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Polizisten: Amokfahrer wartete grinsend auf Festnahme

Trier  

Polizisten: Amokfahrer wartete grinsend auf Festnahme

03.09.2021, 11:27 Uhr | dpa

Polizisten: Amokfahrer wartete grinsend auf Festnahme. Prozessauftakt gegen Trierer Amokfahrer

Der Angeklagte (2.v.r) wird in den Gerichtssaal im Landgericht Trier geführt. Foto: Harald Tittel/dpa/archivbild (Quelle: dpa)

Nach der Amokfahrt mit fünf Toten in Trier hat der mutmaßliche Täter mehreren Polizisten zufolge ruhig und gelassen hinter seinem Auto auf die Polizei gewartet. "Es war ein Gesichtsausdruck, als ob man seine Sache erledigt hat. So ein genugtuendes Grinsen"", sagte ein 29 Jahre alter Polizist am Freitag im Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer vor dem Landgericht Trier. Er erinnere sich bis heute sehr gut daran.

"Stoisch" habe der Mann an seinem Auto gelehnt und eine Zigarette geraucht, sagte Carsten Wagner, der als einer der ersten Polizisten das Tatauto erreicht hatte. "Ich hatte den Eindruck, er schaut mir in die Augen." Bei der Festnahme habe der Angeklagte keinen Widerstand geleistet. Die Beamten hatten ihn bäuchlings am Boden festgesetzt. Dabei habe dieser gesagt: "Ihr tut mir weh", sagte Wagner. Der Angeklagte hatte den SUV nahe der Porta Nigra an einer Straßenseite geparkt.

Es waren die ersten Zeugenaussagen im Prozess gegen den 51-Jährigen, dem die Anklage fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vorwirft. Der Deutsche soll am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast sein, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen. Dabei sei er in einem Zickzackkurs wahllos und gezielt auf Passanten zugefahren. Bei der Tat wurden fünf Menschen getötet. Zudem gab es zahlreiche Verletzte und Traumatisierte.

Die Polizeibeamten sagten, das Tatauto sei an der Front stark beschädigt gewesen. Sie hätten dort Haut- und Haarreste, eine Handtasche und andere Habseligkeiten gesehen. "Es sah fürchterlich aus." Andere berichteten von Dellen und von einer zersplitterten Scheibe.

Der mutmaßliche Täter habe bei der Festnahme klar auf Fragen der Polizisten geantwortet, zum Beispiel nach Waffen oder einem Ausweis, sagte Wagner. Seinem Eindruck nach habe er nicht unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gestanden. Der Mann habe "teilnahmslos, völlig unbeeindruckt" gewirkt, sagten andere. "Es war surreal." Es habe "stutzig" gemacht, wie gelassen er am Auto gestanden habe.

Im Auto habe viel Müll gelegen, aber auch zahlreiche Pakete und Kartons. Da man nicht gewusst habe, ob darin möglicherweise Sprengstoff enthalten sei, habe man Experten gerufen und die Stelle weiträumig abgesperrt, sagten die Polizisten. Der Verdacht bestätigte sich nicht. Später stellte sich heraus, dass der Mann alleinstehend, arbeitslos und ohne festen Wohnsitz war.

Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt am 19. August gesagt, er wolle keine Aussage machen - weder zur Person noch zur Sache. "Aus Sicht der Opfer ist das eine sehr schwierige Situation, denn Opfer möchten das Warum wissen", sagte der Opferbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek, am Rande des Prozesses in Trier.

Es sei sehr belastend für die Opfer, wenn sie bis zur Urteilsverkündung warten müssten, wenn das Gericht die Motivlage nach der Zeugenvernehmung darstelle. "Das zieht sich über die ganze Situation." Er appellierte an den Angeklagten, sich zu der Frage doch noch einzulassen.

Der Prozess gegen den Deutschen ist bis Ende Januar 2022 terminiert. Der nächste Termin ist am 21. September. Mehr als ein Dutzend Nebenkläger sind in dem Verfahren über Anwälte vertreten. Trier stand nach der Amokfahrt tagelang unter Schock.

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