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Medizinischer Dienst: Gutachten zu Behandlungsfehlern

Magdeburg  

Medizinischer Dienst: Gutachten zu Behandlungsfehlern

12.10.2021, 11:08 Uhr | dpa

Medizinischer Dienst: Gutachten zu Behandlungsfehlern. Pflegebedürftigkeit in Sachsen-Anhalt

Ein Pfleger hält in einem Alten- und Pflegeheim die Hand einer Bewohnerin. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Der Medizinische Dienst Sachsen-Anhalt ist im vergangenen Jahr 334 vermuteten Behandlungsfehlern nachgegangen. Bei jedem fünften Gutachten (21,2 Prozent) erkannte er tatsächlich einen Fehler und einen Schaden für die Patientin oder den Patienten, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Statistik des Medizinischen Dienstes hervorgeht.

In 14,7 Prozent der Fälle stellten die Gutachterinnen und Gutachter fest, dass der Behandlungsfehler auch die Ursache des Schadens war. In der Summe waren das 49 Fälle im Land. Die festgestellten Behandlungsfehler betreffen unterschiedlichste Erkrankungen und Behandlungen.

Die Zahl der Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern ging im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 deutlich von 481 auf nun 334 zurück. Eine genaue Erklärung dafür sieht der Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes, Jens Hennicke, nicht. Zum einen stammten die Fälle nicht allesamt aus dem Begutachtungsjahr 2020, sondern könnten schon länger zurückliegen. Eventuell habe aber auch Corona einen Einfluss. So blieben viele Krankenhausbetten frei und Operationen wurden verschoben. Hennicke geht für das laufende Jahr wieder von einem Plus in der Behandlungsfehler-Statistik aus.

Mitarbeiter seien auch mit Blick auf die Beatmung von Covid-Patienten und Covid-Langzeitfolgen fortgebildet worden. Bei den Begutachtungen 2020 sei nur eine fehlerhafte Behandlung im Zusammenhang mit Corona vermutet worden: Nach einer Operation war eine Corona-Infektion aufgetreten, einen kausalen Schaden wies der Medizinische Dienst aber nicht nach, wie es hieß.

Mit dem Verdacht auf Behandlungsfehler haben sich im vergangenen Jahr besonders häufig Menschen wegen Pflegebehandlungen gemeldet. Dort gab es laut dem Medizinischen Dienst 54 Vorwürfe gegen ambulante oder stationäre Pflegeeinrichtungen sowie 61 Vorwürfe mit Bezug auf die Pflege bei Krankenhausbehandlungen. Als Beispiele nannte er Folgen falscher Lagerung von Bettlägerigen oder auch eine mangelnde Flüssigkeitszufuhr. In der Orthopädie und Unfallchirurgie wurde der Verdacht auf Behandlungsfehler am häufigsten im Zusammenhang mit Hüft- und Kniegelenkoperationen geäußert; alles in allem waren es 25 vermutete Fehler.

Vorstandschef Hennicke erklärte: "Ein Teil der vermuteten Behandlungsfehler ergibt sich dabei aus mangelnder Kommunikation bei den Aufklärungsgesprächen." Jede Operation berge Risiken. Seien die Patientinnen und Patienten nicht umfangreich aufgeklärt, hätten sie schnell den Verdacht, es sei etwas schief gelaufen. Hennicke sprach sich für eine Fehlerkultur aus, bei der über Fehler geredet und sie dokumentiert werden, um es in der Folge besser zu machen.

Der Medizinische Dienst wies darauf hin, dass seine Zahlen nur einen Teil der Behandlungsfehler-Vorwürfe widerspiegelten, mit denen sich die Menschen an ihre Krankenkassen wenden. Daher könnten keine allgemein gültigen Schlüsse auf die Sicherheit in Krankenhäusern und Arztpraxen gezogen werden. Wie viele Behandlungsfehler tatsächlich aufträten, bleibe unbekannt. Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern sind für gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten kostenfrei. Erster Ansprechpartner ist die Krankenkasse.

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