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Starkregen führt zu Katastrophe: 18 Tote im Kreis Ahrweiler

Bad Neuenahr-Ahrweiler  

Starkregen führt zu Katastrophe: 18 Tote im Kreis Ahrweiler

15.07.2021, 14:30 Uhr | dpa

Starkregen führt zu Katastrophe: 18 Tote im Kreis Ahrweiler. Unwetter in Rheinland-Pfalz

Ein Mann steht in dem Dorf im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter in den Schuttbergen. Foto: Boris Roessler/dpa (Quelle: dpa)

Ungeahnt extremer Starkregen hat im Landkreis Ahrweiler eine Katastrophe verursacht. In den Fluten verloren 18 Menschen ihr Leben, wie die Polizei Koblenz am Donnerstag mitteilte. Etwa 50 bis 70 Menschen wurden nach Angaben von Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch vermisst. Erheblich betroffen sind auch die Landkreise Bitburg-Prüm, Vulkaneifel und Trier-Saarburg. Vielfach mussten Kitas und Schulen geschlossen bleiben. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen starben mindestens 24 Menschen im Zusammenhang mit dem Hochwasser.

"So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zu Beginn einer Landtagssitzung, die unter dem Eindruck der Ereignisse vorzeitig beendet wurde. "Es ist wirklich verheerend." Ganze Orte seien überflutet, Häuser seien einfach weggeschwommen.

Im Dorf Schuld an der Ahr mit rund 700 Einwohnern stürzten sechs Häuser ein, etwa 40 Prozent der weiteren Wohngebäude wurden beschädigt, wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, Guido Nisius (CDU), mitteilte. In Insul standen nach seinen Angaben etwa 30 Prozent der Häuser unter Wasser. Etliche Ahr-Brücken wurden zerstört - Rettungskräfte mussten daher weite Umwege fahren. "Das ist der schlimmste Katastrophenfall, den ich erlebt habe", sagte Nisius.

Der Bürgermeister fügte hinzu: "Das hängt mit dem Klimawandel zusammen und mit den Eingriffen des Menschen." Wenn Bäche begradigt und ihrer natürlichen Überschwemmungsflächen beraubt würden, brauche sich niemand mehr über solche Katastrophen zu wundern.

Die Fluten schnitten mehrere Orte von der Außenwelt ab. Etwa 50 Menschen wurden von Hausdächern gerettet, auf denen sie Zuflucht gesucht hatten. Der Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU) sagte: "Das ist ohne Zweifel die größte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg in dem Kreis." In einer nie geahnten Dimension seien Wassermassen über die Ortschaften hereingebrochen. "Die Folgen sind verheerend."

Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm wurden Menschen in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen. In der Ortsgemeinde Brecht brach nach Angaben der Kreisverwaltung ein Wohngebäude ein, zwei Bewohner konnten sich auf Dachresten in Sicherheit bringen. Im Kreisgebiet wurden mindestens drei Brücken zerstört, unter anderem bei Speicher. Die Bewohner von mehreren Gemeinden waren von Stromausfall und Einschränkungen der Trinkwasserversorgung betroffen.

Im Kreis Trier-Saarburg war die Gemeinde Kordel von der Außenwelt abgeschnitten. Dort stieg die in die Mosel fließende Kyll weiter stark an. Ein Altenpflegeheim in Kordel wurde evakuiert.

Lewentz sprach von der größten Unwetterlage, die er als Minister in 15 Jahren erleben musste. "Das Unwetter hat an der Ahr eine Schneise der Verwüstung hinterlassen." Bei den Vermissten sei es noch unklar, ob sich diese in einer schlimmen Situation befänden, bei Bekannten untergekommen oder vielleicht in den Urlaub gefahren seien. Die Polizei richtete eine Nummer für Hinweise auf Vermisste ein: 0800 65 65 651.

Bei den Unwettern fielen am Mittwoch und in der folgenden Nacht bis zu 148 Liter Regen pro Quadratmeter, wie das Klimaschutzministerium in Mainz mitteilte. Für den Hochsommer sei das "ein neues Phänomen", erklärte Ministerin Anne Spiegel (Grüne). "Die aktuellen Extremwetterereignisse in Form von Starkregen sind dramatisch." Aus kleinen Bächen seien unberechenbare Fluten geworden.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) schrieb am Donnerstag auf Twitter: "Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen. Die Ereignisse zeigen, mit welcher Wucht die Folgen des Klimawandels uns alle treffen können."

Nach den extremen Niederschlägen stieg der Wasserstand der Mosel stark an. Am Pegel Trier wurden am Donnerstagnachmittag 9,33 Meter registriert. Am Rhein stieg deswegen am Pegel Koblenz der Wasserstand schnell höher. Dort wurde für Freitagnachmittag ein Scheitel bis zu sieben Metern erwartet. In Mainz stieg der Rhein langsamer. Am Donnerstagnachmittag waren es 5,15 Meter, der Scheitel der Hochwasserwelle wird dort erst für Sonntag erwartet.

Am Donnerstag ließen die extremen Niederschläge nach. Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) sagte der Meteorologe Marco Manitta: "Das Unwetterpotenzial sinkt deutlich."

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