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Grubenwasseranstieg im Saar-Revier unter Auflagen genehmigt

Saarbrücken  

Grubenwasseranstieg im Saar-Revier unter Auflagen genehmigt

26.08.2021, 10:15 Uhr | dpa

Die Umsetzung des jetzt im Saarland genehmigten Grubenwasseranstiegs in ehemaligen Steinkohlegruben wird noch einige Zeit dauern. "Wir brauchen selber noch eine gewisse Zeit, um aus der Grube herauszukommen. Das ist alles nicht von heute auf morgen zu machen", sagte der Sprecher des Bergbaukonzerns RAG, Christof Beike, am Donnerstag in Ensdorf. Zudem müssten vorher noch Auflagen erfüllt werden, die der Genehmigungsbeschluss vorsieht. "Das sind Monate, die noch ins Land gehen."

Hinzu kommt, dass Klagen gegen die Zulassung der Teilflutung erwartet werden. Wenn jemand den Rechtsweg einschlage, könne das noch zwei bis drei Jahre dauern, hieß es aus Insiderkreisen. Die RAG werde gegen die Auflagen, die vorgeschrieben wurden, aber nicht klagen, sagte der Sprecher. Auch wenn sie teils herausfordernd seien. "Damit können wir leben und wir können das auch umsetzen."

Die Verfahren zur Genehmigung sind laut Wirtschaftsministerium in Saarbrücken formal abgeschlossen. Heißt: Der von der RAG beantragte Grubenwasseranstieg in Reden und Duhamel auf minus 320 Meter ist unter Auflagen genehmigt. Bereits im Juli hatten Vertreter der saarländischen Landesregierung die Genehmigung des Grubenwasseranstiegs angekündigt.

Grubenwasser ist Regenwasser, das in die Tiefe sickert und sich in Schächten und Strecken unter Tage sammelt. Die Entscheidungen des Oberbergamtes des Saarlandes und des Bergamtes Saarbrücken werden vom 6. September an zwei Wochen lang im Internet veröffentlicht und bei 30 Städten und Gemeinden ausgelegt. Danach sind Widersprüche und Klagen möglich.

Die Stadt Lebach kündigte an, sie werde "auf jeden Fall" dagegen vorgehen. Es gebe dazu bereits einen einstimmigen Beschluss des Stadtrates, wie Bürgermeister Klauspeter Brill sagte.

Nach dem 2012 erfolgten Ende des Saar-Bergbaus hat die RAG beantragt, in einer ersten Phase die Gruben der einstigen Bergwerke in Duhamel und Reden bis 320 Meter unter Null volllaufen zu lassen. Bisher wird das Grubenwasser abgepumpt. In einem zweiten Schritt, der noch nicht beantragt ist, plant die RAG, das Wasser bis zur Tagesoberfläche ansteigen und in die Saar laufen zu lassen.

Das Vorhaben der RAG ist bei Bürgern umstritten: Sie befürchten Erdbewegungen, eine Verunreinigung des Grundwassers und den Austritt von Gasen. Betroffen sind rund 600.000 Einwohner in rund 30 Gemeinden.

Die Grünen im Saarland kritisierten die Genehmigung des Grubenwasseranstiegs. "Die Landesregierung stellt damit nach wie vor die wirtschaftlichen Interessen der RAG, die sich mit dem Wasseranstieg die hohen Pumpkosten sparen will, vor den Schutz der Bevölkerung und der Umwelt. Wir halten dieses Vorgehen für verantwortungslos", sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Kiymet Göktas.

Die jetzige Genehmigung des Grubenwasseranstiegs ist an Auflagen unter anderem zu Naturschutz, Erderschütterungen und "Ausgasungen" geknüpft. Zudem muss die RAG den Anstieg mit einem Monitoring überwachen und Messungen machen. Und: Vor Beginn des Wasseranstiegs sind "übertägig" Tauchmotorenpumpen "einbaubereit vorzuhalten", damit der Anstieg des Grubenwassers jederzeit durch Wiederaufnahme des Pumpbetriebs gestoppt werden kann.

Nach Angaben von Mitte 2019 werden im Saarland jährlich knapp 18 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Gruben nach oben abgepumpt. Die Kosten dafür beliefen sich auf etwa 16 Millionen Euro im Jahr, hatte die RAG damals bei einem Erörterungstermin angegeben.

Der Steinkohlebergbau ging 2012 nach mehr als 250 Jahren zu Ende. Der Bergbau war lange Zeit der größte Arbeitgeber an der Saar: mit bis zu 65.000 Beschäftigten in der Blütezeit, am Ende allerdings mit gerade noch mal 1200. Generationen von Bergleuten förderten seit 1751 im Saarrevier insgesamt 1,5 Milliarden Tonnen Steinkohle zutage.

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