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Kabelanbindung für Windparks: Inseln fürchten um Trinkwasser

Baltrum  

Kabelanbindung für Windparks: Inseln fürchten um Trinkwasser

23.04.2021, 06:04 Uhr | dpa

Kabelanbindung für Windparks: Inseln fürchten um Trinkwasser. Langeoog

Die ostfriesische Insel Langeoog. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Die Ostfriesischen Inseln Langeoog und Baltrum sorgen sich angesichts der Planungen neuer Stromtrassen für Offshore-Windparks um ihre Trinkwasserversorgung. Wie alle Ostfriesischen Inseln verfügen sie über unterirdische Süßwasservorkommen, sogenannte Süßwasserlinsen, über die zur Grundversorgung oder bei Notfällen Trinkwasser gefördert wird. Künftige Bohrungen für Stromkabel, die die Netzbetreiber Tennet und Amprion unterhalb von Baltrum und Langeoog sowie durch das Wattenmeer zum Festland legen wollen, könnten die Linsen beschädigen, so die Befürchtungen der Inselgemeinden.

Nach Angaben von Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn (parteilos) lägen in dem nun laufenden Raumordnungsverfahren "Seetrassen 2030" detaillierte Informationen etwa zu den Bohrungen nicht vor. "Es ist nicht ersichtlich, weil diese Unterlagen eben fehlen, wo die Bohrungen die Süßwasserlinsen queren sollen. Das möchten wir wissen." Für Langeoog sei die Linse ein unverzichtbares Naturgut.

Die Süßwasserlinsen bilden sich durch Regen, das im sandigen Inselboden versickert. Das Süßwasser schwimmt dabei wie ein Fettauge auf dem Salzwasser, das die Inseln umgibt. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) schöpft dieses Süßwasser in Brunnen ab und bereitet es zu Trinkwasser auf. Auf Langeoog reicht das Vorkommen aus, um den ganzen Wasserbedarf zu decken. Baltrum dagegen wird über eine Leitung vom Festland aus versorgt, doch auch dort gibt es Brunnen, etwa für Notfälle.

Baltrums Bürgermeister Harm Olchers (parteilos) sagte: "Wir haben auch starke Bedenken wegen der Süßwasserlinse." Zudem fürchten die Inseln, dass die Bauarbeiten auch Folgen für den Inseltourismus und die Infrastruktur haben könnten. Grundsätzlich, betont Olchers, stünde man aber hinter der Energiewende und den Offshore-Anbindungen. Es sollten aber alternative Korridore geprüft werden - auch deshalb reichten die Inseln nun Stellungnahmen in dem Verfahren ein.

Insgesamt sind nach Angaben des Amtes für regionale Landesentwicklung Weser-Ems nun gut ein Dutzend Stellungnahmen von Behörden und rund 200 Einsendungen von Privatpersonen eingegangen. Dabei geht es neben den Süßwasserlinsen auch um Belange der Fischerei und des Tourismus sowie um Bodendenkmäler im Wattenmeer. Das Raumordnungsverfahren für die Korridore soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Erst danach folgt ein Planfeststellungsverfahren für die einzelnen Stromkabel.

Tennet teilte auf Anfrage mit, dass es sich bei dem vorgeschlagenen Horizontalspülbohrverfahren um ein sicheres und seit Jahren standardisiertes Verfahren handele. "Durch die Bautätigkeiten, die im Raum Langeoog nach jetzigem Stand voraussichtlich nicht vor 2030 beginnen, werden keine negativen Einwirkungen auf das Trinkwasser zu erwarten sein", teilte das Unternehmen mit. Demnach habe die Bohrspülung eine abdichtende Wirkung, die einen Austausch zwischen der Süßwasserlinse und dem Meerwasser während der Bohrung verhindere.

Einflüsse auf die Infrastruktur und den Tourismus auf den Inseln sind laut Tennet ebenfalls nicht abzusehen. In den Antragsunterlagen sei bereits dargelegt worden, das die Inseln durch Bohrungen in einem Zug - also vom Watt auf der Südseite bis an den Nordstrand gequert werden sollen. Baustellen inmitten der Inseln soll es daher nicht geben. "Die autofreie Insel Langeoog schonen wir auf diesem Wege ganz bewusst. Dasselbe gilt auch für Baltrum", teilte Tennet mit. Die Baustellen im Watt und am Strand seien über das Wasser zugänglich.

Die Stromleitungen werden überhaupt benötigt, da die Offshore-Windenergie künftig eine größere Rolle bei der Energiewende spielen soll. Das bisherige Ausbauziel wurde von 15 Gigawatt Leistung auf 20 Gigawatt bis 2030 angehoben.

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