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Lebenslange Haft nach "Blutbad" in Einfamilienhaus

Konstanz  

Lebenslange Haft nach "Blutbad" in Einfamilienhaus

28.10.2021, 14:54 Uhr | dpa

Lebenslange Haft nach "Blutbad" in Einfamilienhaus. Mordprozess in Konstanz

Ein wegen Mordes Angeklagter sitzt auf der Anklagebank im Gerichtssaal. Foto: Felix Kästle/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Nachdem er seinen ehemaligen Chef mit einem Beil getötet und dessen Söhne lebensfährlich verletzt hatte, setzte sich der Mann neben einen der beiden bewusstlosen Jungen und rauchte eine Zigarette. Was genau an diesem Januar-Samstag in den Minuten zuvor in welcher Reihenfolge in dem Einfamilienhaus in Hohenfels (Landkreis Konstanz) geschehen war, konnte das Landgericht Konstanz letztlich nicht klären. Wegen des tödlichen Überfalls wurde am Donnerstag dennoch ein 36-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt.

Daran, dass der rumänische Angeklagte für das "Blutbad" im Haus seines ehemaligen Arbeitgebers verantwortlich ist, habe die Kammer aber keine Zweifel, sagte Vorsitzender Richter Arno Hornstein bei der Verkündung des Urteils. Die Polizei hatte den Mann wenige Minuten nach der Tat im Haus festgenommen, nachdem dieser versucht hatte, mit einem selbst mitgebrachten Messer Suizid zu begehen. Doch vor allem bei der Frage nach dem Warum blieben viele Fragen offen.

Zwar hatte der Angeklagte die Firma seines späteren Opfers einige Jahre zuvor nach dem Verdacht auf Diebstahl verlassen. Der ältere der beiden Jungen, auf die der Mann später mit der Rückseite seines Beils einschlug, beschrieb ihn aber als freundlichen Mitarbeiter seines Vaters. Sein neun Jahre alter Bruder und er hätten eine gute Beziehung zu ihm gehabt, sagte der 13-Jährige zum Prozessauftakt. "Es ist mir ein Rätsel, warum er das gemacht hat."

Vorsitzender Richter Hornstein nannte bei der Urteilsverkündung eine Reihe möglicher Motive. Der Mann sei seit einem schweren Autounfall im Jahr 2019 leichter reizbar und auf Geld fixiert gewesen. Er habe wohl in Rumänien ein neues Leben beginnen wollen, zudem leide der 36-Jährige an einer schweren Persönlichkeitsstörung. Allerdings sei er beim Überfall voll schuldfähig gewesen, nach Geld habe er im Haus auch nicht gesucht. Somit bleibe die Frage offen: "Ein schweigender Angeklagter liefert ein solches Motiv nicht."

Als erwiesen sah es das Gericht dagegen, dass der 36-Jährige das Haus beobachtet und ein Beil unter seiner Winterjacke mitgenommen hatte, als er vermummt an der Haustür seines ehemaligen Chefs klingelte. Der Vater war mit dem Auto kurz zum Einkaufen gefahren, daher öffneten seine 9 und 13 Jahre alten Söhne. Nach dem Versuch des älteren Jungen, den Besucher abzuwimmeln, zückte der Mann ein Beil und schlug mit der stumpfen Seite mehrfach auf den Kopf des Jungen.

Sein neun Jahre alter Bruder rief demnach währenddessen telefonisch seinen Vater zur Hilfe. Als der Mann nach Hause kam, tötete der Eindringling ihn mit mehreren Beilschlägen. Außerdem drang er ins Bad ein, wo sich der neunjährige Sohn versteckt hatte, und verletzte den Jungen lebensgefährlich. Dort habe der Angeklagte auch versucht, mit einem mitgebrachten Messer Suizid zu begehen, sagte Hornstein. Ein weiterer Umstand, der Mutmaßungen zum Motiv erschwerte.

Verurteilt wurde der 36-Jährige schließlich wegen Totschlags und zwei Fällen versuchten Mordes, angeklagt hatte ihn die Staatsanwaltschaft wegen Mordes aus Habgier. Wegen der Unklarheiten beim genauen Ablauf der Tat und der Frage nach dem Motiv sei das aber letztlich nicht nachweisbar, sagte Hornstein. "Wir haben nur zwei unmittelbare Tatzeugen. Das sind Kinder, die selbst Opfer dieser scheußlichen Tat geworden und schwer traumatisiert sind."

Sollte das Urteil Rechtskraft erlangen, muss der Angeklagte 15 Jahre in Haft. Danach könne er zwar eine Entlassung beantragen, sagte Hornstein. Die Erfolgsquote dabei sei aber niedrig. Darüber hinaus wurde der 36-Jährige zur Zahlung von 135 000 Euro Schmerzensgeld an die überlebenden Angehörigen verurteilt. Besonders der jüngere Sohn des Opfers leide noch an den Folgen seiner Verletzungen, sagte Hornstein. "Verarbeiten Sie es, gucken Sie, dass Sie darüber hinwegkommen", wünschte er den Angehörigen im Gerichtssaal.

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