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Mallorca-Regelung trifft auf Unverständnis

Wilhelmshaven  

Mallorca-Regelung trifft auf Unverständnis

16.03.2021, 06:35 Uhr | dpa

Nach der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca und andere Urlaubsgebiete im Ausland fordern Touristiker und Gaststättenbetreiber auch in Niedersachsen eine Öffnungsperspektive. "Für uns Gastronomen war es ein Schlag in die Magengrube, als diese Nachricht mit Mallorca kam", sagte der Vorsitzende des Dehoga-Verbandes Wilhelmshaven, Olaf Stamsen, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben uns da verraten gefühlt von der bundesdeutschen Politik, diese Gebiete freizugeben."

Seit Sonntag ist Urlaub auf Mallorca und in anderen Regionen Spaniens, Portugals und Dänemarks wieder ohne Quarantäne und Testpflicht nach der Rückkehr möglich - rund zwei Wochen vor Beginn der Osterferien in Niedersachsen. Die Hotels hierzulande sind dagegen mindestens noch bis zum 28. März geschlossen. Wie es weitergeht, soll erst am 22. März von Bund und Ländern entschieden werden.

Auch in Deutschland gebe es Regionen mit niedrigen Inzidenzen, wie etwa die Ostfriesischen Inseln. "Wo ist der Unterschied zwischen Spiekeroog, Wangerooge und den Balearen", fragte Stamsen. In Hotels und Gaststätten seien umfassende Hygienestrategien erarbeitet worden. Ein großer Teil der Überbrückungshilfen sei investiert worden, um coronakonformen Urlaub zu ermöglichen. Es brauche daher zügig auch eine verlässliche Öffnungs-Perspektive für den Inlandstourismus.

"Wir können jetzt im Flieger im Sommer nach Mallorca. Aber so wie der Plan jetzt aussieht, sollen wir für zwei Cappuccino auf der Außenterrasse eine Reservierung vornehmen", sagte der Wilhelmshavener Gastronom. "Das ist überhaupt nicht vermittelbar und sorgt im Kollegenkreis für einen großen Vertrauensverlust in die Regierung." Für eine bessere Nachverfolgung warb Stamsen zudem dafür, mehr auch auf technische Lösungen wie die App "Luca" zu setzen. Diese arbeitet auch ohne Handy über einen Schlüsselanhänger mit QR-Code.

Nachdem Urlaubsbuchungen für die Ferieninsel Mallorca zu Wochenbeginn sprunghaft anstiegen, rief die Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie zu einem generellen Verzicht auf touristische Reisen auf. Auch die niedersächsische Landesregierung warnte vor den Gefahren eines kurzfristigen Mallorca-Urlaubs.

Der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Ostfriesische Inseln, Göran Sell, sagte, er wünsche sich noch vor den nächsten Bund-Länder-Gesprächen am 22. März ein Signal, "ob und wie Urlaub auf den Inseln aussehen kann". Es sei zu erwarten, dass zu Ostern etwa auf Borkum viele der 2500 Zweitwohnungsbesitzer auf die rund 5000 Einwohner zählende Insel kommen werden - das entspreche rund 5000 Gästen. "Wir werden hier einfach mehr Leben haben. Da muss man fragen, ob noch vermittelt werden kann, den Tourismus weiterhin geschlossen zu lassen", sagte Sell.

Sell verwies auf die aktuellen Überlegungen in der Politik, den Sieben-Tage-Inzidenzwert nicht als einzigen Steuerungswert für Öffnungen heranzuziehen. Dies müssten letztendlich Fachleute entscheiden. "Aber wir Touristiker brauchen eine Orientierung, um zu wissen, wann geht etwas, wann geht etwas nicht." Es brauche schlicht Zeit, etwa um eine begleitende Testinfrastruktur aufzubauen und Betriebe wieder hochzufahren. Ein kurzzeitiges Hochfahren und anschließendes erneutes Runterfahren, wie es derzeit in Hochinzidenz-Kreisen mit dem Einzelhandel passiere, müsse für den Tourismus vermieden werden.

Für den Vorsitzenden des Tourismusverbandes Niedersachsen, Sven Ambrosy (SPD), stellt sich eine grundsätzliche Frage nach einem Strategiewechsel. "Dieses Hangeln von Lockdown zu Lockdown wird von der Bevölkerung immer weniger akzeptiert - das gilt nicht nur für den Tourismus, sondern für alle Wirtschaftsbereiche und den privaten Bereich", sagte der Landrat des Kreises Friesland. "Wenn wir dann noch hören, dass man nach Mallorca fliegen kann, dann kann ich die Wut der Gastronomen und der Touristiker bei uns schon verstehen."

Ambrosy erneuerte seine Forderung, Freiheit durch Testen und Nachverfolgen und Sicherheit miteinander zu verbinden. "Wir müssen auf die Vier-Säulen-Strategie setzen: Impfen, Testen, digitale Nachverfolgung und die Hygieneregeln beachten." Wenn immer mehr in den besonders gefährdeten Gruppen geimpft werde, entfalle zunehmend auch ein Grund für den Lockdown. Flankierend dazu forderte der Verbandschef eine umfassende, engmaschige Teststrategie.

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