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"Für jeden Strohhalm dankbar": Modellprojekt gestartet

Augustusburg  

"Für jeden Strohhalm dankbar": Modellprojekt gestartet

01.04.2021, 14:12 Uhr | dpa

"Für jeden Strohhalm dankbar": Modellprojekt gestartet. Gaststätten und Hotels in Augustusburg öffnen

Ein Mann lässt sich mit dem Beginn des Modellprojektes an einem Testcenter testen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa (Quelle: dpa)

Nur vereinzelt kommen Menschen zum Testzentrum in Augustusburg, die Tische im benachbarten Ausflugslokal "Rost's Wiesen" sind verwaist. Noch. "Das Telefon klingelt sich heiß", berichtet dessen Geschäftsführer Uwe Schreier am Donnerstagvormittag. Die Anrufer - vor allem aus dem Umland, aber auch aus Dresden - wollen einen Tisch reservieren. Rechtzeitig vor Ostern haben Restaurants und Hotels in der Stadt wieder ihre Türen für private Gäste geöffnet - als erste in Sachsen. Und das nach fünf Monaten Lockdown. Schreier: "Wir sind für jeden Strohhalm dankbar."

Möglich macht das ein Modellprojekt, an dem schon länger in Augustusburg gearbeitet wird. Doch erst am Vortag gab das zuständige Landratsamt grünes Licht dafür. "Das ist für Sachsen ein großes Hoffnungsprojekt", schwärmt Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei einem Besuch. Auf diese Weise solle gezeigt werden, wie trotz des Virus Öffnungen im Zusammenspiel mit Tests und der Kontaktnachverfolgung möglich seien. Dulig sprach sich für eine kleine Zahl weiterer solcher Projekte aus und bedauerte, dass nicht auch in Oberwiesenthal das Gastgewerbe zu Ostern öffnen kann. Das zuständige Landratsamt hatte das Projekt dort jüngst gestoppt.

Die Wocheninzidenz in Augustusburg liegt nach Angaben des Bürgermeisters Dirk Neubauer (SPD) in der Stadt derzeit rein rechnerisch über der Marke von 300 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb einer Woche. 14 neue Fälle wurden in den vergangenen 7 Tagen in der 4500-Einwohner-Stadt gezählt. In Sachsen insgesamt lag die Inzidenz am Donnerstag bei 190.

Das Verfahren in Augustusburg funktioniert so: Die Gäste melden sich an und erhalten einen QR-Code, mit dem sie an dem System teilnehmen. Vor Ort absolvieren sie dann zu ihrem festgelegten Termin einen Schnelltest. Ist der negativ, ist der QR-Code ihre Eintrittskarte für Hotels und Gaststätten. Er wird jeweils beim Kommen und Gehen zur digitalen Kontaktnachverfolgung gescannt. Trotzdem müssen sich die Gäste an die Hygiene-Regeln und Kontaktbeschränkungen halten. So dürfen in den Restaurants maximal fünf Personen aus zwei Hausständen an einem Tisch sitzen; Kinder unter 15 Jahren werden dabei nicht mitgezählt - für sie ist auch der vorherige Test freiwillig.

Das Personal wird ebenfalls täglich getestet. Das Prinzip ist, dass nur negativ getestete und damit nicht infektiöse Menschen aufeinandertreffen. Zudem wird das Projekt von der Universität Mainz wissenschaftlich begleitet. Mit der Öffnung der Gastronomie - ab Dienstag soll auch der Besuch des markanten Renaissanceschlosses einbezogen werden - hofft Bürgermeister Neubauer auch auf einen Anreiz für die Menschen, sich testen zu lassen. Auf diese Weise könne die Dunkelziffer an Corona-Infektionen besser ausgeleuchtet werden, betont er.

Wie lange Hotels und Gaststätten in Augustusburg offen bleiben, ist allerdings ungewiss. Sollte die Zahl von 1300 Covid-19-Patienten auf Normalstationen in sächsischen Kliniken erreicht werden, wird das Projekt gestoppt. Das könnte nach Einschätzung von Experten schon nach Ostern so weit sein.

Gastwirt Schreier jedenfalls ist froh, dass der Lockdown für ihn und seine Mitarbeiter vorerst vorbei ist. Die Zeit sei psychisch sehr belastend gewesen, bekennt er. Und doch ärgert er sich, dass er die Sommerrodelbahn an seinem Lokal noch geschlossen halten muss. "Das verfälscht doch den Test, wenn ich die nicht mit aufmachen darf." Wirtschaftsminister Dulig baut derweil auf einen Erfolg solcher Projekte. Ziel sei, dass die Menschen wieder Urlaub machen, in Gaststätten gehen und Theateraufführungen besuchen könnten, erklärt er: "Und bitte noch in diesem Sommer."

Bei der Frage nach ihrem letzten Restaurantbesuch müssen Waltraud und Gerd Stengel erst einmal nachdenken. Das Ehepaar aus Flöha ist gleich am Donnerstag ins Augustusburger Testzentrum gekommen. "Wir bekommen Besuch und wollen mal wieder in die Gaststätte gehen", erzählt die 79-Jährige. "Ich freue mich sehr darauf."

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