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Protest: Bürgermeister wollen Botschaft nach Dresden tragen

Zwickau  

Protest: Bürgermeister wollen Botschaft nach Dresden tragen

22.03.2021, 12:41 Uhr | dpa

Protest: Bürgermeister wollen Botschaft nach Dresden tragen. Elternprotest gegen Schulschließung

Zahlreiche Schuhe stehen vor dem Eingang des Rathauses. Foto: Bernd März/B&S/dpa (Quelle: dpa)

Die erneute Schließung von Schulen und Kindergärten in mehreren Landkreisen stoßen bei Familien auf massiven Protest. In Annaberg-Buchholz versammelten sich am Montag nach Polizeiangaben rund 500 Eltern und Kinder vor dem Landratsamt, um gegen die Schulschließungen zu demonstrieren. Laut Versammlungsbehörde war die Demonstration nicht angemeldet. Schon am Wochenende hatten Familien vielerorts als Zeichen des Protests Kinderschuhe und -stiefel vor Rathäusern und der Staatskanzlei abgelegt. "Gemeinsam statt einsam - Kinder brauchen Kinder" und "Macht die Schulen auf" wurde auf Bildern und Plakaten gefordert.

Die Bürgermeister sehen sich allerdings als der falsche Adressat des Unmuts und verweisen darauf, dass die Vorgaben für die Schließungen vom Land kommen. Daher soll nun die Landesregierung in diesen Tagen Post erhalten: Die Bürgermeister mehrerer Städte hätten sich verabredet, symbolisch einige der Schuhe in Kartons zu packen und zusammen mit Bildern der Aktion nach Dresden zu schicken, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung Aue-Bad Schlema auf Anfrage.

Allein vor dem Rathaus in Aue wurden ihren Angaben nach am Wochenende rund 200 Paar Schuhe abgestellt. Auch in anderen Städten beteiligten sich Eltern und Kinder zigfach an dem Protest - nicht nur im Erzgebirge, sondern etwa auch in Zwickau, Limbach-Oberfrohna, Glauchau und Radebeul.

Der wachsende Frust in der Bevölkerung treibt die Rathaus-Chefs immer stärker um. "Ich habe vollstes Verständnis für Ihren Unmut zur Schließung der Schulen und Kindertagesstätten", schrieb der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, Jesko Vogel, auf Facebook. Er bat aber darum, "bösartige Anrufe" in der Stadtverwaltung zu unterlassen, und versicherte, die Schuhe und Plakate würden spätestens am Dienstag nach Dresden gebracht. Die Stadt Zwickau will den Unmut der Eltern ebenfalls der Landesregierung vortragen. Dies solle bei einer geplanten Videokonferenz geschehen, hieß es.

"Wir sind an einem Punkt angekommen, wo der soziale und gesellschaftliche Zusammenhalt nicht nur gefährdet ist, sondern an einem Scheideweg steht", mahnte der Oberbürgermeister von Delitzsch, Manfred Wilde in einem offenen Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Die Situation sei inzwischen mit der von 1989 in der DDR vergleichbar. "Politische Entscheidungen werden unzureichend und widersprüchlich abgestimmt kommuniziert", beklagte Wilde. Er forderte einen Runden Tisch, um eine breite gesellschaftliche Beteiligung für das weitere Vorgehen zu erreichen.

Kretschmer selbst zeigte Verständnis für den Protest von Familien. "Kinder leiden besonders unter dem Corona-Alltag", erklärte er auf Facebook. Ziel sei es, Schulen und Kindergärten offen zu halten. "Dafür brauchen wir ein sicheres Fundament. Das fehlt gerade." Er verwies auf steigende Corona-Infektionszahlen. Mit der nächsten Verordnung solle der Weg für die kommenden Wochen festgelegt werden. Der liege im regelmäßigen Testen.

Kritik am Vorgehen der Landesregierung kommt auch vom Sächsischen Lehrerverband. "Wir sind für offene Schulen", sagte Vize-Landesvorsitzender Michael Jung. Allerdings müsse der Schutz der Gesundheit von Lehrern und Schülern gewährleistet sein. Hier habe es mit der Öffnung der weiterführenden Schulen in der vergangenen Woche enorme Versäumnisse gegeben, sagte Jung und verwies auf fehlende Corona-Tests. Auch an Impfungen für Lehrer mangele es.

Wegen zu hoher Corona-Inzidenzwerte mussten in den Landkreisen Zwickau, Nordsachsen, Erzgebirge und Meißen am Montag die Schulen und Kitas wieder schließen; im Vogtland waren die Schüler schon zuvor zu Hause. Der Schritt war bereits von Kommunalpolitikern in der vergangenen Woche kritisiert worden. Am Montag lag nach einer Übersicht der Landesregierung in fast allen Landkreisen und kreisfreien Städten die Wocheninzidenz über der Marke von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner - einzige Ausnahme: Leipzig. Im Landesdurchschnitt wurde der Wert mit 159 angegeben. Am massivsten bleibt das Infektionsgeschehen im Vogtland (391).

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