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Pilotprojekt: Minibus fährt autonom auf öffentlicher Straße

Bad Soden-Salmünster  

Pilotprojekt: Minibus fährt autonom auf öffentlicher Straße

14.06.2021, 14:03 Uhr | dpa

Pilotprojekt: Minibus fährt autonom auf öffentlicher Straße. Autonomer Minibus

Der autonom fahrende Minibus „Easy“ rollt am Rande einer Pressekonferenz durch die Straßen. Foto: Boris Roessler/dpa (Quelle: dpa)

Der Fahrer ist nur noch zur Sicherheit dabei: Ein autonomer Minibus ist seit einigen Wochen in Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) unterwegs. Es handelt sich um ein Pilotprojekt unter anderem des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Seinen Probebetrieb ohne Fahrgäste habe der Minibus schon bestanden, berichtete der RMV am Montag. Ab diesem Mittwoch sollen auch Fahrgäste in dem Shuttle mitfahren dürfen.

Die Teststrecke ist 1,3 Kilometer lang und liegt in einem Bereich, in dem es bisher keine Möglichkeit gab, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen - weil kein Angebot vorhanden war. Sie verbindet unter anderem eine Klinik, einen Parkplatz und die Spessart-Therme. Der Minibus trägt den Namen "Easy" ("Electric Autonomous Shuttle for You") und ist mit maximal elf Stundenkilometern unterwegs. Bis November läuft der Test zunächst, betankt wird das Elektro-Fahrzeug mit Ökostrom.

Das Shuttle hat Platz für acht Fahrgäste, die sich setzen und anschnallen müssen - denn es ist so programmiert, dass es sofort bremst, wenn es ein Hindernis wahrnimmt. Beim Probebetrieb ohne Fahrgäste habe sich gezeigt, dass falsch parkende Autos und andere Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an Verkehrsregeln wie rechts vor links hielten, zu solchen Bremsungen führen, erklärte der RMV. Der "Operator" genannte Fahrer muss dann mit einer Art Joystick um das Hindernis herum lenken, bevor die Fahrt weitergehen kann. 

Der RMV hatte autonome Shuttles mit Operator testweise auch schon andernorts im Einsatz, allerdings nicht im öffentlichen Straßenverkehr. Damit soll deren mögliche Verwendung im öffentlichen Nahverkehr getestet werden.

So etwa am zwischenzeitlich für den Autoverkehr gesperrten Mainufer in Frankfurt und auf dem Gelände der Wiesbadener Helios-Kliniken sowie aktuell am Kloster Eberbach im Rheingau. Zum Mainufer kamen nach RMV-Angaben mehr als 25.000 Menschen, um "Easy" zu testen. Insgesamt verfügt der Verkehrsverbund über vier autonome Minibusse. Fahrten ohne Operator sollen demnächst zunächst ohne Fahrgäste auf einer Teststrecke auf einem Betriebsgelände in Frankfurt ausprobiert werden.

Bisher habe es keine Probleme oder Auffälligkeiten gegeben, sagte RMV-Geschäftsführer André Kavai. Denkbar sei der Einsatz autonomer Fahrzeuge langfristig in den Randzeiten am Morgen oder Abend sowie in ländlichen Gebieten, wo sie auf Verlangen (on demand) gebucht werden könnten. Dazu müssten sie allerdings schneller werden, sagte Kavai.

Auch in anderen Bundesländern laufen Tests. Unter anderem befährt in der Hamburger Hafencity unter dem Projektnamen "HEAT" ein autonomes Shuttle eine Teststrecke. In einem Stadtteil von Karlsruhe kann unter dem Namen "EVA" ein solches Shuttle per App bestellt werden, um von der Haustür zur Haltestelle zu gelangen. Auch hier ist ein Sicherheitsfahrer mit an Bord.

Deutschland will Vorreiter beim autonomen Fahren werden. Erst kürzlich stimmte der Bundesrat einem Gesetz zu, das den Rechtsrahmen festsetzen soll. Fahrerlose Kraftfahrzeuge der sogenannten Stufe vier sollen demnach ab dem kommendem Jahr auf bestimmten festgelegten Strecken im Regelbetrieb am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

Beim vollautomatisierten Fahren der Stufe vier kann der Computer bei bestimmten Anwendungen vollständig die Kontrolle über das Auto übernehmen, ohne von einem menschlichen Fahrer überwacht zu werden. In Notfällen soll das System das Fahrzeug auch am Straßenrand zum Stehen bringen. Diese Technologie könnte nach Angaben des Verkehrsministeriums etwa für Shuttleverbindungen oder bei der Güterbeförderung zum Einsatz kommen.

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