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Mann im Auto erschossen: Prozessauftakt gegen 38-Jährigen

Fulda  

Mann im Auto erschossen: Prozessauftakt gegen 38-Jährigen

05.10.2021, 02:47 Uhr | dpa

Mann im Auto erschossen: Prozessauftakt gegen 38-Jährigen. Justitia

Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Ein 38-jähriger Mann muss sich seit Dienstag wegen Mordverdachts vor dem Landgericht Fulda verantworten. Der Syrer soll am 15. Februar dieses Jahres in der osthessischen Stadt einen 41 Jahre alten Landsmann erschossen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte an jenem Tag am frühen Morgen den Moment abgepasst haben, als das spätere Opfer sich in das vor seinem Wohnhaus geparkte Auto setzte und anschnallte, um zur Arbeit in einer Bäckerei in Poppenhausen in der Rhön zu fahren. Der Angeklagte soll drei Mal durch das Fenster der Fahrertür geschossen haben. Zwei Schüsse sollen ihr Ziel verfehlt haben, ein weiterer Schuss habe den Kopf getroffen und sei tödlich gewesen. Der 41-Jährige habe weder eine Chance gehabt, zu fliehen, noch sich zu wehren.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ganz bewusst ausgenutzt habe. Das entspreche dem Mordmerkmal Heimtücke. Als Tatmotiv nimmt die Staatsanwaltschaft Eifersucht an.

Die beiden Männer waren bereits in Syrien befreundet gewesen. Der Angeklagte habe ein Verhältnis zwischen seiner Ehefrau und dem späteren Opfer vermutet. Im März 2020 soll sogar ein Beweisvideo aufgetaucht sein. In der Anklage heißt es, der 38-Jährige habe die Affäre als schwerwiegende Verletzung seiner Ehre empfunden. Er habe sich aufgrund seines Rollenverständnisses und Herrschaftsanspruchs über seine Familie als berechtigt zur Tötung des 41-Jährigen angesehen.

Juristisch gesehen liegt hierin ein weiteres Mordmerkmal: niedrige Beweggründe. Der Angeklagte, der sich von drei Anwälten unterstützen lässt, schweigt bislang zu dem Vorfall. Die Polizei hatte den 38-Jährigen am Tag nach der Tat festgenommen. Beamte hatten ihn an einer Autobahnabfahrt nahe Dorsten (Nordrhein-Westfalen) gestoppt und aus dem Auto gezogen. Ein Zeuge soll der Polizei noch am Tattag einen Tipp gegeben haben.

Der Getötete hinterlässt neben seiner Ehefrau fünf Kinder. Zwei Brüder und die Ehefrau des Opfers sind Nebenkläger. Auch der Angeklagte hat fünf Kinder. Am ersten Prozesstag wurde lediglich die Anklage verlesen. Das Gericht hat insgesamt zwölf Verhandlungstage eingeplant und rund sechzig Zeugen geladen. Ein Urteil wird demnach erst Mitte Dezember erwartet.

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