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Mithäftling misshandelt?: Zweifel und Hinweise vor Gericht

Halle (Saale)  

Mithäftling misshandelt?: Zweifel und Hinweise vor Gericht

04.03.2021, 02:03 Uhr | dpa

Mithäftling misshandelt?: Zweifel und Hinweise vor Gericht. Justizmitarbeiter

Ein Justizmitarbeiter schließt die Tür zu einem Verhandlungssaal. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Halle (Saale)- Zu Beginn des Prozesses gegen vier Männer, die vor zwei Jahren in der Jugendanstalt in Raßnitz (Saalekreis) einen Mithäftling misshandelt haben sollen, haben verantwortliche Vollzugsbeamte Zweifel an der Darstellung des Opfers geäußert. Der Geschädigte sei "manipulativ und lügt", sagte der Wohngruppenleiter der Haftanstalt am Donnerstag im Landgericht Halle über die Charakterzüge des Mannes. Er habe bereits ähnliche Vorwürfe erhoben, die sich später als haltlos erwiesen. Aber es gibt auch andere Hinweise.

Die Staatsanwaltschaft wirft den vier zwischen 1998 und 2002 geborenen Angeklagten Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung vor. Sie sollen in der Jugendstrafanstalt im April 2019 ihren Mithäftling in dessen Zelle fixiert und anschließend körperlich misshandelt und "gemeinschaftlich sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen haben", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Ein weiterer 2019 in Raßnitz tätiger Vollzugsbeamter sagte in seiner Einschätzung über den laut Anklage Misshandelten, er sei "durch und durch ein Lügner und Betrüger". Auch nach der Sichtung von Videomaterial beschlichen ihn Zweifel am Vorwurf gegen die vier Männer. So sei auf den Aufzeichnungen zur Tatzeit zu sehen, wie das mutmaßliche Opfer einen seiner vermeintlichen Peiniger mit einer "Ghettofaust" freundschaftlich verabschiedete, nachdem dieser seine Zelle verließ.

Aber es gibt auch Hinweise, die Schilderungen des mutmaßlichen Opfers stützen. So waren die vier Angeklagten zur angegebenen Tatzeit in der Zelle des Geschädigten. Das belegen nach Aussage des Beamten die Videosequenzen. In einer Aufarbeitung im Rahmen eines Disziplinarverfahrens berichtete außerdem ein weiterer Häftling das "mehrere" Insassen sexuelle Handlungen an dem Gefangenen vorgenommen hätten. Eine medizinische Untersuchung habe leichte Verletzungen an den Füßen des Geschädigten festgestellt, erklärte der Beamte. Einer genaueren körperlichen Untersuchung wollte sich der Geschädigte damals nicht unterziehen.

Die Hausleiterin in der Jugendstrafanstalt beschrieb den schwierigen Werdegang des mutmaßlich gepeinigten Mannes durch verschiedene Häuser und Wohngruppen in der Jugendanstalt Raßnitz. Er habe immer wieder Probleme mit Mithäftlingen gehabt und sei deshalb "arbeitstechnisch isoliert" worden. Man habe ihn als Hofreiniger eingesetzt, um möglichst wenige Berührungspunkte mit Mithäftlingen zu erzeugen.

Wegen seines streitbaren Charakters habe es immer wieder Angriffe gegen ihn gegeben. So sei er von anderen Insassen womöglich mit Urin übergossen worden, teilte der damalige Gruppenleiter mit. Ein weiterer Insasse in Raßnitz habe zu Protokoll gegeben, dass die Häftlinge den Mann "auf dem Kieker" hätten und ihm beispielsweise den Fernseher gestohlen hätten.

Der Prozess fand am Donnerstag nun doch gegen vier anstatt wie zunächst vom Gericht angekündigt gegen drei Angeklagte statt. Das abgetrennte Verfahren gegen den vierten Beschuldigten wurde wieder angehangen, da er wider Erwarten am Donnerstag zu dem Prozess gekommen war.

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