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Wachsende Kritik 2G-Regel für Genesene und Geimpfte

Potsdam  

Wachsende Kritik 2G-Regel für Genesene und Geimpfte

15.09.2021, 15:07 Uhr | dpa

Wachsende Kritik 2G-Regel für Genesene und Geimpfte. Kabinettssitzung Brandenburg

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, informiert über die aktuelle Corona-Lage. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa (Quelle: dpa)

Die beschlossene 2G-Regel mit mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene in Brandenburg stößt auf zunehmende Kritik - auch in der Wirtschaft. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg (Dehoga) hält sie nicht für sinnvoll. "Wir wollen Gastgeber für alle sein", sagte Dehoga-Präsident Olaf Schöpe am Mittwoch. Man könne nicht eine ganze Menschengruppe ausgrenzen.

Die übergroße Mehrheit der Branche lehne die 2G-Regel ab und bleibe bei einem Einlass von Genesenen, Geimpften und Getesteten. "Alle wollen ihre Gäste nicht verlieren. Das zeigt aber einmal mehr, dass durch solche politischen Entscheidungen vielleicht sogar unsere Branche auseinanderdividiert wird." Zuvor hatte der rbb berichtet.

Das Brandenburger Kabinett hatte beschlossen, dass Betreiber von Gaststätten, Hotels, Veranstaltungen und Indoor-Sport ab Donnerstag die Möglichkeit haben, Nicht-Geimpfte oder Nicht-Genesene außen vor zu lassen. Kinder unter zwölf Jahren sind davon ausgenommen. Für die Gäste fallen dann Masken- und Abstandspflicht weg. Die Option gilt nicht in Kitas, Schulen, Bibliotheken, Museen, Schwimmbädern, im Einzelhandel und öffentlichen Nahverkehr. Der Fraktionschef von BVB/Freie Wähler, Péter Vida, lehnt die 2G-Regel ab, weil sie unnötig nicht geimpfte Menschen benachteilige.

Kritik kommt auch von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. "Die 2G-Regel als Option kann für manche Unternehmen sicherlich hilfreich sein. Doch sie ist nicht für alle anwendbar", sagte der Präsident der IHK Potsdam, Peter Heydenbluth. "Denn jetzt muss es natürlich den Arbeitgebern auch gestattet sein, nicht nur Gäste, sondern auch die eigenen Beschäftigten zu fragen, ob diese geimpft oder genesen sind." Beschäftigte in Kitas, Schulen und Pflegeheimen sollen seit Mittwoch für die Zeit der Krise vom Arbeitgeber gefragt werden können, ob sie geimpft sind.

Brandenburg führt ab Donnerstag auch eine Corona-Warnampel mit neuen Krankenhauspatienten als wichtigster Messlatte ein. Die oppositionelle Linksfraktion im Landtag vermisst eine klare Regelung. "Brandenburg hat nun zwar ein Ampelsystem, aber ohne Konsequenzen", sagte Gesundheitspolitiker Ronny Kretschmer. "Das wäre auf der Straße fatal und genauso ist es bei einer Pandemie." Mit vagen Formulierungen sei es nicht getan. Die Kommunen brauchten verbindliche Regelungen.

Wenn die Zahl neuer Krankenhauspatienten pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche im Land größer als sieben ist, ist ein Warnwert überschritten. Dann will das Kabinett über weitere Beschränkungen beraten. Einen Automatismus gibt es aber nicht.

Kulturministerin Manja Schüle (SPD) zeigte sich erfreut, dass Theater, Kinos, Konzerthäuser und Clubs entscheiden dürfen, ob sie Ungeimpfte außen vor lassen oder auch Getestete einlassen. "Wir schreiben nichts vor - wir ermöglichen", sagte Schüle.

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