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"Stoppt Braunkohle": Menschenkette am Tagebau Garzweiler

Erkelenz  

"Stoppt Braunkohle": Menschenkette am Tagebau Garzweiler

07.08.2021, 14:37 Uhr | dpa

"Stoppt Braunkohle": Menschenkette am Tagebau Garzweiler. Umweltschützer demonstrieren am Tagebau Garzweiler

Umwelt- und Klimaschützer sowie Bewohner der angrenzenden Dörfer bilden am Rand des Braunkohletagebaus Garzweiler eine Menschenkette. Foto: Malte Krudewig/dpa (Quelle: dpa)

Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag am Tagebau Garzweiler für einen schnelleren Ausstieg aus der Braunkohleförderung demonstriert. Bei der Protestaktion verbanden die Teilnehmer mit einer Menschenkette die vier Kilometer voneinander entfernten Dörfer Lützerath und Keyenberg in Nordrhein-Westfalen. Damit sollte zugleich symbolisch die Abbaugrenze gezeigt werden, mit der die Ziele des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden könnten.

Zu der Protestaktion hatten mehrere Umweltorganisationen, darunter der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), und die örtliche Organisation "Alle Dörfer bleiben" aufgerufen. Der BUND gab die Zahl der Demonstranten mit 2500 an. Die Polizei in Aachen äußerte sich zufrieden mit dem Verlauf und sprach von einem "kraftvollen, friedlichen Protest". Angemeldet waren 3000 Teilnehmer.

Die Kette der Demonstranten schlängelte sich in einer bunten Reihe - unter Einhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen - durch grüne Wiesen, an Grünland und weidenden Kühen vorbei. Zahlreiche Teilnehmer, junge wie ältere, trugen Transparente wie "Stoppt Braunkohle", "Klimaschutz heißt Kohleausstieg" oder "Stoppt die Grünflächenzerstörung". Bei trockenem Wetter waren viele mit Fahrrädern unterwegs.

Immer wieder wurde Armin Laschet, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat, kritisiert. Am Rand der Menschenkette hüpfte ein großer Ballon mit seinem Porträt im Wind auf und ab. Das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien müsse erhöht werden, forderten die Veranstalter.

"Wenn wir jetzt hier die Chance verpassen, dann werden wir dafür bitter bezahlen", erklärte Verena Graichen, stellvertretende Bundesvorsitzende des BUND. Für Greenpeace verlangte deren Klimaexperte Bastian Neuwirth, die "schmutzigen Kohlemeiler" müssten schneller vom Netz. Hier entscheide sich, ob Deutschland seine Verpflichtung aus den Pariser Klimazielen einhalte. Eine Frau aus einem nahen Ort meinte, die Unsicherheit und der Druck in den Dörfern seien kaum auszuhalten.

Der Ort Lützerath, in dem fast keine Menschen mehr leben, soll als nächstes für den Kohleabbau am Tagebau Garzweiler verschwinden. Bis Ende 2026 soll entschieden werden, ob die zur Stadt Erkelenz gehörenden Dörfer Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich und Berverath noch weichen müssen. Der Betrieb in den drei bestehenden Tagebauen im Rheinischen Revier soll nach und nach auslaufen und spätestens 2038 enden.

Lange war der Tagebau Hambach mit dem dort gelegenen Wald das Symbol für den Protest gegen die Kohleverstromung. Doch nachdem entschieden ist, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt und der Abbau früher enden soll, steht "Hambi" nicht mehr im Brennpunkt. Stattdessen ist der Tagebau Garzweiler das Zentrum der Proteste.

David Dresen, Sprecher von "Alle Dörfer bleiben", sieht das gerne: "Ich bin froh, dass sich der Widerstand herüber verlagert hat." Auch der Bäcker von Keyenberg ist einverstanden mit den jungen Klimaschützern, die in der Nähe zelten. "Superfreundlich" seien sie gewesen, als er Brot vorbeibrachte.

Kürzlich meldete sich sogar der Aachener Bischof Helmut Dieser zu Wort: Er verlangte einen früheren Entschluss für den Erhalt der Dörfer im Rheinischen Braunkohlerevier. Fünf weitere Jahre Ungewissheit seien für die Menschen schwer zu ertragen. Eine Verlängerung des Schwebezustands lasse die Menschen mit ihrem "Lebensglück" bezahlen, erklärte der katholische Geistliche.

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