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"Vordrängeln wie in der Mensa": Bischof in der Kritik

Donauwörth  

"Vordrängeln wie in der Mensa": Bischof in der Kritik

10.02.2021, 11:37 Uhr | dpa

"Vordrängeln wie in der Mensa": Bischof in der Kritik. Bischof Bertram Meier

Bertram Meier, Bischof der Diözese Augsburg. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Auf hoher See gilt traditionell, dass der Kapitän als letzter das sinkende Schiff verlässt. In manchen deutschen Rathäusern gilt in diesen Tagen angesichts der Pandemie und der Impfstoff-Knappheit anscheinend das umgekehrte Prinzip: Oberbürgermeister und andere Kommunalpolitiker mussten zugegeben, dass sie sich schon eine Impfdosis gesichert haben, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren. Nun muss sich auch der Augsburger Bischof Bertram Meier gegen den Vorwurf wehren, ein Vordrängler zu sein.

Wie sein Sprecher Ulrich Bobinger am Mittwoch erläuterte, haben sowohl der 60-Jährige wie auch sein 53 Jahre alter Generalvikar Harald Heinrich bereits die begehrte Spritze gegen das Coronavirus erhalten. Zuvor hatte die "Augsburger Allgemeine" darüber berichtet.

Nach Ansicht der Diözese stand den beiden hochrangigen Vertretern der katholischen Kirche die Impfung zu. Nach der entsprechenden bayerischen Verordnung gehörten beide zu dem Personenkreis, der vorrangig geimpft werden solle, sagte Bobinger.

Begründet wird dies damit, dass Meier und Heinrich wie Personal von Pflegeheimen zu betrachten seien, da sie dort regelmäßig als Seelsorger arbeiteten. Der Bistumssprecher betont, dass nicht nur die Altenpfleger daher Anspruch auf den frühzeitigen Pieks haben. "Also das betrifft zum Beispiel auch Putzfrauen."

Später wurde dann noch eine Stellungnahme des Bischofs veröffentlicht: "Dass meine Impfung in der Öffentlichkeit für Missverständnisse gesorgt hat, tut mir leid", sagte Meier demnach.

Der Deutschen Stiftung Patientenschutz ist die Begründung jedenfalls zu pauschal. Vorstand Eugen Brysch schlägt vor, dass der Bischof anhand seines Terminkalenders plausibel belegt, wie oft er in der Vergangenheit in Heimen war.

Wenn er immer zwei- bis dreimal pro Woche die Bewohner an deren Betten besuche, sei gegen eine Impfung nichts zu sagen. Ein gelegentlicher Gottesdienst reicht Brysch eindeutig nicht: "Um in der Hauskapelle eine Messe zu feiern, dafür muss keiner geimpft sein."

Der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Ludwig Hartmann, verglich Meiers Verhalten mit einem "ungezogenen Vordrängeln wie beim Mittagessen in der Uni-Mensa". Hartmann betont: "Auch für den Bischof gilt: Einreihen in die Impfschlange und warten, bis er an der Reihe ist."

In den vergangenen Tagen mussten sich bereits mehrere Kommunalpolitiker in Deutschland gegen die Kritik erwehren, bei den Impfungen bevorzugt worden zu sein. In Sachsen-Anhalt wurde bekannt, dass Halles parteiloser Oberbürgermeister Bernd Wiegand und zehn Stadträte entgegen der festgelegten Reihenfolge bereits die Spritze erhielten.

In Bayern lief es beim Landrat des schwäbischen Kreises Donau-Ries, Stefan Rößle (CSU), und dem parteilosen Oberbürgermeister der dortigen Kreisstadt Donauwörth, Jürgen Sorré, ebenso. Beide hatten bereits im Januar den Oberarm für die Spritze freigemacht. In allen Fällen wurde betont, dass kurzfristig übrig gebliebene Dosen verabreicht worden seien, die ansonsten hätten entsorgt werden müssen.

Dabei gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in München für solche Fälle eindeutige Vorgaben. Damit der rare Impfstoff nicht verfällt, sollen die Impfzentren überschüssige Dosen an Kliniken oder andere Zentren abgeben. Außerdem würden Wartelisten geführt.

Allerdings gibt es auch etliche Beispiele von Politikern und Kirchenvertretern, die nicht in den Verdacht geraten, sich Privilegien verschaffen zu wollen. So teilt das Münchner Erzbistum mit, dass weder Kardinal Reinhard Marx noch sein Generalvikar geimpft seien. Entsprechende Mitteilungen gab es auch von den übrigen bayerischen Bistümern.

Auch die "Augsburger Allgemeine" hat eine Reihe von Politikern gefunden, die nichts von vorgezogenen Impfungen halten. Ein Sprecher der Stadt Augsburg berichtete dem Blatt, dass sich Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) erst impfen lassen wolle, wenn sie regulär an der Reihe sei. Dies gelte auch für die anderen Referenten der schwarz-grünen Rathauskoalition. Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz sagte der Zeitung: "Ich lasse mich impfen. Aber erst, wenn ich dran bin."

In der Staatskanzlei und den Ministerien in München sind Privilegien bislang ebenso kein Thema: "Es ist noch kein Mitglied der Staatsregierung gegen das Coronavirus geimpft worden", teilte ein Sprecher der Staatskanzlei kurz und knapp mit.

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