter war mit seinem Sportgeländewagen durch die Fußgängerzone gerast und hatte fünf Menschen getötet sowie mindestens 24 weitere Menschen verletzt, sechs von ihnen schwer. Auch der Bürgermeister von Volkmarsen hatte sich in einer Reaktion darauf geschockt geäußert: Es sei unfassbar, dass solche Taten sich wiederholen könnten und durch vorhandene Restrisiken leider auch nicht ausgeschlossen werden könnten, erklärte der parteilose Politiker Hartmut Linnekugel.

Dass der mutmaßliche Täter von Volkmarsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg sein Vorgehen geplant hatte, zeigt der Anklage zufolge die Tatsache, dass er sein Auto schon am Vortag so parkte, dass er tags darauf in den abgesperrten Bereich des Umzugs fahren konnte. In sein Auto soll er eine kleine Kamera eingebaut haben, um die Fahrt durch die Menschenmenge aufzuzeichnen. Wegen eines Installationsfehlers begann die Aufnahme allerdings erst, als das Auto bereits stand, wie Ungefuk sagte. Die Ermittler hätten die Tat aber dank zahlreicher Handyaufnahmen von Zeugen detailliert nachzeichnen können.

Geäußert habe sich der 30-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, bislang nicht. Auch Ermittlungen im Umfeld des jungen Mannes, der sozial isoliert lebte, hätten keine Anhaltspunkte für ein Motiv ergeben, sagte Ungefuk. Er stand den Angaben zufolge weder unter dem Einfluss von Alkohol noch von Medikamenten oder Betäubungsmitteln. Weitere Details wollte die Behörde nicht bekanntgeben. Zu den Vorwürfen gegen ihn gehört auch gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Der Prozess soll vor dem Landgericht Kassel stattfinden.

In Volkmarsen gibt es nach Angaben der Stadt weiter koordinierte Angebote von Hilfsorganisationen, Kirchen und Trauma-Verbänden, die sehr stark genutzt würden. Als Reaktion auf die Attacke hat die Kleinstadt mit Nachbarkommunen Fahrzeugbarrieren für 400 000 Euro gekauft.

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