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163-facher Betrug und lange Litanei: Ex-Pastor vor Gericht

Hildesheim  

163-facher Betrug und lange Litanei: Ex-Pastor vor Gericht

20.01.2021, 13:26 Uhr | dpa

163-facher Betrug und lange Litanei: Ex-Pastor vor Gericht. Landgericht Hildesheim

Eine Hinweistafel weist auf das Amtsgericht, das Landgericht und die Staatsanwaltschaft Hildesheim vor dem Gebäude hin. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archiv (Quelle: dpa)

An Litaneien sollte er gewöhnt sein, diese aber ließ den früheren evangelischen Pastor in der Anklagebank zusammensinken: Fast zwei Stunden dauerte es, bis die Staatsanwältin im Prozess gegen den 61-Jährigen am Landgericht Hildesheim die Anklage verlesen hatte.

Vorgeworfen werden ihm 163-facher Betrug und Urkundenfälschung. Eine "zusätzliche" Einnahmequelle" habe er sich verschaffen wollen, über 52 000 Euro habe er mit seinen Betrügereien zwischen September 2012 und Dezember 2016 erbeutet, warf ihm die Staatsanwältin am Mittwoch vor. Der grauhaarige Mann schloss immer wieder für längere Zeit die Augen, faltete die Hände.

Was wird ihm vorgeworfen? Gefälschte und fingierte Quittungen und Rechnungen soll der 61-Jährige beim Kirchenamt Hildesheim eingereicht haben, und das in 163 Fällen. Dazu soll er die Unterschriften angeblicher Verkäufer gefälscht haben. Diese wiederum sollen teils erfunden, teils aber auch schon gestorben sein. Andere wiederum existieren, boten aber die angeblich bezahlte Ware nicht an. Die Rechnungen soll er in vielen Fällen per Computer selbst gefälscht haben.

Rund 10 000 Euro soll der Angeklagte schon zurückgezahlt haben. Der 61-Jährige kündigte über seinen Anwalt an, er wolle sich zu den Vorwürfen äußern - laut und vernehmlich sagte er "Ja" auf die entsprechende Frage. Das werde er aber erst beim nächsten Verhandlungstermin am Freitag tun, meinte sein Verteidiger: Was der Ex-Pastor zu sagen habe, werde "nicht so ganz kurz" ausfallen.

Die selbst gebastelten Belege ergeben, dass der 61-Jährige sich wiederholt Essenslieferungen, Kinder- und Bilderbibeln, Altartücher, Musikinstrumente, Mikrofone, Notenstände, Leuchter, Blumen und gleich drei Klavierbänke von der Kirche bezahlen ließ. Nur gab es nach den Worten der Staatsanwältin in den meisten Fällen keinen Gegenwert für die Zahlungen, die Anschaffung war auch weder vom Kirchenvorstand beschlossen, noch waren die Dinge für den Kirchenverband bestellt worden.

In einigen Fällen waren die Rechnungen sogar echt, etwa für einen Mäh-Roboter samt Garage, den er zwar privat verwendet, der Kirche aber in Rechnung gestellt haben soll. Schaden: 2388 Euro. Den Roboter habe er der Kirche allerdings zurückgegeben, sagte die Staatsanwältin.

Der Ex-Pastor leitete eine Kirchengemeinde in Eime im Landkreis Hildesheim und war Vorstandsmitglied des Kirchenverbandes Elze-Eime. Machen die Betrugsvorwürfe den Menschen in der Gemeinde noch zu schaffen? Immerhin war er Zeitungsberichten zufolge 22 Jahre für die Gemeinde Eime tätig. Die Nachfolgerin des 61-Jährigen wollte sich im Gerichtssaal nicht äußern.

Nach Angaben der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers waren nach dem Ausscheiden des Pastors in Eime Unstimmigkeiten bei einer stichprobenartigen Überprüfung aufgefallen. Das Landeskirchenamt schaltete dann nach einer erneuten Prüfung die Staatsanwaltschaft ein und suspendierte den 61-Jährigen.

Eine rechtskräftige Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr würde demnach automatisch zu einem Ausscheiden aus dem Dienst mit Verlust der Pensionsansprüche führen. Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch, Leiter der Rechtsabteilung im Landeskirchenamt: "Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn noch keinen vergleichbar gelagerten Fall erlebt."

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