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Einbruch in Schiff: Wollten Täter "Amrumbank" versenken?

Emden  

Einbruch in Schiff: Wollten Täter "Amrumbank" versenken?

21.06.2021, 11:39 Uhr | dpa

Einbruch in Schiff: Wollten Täter "Amrumbank" versenken?. Feuerschiff "Amrumbank/Deutsche Bucht"

Das historische Feuerschiff "Amrumbank/Deutsche Bucht" liegt im Ratsdelft im Zentrum der Stadt. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/archivbild (Quelle: dpa)

Unbekannte haben den Rumpf des Feuerschiffes und Emder Wahrzeichen "Amrumbank/Deutsche Bucht" so stark beschädigt, dass Wasser in den Maschinenraum eindrang. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter das Schiff mindestens in Schieflage bringen wollten. "Dieser Verdacht liegt nah", sagte die Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, Svenia Temmen, am Montag. Möglicherweise habe das Schiff zum Sinken gebracht werden sollen. Der Museumsverein, dem das 106 Jahre alte denkmalgeschützte Feuerschiff gehört, geht von einem Schaden von mindestens 100 000 Euro aus.

Nach Polizei-Angaben waren die Täter in den Maschinenraum eingedrungen. Ersten Erkenntnissen zufolge wurden dort mit einer Bohrmaschine vier Löcher in die bis zu acht Millimeter dicke Schiffswand aus Stahl gebohrt. Wasser trat daraufhin in das Schiff ein. Zudem wurden sieben Bullaugen geöffnet, durch die bei einer Schieflage des Schiffes weiteres Wasser hätte strömen können.

Ein Mitglied des Museumsschiff-Vereins hatte den Schaden am Sonntagabend rechtzeitig entdeckt und daraufhin weitere Vereinsmitglieder alarmiert. Die Löcher wurden mit Holzpfeilen notdürftig verschlossen. Das Wasser stand im Maschinenraum laut Verein bis zu 1,30 Meter hoch. Mit schwerem Gerät und einem Saugschlauch wurden rund 18 Kubikmeter des mit Öl verschmutzten Wassers am Montag aus dem Schiffsinneren abgepumpt.

Kriminaltechniker der Polizei untersuchten die Löcher im Rumpf. Die Beamten ermitteln wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung. Neben einer Bohrmaschine wurden am Tatort auch noch ein Hammer und ein Winkelschleifer gefunden. Laut den Beamten soll es zu der Tat zwischen Samstagmittag und Sonntagmorgen gekommen sein. Es werden Zeugen gesucht, die Hinweise geben können. Der Museumsverein geht davon aus, dass sich die Täter möglicherweise über den Delft mit einem Schlauchboot Zugang zu dem Feuerschiff verschafft hatten.

Die "Amrumbank/Deutsche Bucht" war erst im vergangenen Dezember nach umfangreichen Sanierungsarbeiten zurück an den Liegeplatz am Ratsdelft mitten in der Emder Innenstadt geschleppt worden. Die rund 170 Mitglieder des Museumsvereins arbeiteten zuletzt an der Einrichtung der Ausstellung und am Innenausbau. Die Gesamtkosten der Sanierung lagen bei knapp fünf Millionen Euro.

Bei den Mitgliedern des Museumsvereins war die Betroffenheit groß. "Wir sind total geschockt", sagte Vereinsvorsitzender Heinz-Günther Buß. Der Verein geht von einer Sabotage aus. "Hier ist absichtlich gebohrt worden, aber warum, das weiß ich nicht", sagte Buß. Der Verein setzte für zielführende Hinweise eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro aus. "Wir kriegen die Täter", zeigte sich Buß sicher.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) reagierte bestürzt auf den Vorfall. "Die mutwillige Beschädigung dieses historischen Wahrzeichens der Stadt Emden macht mich fassungslos", teilte Althusmann mit. Das Land habe die Grundinstandsetzung des Feuerschiffes in den vergangenen beiden Jahren mit rund zwei Millionen Euro gefördert. "Ich hoffe, dass die Täter schnell ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden", sagte der Minister.

Auch Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) zeigte sich betroffen. "Am Wochenende haben Unbekannte unser Feuerschiff "Amrumbank/Deutsche Bucht" stark beschädigt und großen Schaden angerichtet. Darüber sind wir entsetzt und traurig", teilte Kruithoff mit. "Das Feuerschiff ist eines der wichtigsten Wahrzeichen unserer Stadt und wir hoffen, dass die Ermittlungen der Polizei zu den Tätern führen."

Das Feuerschiff wurde 1915 auf der Papenburger Meyer Werft gebaut. 65 Jahre lang war es mit seiner Laterne an verschiedenen Stellen in der Nordsee für Seeleute ein wichtiges Seezeichen - zunächst vor der Westküste Schleswig-Holsteins, zuletzt dann auf der Position "Deutschen Bucht", die das Schiff auch auf seiner Bordwand trägt.

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