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70 Jahre Kathi: Osten blickt auf bewegte Geschichte zurück

Halle (Saale)  

70 Jahre Kathi: Osten blickt auf bewegte Geschichte zurück

18.08.2021, 12:04 Uhr | dpa

70 Jahre Kathi: Osten blickt auf bewegte Geschichte zurück. Reiner Haseloff (CDU)

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Foto: Ronny Hartmann/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Ungewöhnlich viel Zeit nahm sich am Mittwoch der ansonsten von Termin zu Termin eilende Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) beim Besuch der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Jubiläum des Backunternehmens Kathi. Dass ihm das Unternehmen aus Halle besonders am Herzen liegt, zeigte auch sein freundschaftlich anmutender Umgang mit dem ehemaligen Geschäftsführer und Unternehmenspatriarchen, Rainer Thiele.

Ein weiterer Faktor dürfte sicher auch Haseloffs langanhaltende Liebe zu den Back- und Dessertmischungen des Unternehmens sein. "Ein Teil meiner Physis ist mit der Firma verbunden", scherzte Haseloff während des Festaktes auf dem Firmengelände der Kathi Rainer Thiele GmbH. Das bekannte ostdeutsche Traditionsunternehmen sei auch eine Konstante in seinem Leben. Insbesondere die Backmischungen mit Mohn hätten es dem 67-jährigen seit jeher angetan.

Angefangen hatte die Firmengeschichte von Kathi in einer Garage in Halle. Dort hatte Käthe Thiele, die Großmutter des heutigen Firmenchefs Marco Thiele, in der Zeit des Hungers nach dem Zweiten Weltkrieg mit Rezepten experimentiert, um die Familie satt zu bekommen. Doch bald wurde daraus mehr: 1951 wurde der Name Kathi als Marke rechtlich geschützt, 1953 wurde das als Aushängeschild der Firma geltende Tortenmehl entwickelt. Das Tortenmehl enthält seit Jahren alle Grundzutaten, die es für Kuchenteig braucht: Mehl, Stärke, Zucker, Backpulver und Salz. Nur Fett, Eier und Wasser müssen hinzu gegeben werden.

Rainer Thiele, der nach der Wende das Unternehmen nach der teilweisen Enteignung während der DDR-Zeit wieder reprivatisierte, umriss eindrucksvoll die eng mit der Familie Thiele verwobene Unternehmensgeschichte. Seine Mutter Käthe habe permanent ihre Kreativität und ihre Beharrlichkeit beim Entwickeln neuer Produkte bewiesen. Nachts habe sie die Familie zum Kosten geweckt, als ihr beim nächtlichen Grübeln die Lösung für die Zubereitung eines Tütenkloßes gekommen war.

An einigen Stellen wurde Thiele emotional, mehrmals brach seine Stimme: Die Enteignung habe die Familie viel Kraft gekostet. Der Vater habe schwere gesundheitliche Probleme davongetragen. Während der späteren Reprivatisierung habe er viele Ungerechtigkeiten erlebt, die ihm auch noch heute bitter aufstießen, sagte Thiele. Am Sterbebett seiner Mutter habe er ihr das Versprechen gegeben, das Unternehmen weiterzuführen und seinen Sohn Marco zum Nachfolger aufzubauen. Auch das gelang.

Ministerpräsident Haseloff lobte den engen Zusammenhalt der Familie und die Beständigkeit und Innovationskraft des Unternehmens. "Da wo man zusammensteht, schafft man es sich durchzubeißen." Firmen wie Kathi seien auch identitätsstiftend für die Region Halle. Das sei nicht selbstverständlich und müsse erhalten werden. "Wir wollen sie pflegen", sagte Haseloff in Anwesenheit einer ganzen Reihe von Landespolitikern.

Heute ist Kathi nach eigenen Angaben im Osten Branchenprimus und national die Nummer Zwei im Bereich Backmischungen. Corona habe dem Unternehmen weiter Rückenwind gegeben, sagte Geschäftsführer Marco Thiele. Das Unternehmen mit Standort in Halle beschäftigt aktuell etwa 90 Mitarbeiter und setzt jährlich etwa 30 Millionen Euro mit über 60 verschiedenen Back- und Dessertmischungen um.

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