Sie sind hier: Home > Regional >

Angehörige der Hanauer Anschlagsopfer: Kritik an Filmprojekt

Hanau  

Angehörige der Hanauer Anschlagsopfer: Kritik an Filmprojekt

28.03.2021, 10:01 Uhr | dpa

Angehörige der Hanauer Anschlagsopfer: Kritik an Filmprojekt. Angehörige der Opfer vom Anschlag in Hanau halten Plakate

Bei einer Demonstration zum Gedenken an die Opfer des rechtsextremistischen Anschlags am 19.2.2020 in Hanau halten Teilnehmer Plakate mit Bildern der Opfer des Anschlags. Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Die Kritik von Opfer-Familien an dem Filmprojekt des Regisseurs Uwe Boll über den rassistisch motivierten Anschlag in Hanau vor gut einem Jahr reißt nicht ab. Angehörige meldeten sich im "Spiegel" zu Wort. Armin Hamza Kurtović, Vater des ermordeten Hamza Kurtović sagte: "Ich werde alles dafür tun, um zu verhindern, dass sich Bolls Fantasie über rechte Täter als das wahre Schicksal von meinem Sohn bei den deutschen Zuschauern einbrennt."

Cetin Gültekin, der Bruder des ermordeten Gökhan Gültekin, fügte hinzu: "In meinen Augen tötet er mit dieser Verunglimpfung meinen Bruder ein zweites Mal." Die Mutter von Sedat Gürbüz sagte: "Er hat uns nicht gefragt. Der darf das nicht. Der war nie hier."

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) solidarisierte sich mit den Angehörigen: "Diesen unsäglichen Film will in Hanau niemand. Nicht die Angehörigen, nicht die politischen Gremien, nicht die Stadtgesellschaft", zitierte ihn der "Spiegel". "Wir werden gemeinsam alle Hebel in Bewegung setzen, um die Ausstrahlung zu verhindern."

Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher in der Stadt im Rhein-Main-Gebiet neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Der Film ist dem Bericht zufolge bereits abgedreht und befindet sich in der Postproduktion. Uwe Boll schildert darin die Tatnacht aus der Perspektive des Täters. "Die Angehörigen und ich, wir arbeiten doch beide an Aufklärung und Fehlerbehebung", zitierte ihn der "Spiegel". Er hätte das Projekt auch realisiert, wenn die Opferfamilien die Gelegenheit gehabt hätten, ein Veto einzulegen. "Die Angehörigen, die diesen Film sehen wollen, werden ihn, so weh er tut, am Ende begrüßen. Da bin ich mir sicher."

Mitte März hatten die Stadt Hanau und die Opfer-Familien in einem Offenen Brief gefordert, die Vorbereitungen einzustellen und auf die Dreharbeiten zur Realisierung dieses Films zu verzichten.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal