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Wie die Parteien den Landtagswahlkampf bestreiten

Magdeburg  

Wie die Parteien den Landtagswahlkampf bestreiten

13.05.2021, 09:01 Uhr | dpa

Wie die Parteien den Landtagswahlkampf bestreiten. Cornelia Lüddemann spricht beim Landesparteitag der Grünen

Cornelia Lüddemann spricht beim Landesparteitag der Grünen. Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa (Quelle: dpa)

Stell dir vor, es ist Wahlkampf und keiner geht hin: Der diesjährige Wahlkampf in Sachsen-Anhalt unterscheidet sich enorm von dem in früheren Jahren. Die Corona-Pandemie zwingt die Parteien zur Kreativität, um im Superwahljahr ihre Wähler zu erreichen. Zwar setzen alle Parteien auf die klassischen Formate wie Flyer oder Plakate, doch ohne Online-Veranstaltungen läuft vor der Landtagswahl am 6. Juni nichts.

Als besonders umtriebig zeigte sich in den ersten Wochen des intensiven Wahlkampfes die FDP in Sachsen-Anhalt, die auf eine Rückkehr in den Landtag am 6. Juni hofft. Ein eigens gegründetes Online-Wahlkampfteam mit einer Kernmannschaft von etwa acht Mitgliedern wurde für das Bespielen der verschiedenen Social-Media-Kanäle gebildet.

"Wir haben das Wahlkampfstudio "Markplatz der Ideen" in der Wahlkampfzentrale eingerichtet", erklärte ein Sprecher der Partei eines der vielen Online-Formate. Mittels Livestreams und Videokonferenzen diskutieren dort die Kandidaten mit Gästen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft. Die Zuschauer können in Echtzeit Fragen an die Politiker stellen. Auch FDP-Chef Christian Lindner war schon zu Gast.

Aber es gibt in den Augen der Neoliberalen auch einen "Retro-Trend" in diesem besonderen Wahlkampf. Plakate, Flyer, Postwurfsendungen hätten wieder an Bedeutung gewonnen. Es wird wieder mehr gelesen, so der FDP-Sprecher. "Plakate dienen der optischen Präsenz unserer Spitzenkandidatin sowie der Partei, Flyer schaffen einen kurzen Überblick über unsere Kernanliegen. Postsendungen ermöglichen eine genaue Ansprache von Zielgruppen."

Die CDU setzt nach den Worten eines Sprechers "auf eine ausgewogene Mischung aus bewährten Wahlkampfaktivitäten (...) und neuen Formen digitaler Möglichkeiten". So gehöre der klassische Haustürwahlkampf weiterhin zum Repertoire der Regierungskraft im Land. Die Veranstaltungen im Netz zeigten bei den Reichweiten eine positive Tendenz, so die Sprecherin. "Wir sind aber nicht vollends zufrieden." Der Partei fehle die klassische Wahlkampfstimmung, betonte die Sprecherin. "Am meisten aber vermissen wir den persönlichen Austausch mit unseren Wählerinnen und Wählern."

Ein Potpourri mit grünen Inhalten liefern die digitalen Formate der Grünen: Mit dem Grünen Feierabend, Grünen Gärtnern, die Grüne Küche, Feminist Fight Club oder der Town Hall "Viele Fragen - Grüne Antworten" hat sich der Landesverband um Spitzenkandidatin Cornelia Lüddemann eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Netz einfallen lassen. "Nicht zuletzt stellen wir fest, dass die Leute nach nunmehr über einem Jahr der Pandemie von digitalen Formaten übersättigt sind", räumte ein Sprecher der Partei ein.

Ein Sprecher der Linkspartei berichtet unter anderem von Online-Podien, die ein probates Wahlkampfmittel unter Corona-Bedingungen seien. Doch die Partei sucht auch den direkten Kontakt zu den Wählern. "Briefkastensteckaktion setzen wir verstärkt ein", sagte der Sprecher. Radtouren, Verteilaktionen und Infostände gehörten weiterhin zum Wahlkampfinventar. Die roten Lastenfahrräder, die wie ein mobiler Infostand fungierten, spielten dabei laut der Linken-Sprecherin eine besondere Rolle.

Die AfD in Sachsen-Anhalt vermisse nach Aussage eines Sprechers insbesondere die Bürgerabende. Die Kapazitäten, die dadurch frei würden, stecke man verstärkt in Wahlkampfplakate und Flyer. Hinzu kämen Online-Kundgebungen. Bei den vorangegangenen Veranstaltungen kamen unter anderem die Landesparteichefs wie der thüringische AfD-Landesparteichef Björn Höcke zusammen.

"Derzeit läuft unser Wahlkampf fast nur digital", erklären die Freien Wähler. Neben Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram setze man auch auf die Plattform Tiktok. "Regional bieten unsere Kandidaten über ihre Social-Media-Kanäle digitale Stammtische oder Info-Meetings an." Dennoch fehle die reale Interaktion und Gestikulation, sagte ein Sprecher. Diskussionen seien schwierig. "In den sozialen Netzwerken ist der Ton teilweise ziemlich rau. Hier gibt es mitunter keine Hemmschwellen mehr. Im normalen Gegenüber wäre das sicher nicht so."

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