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Kriegsgräberfürsorge: "Wir finden immer noch tote Soldaten"

Dormagen  

Kriegsgräberfürsorge: "Wir finden immer noch tote Soldaten"

14.11.2021, 09:29 Uhr | dpa

Kriegsgräberfürsorge: "Wir finden immer noch tote Soldaten". Volkstrauertag - Dormagen

Eine Besucherin steht am Volkstrauertag vor dem Ehrenmal in der Kriegsgräberstätte in Dormagen-Knechtsteden. Foto: Henning Kaiser/dpa (Quelle: dpa)

76 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden in Nordrhein-Westfalen immer noch Überreste von getöteten Soldaten gefunden. Im laufenden Jahr seien - meist bei Bauarbeiten - Knochen sowie stark zerstörte Reste von Ausrüstungsgegenständen von drei Soldaten gefunden worden, sagte der NRW-Geschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Stefan Schmidt, der Deutschen Presse-Agentur zum Volkstrauertag am Sonntag. Überall im Land gab es an diesem Gedenktag kleinere Veranstaltungen und Kranzniederlegungen. An dem Tag wird der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht.

Die Fundorte lagen in Wesel und Hamminkeln am Niederrhein und in Hückelhoven nahe der niederländischen Grenze bei Mönchengladbach. Die sterblichen Überreste der drei Menschen seien in Kriegsgräberstätten bestattet worden. Gleichzeitig liefen intensive Bemühungen zur Identifizierung der Toten. Bei dem Toten von Hückelhoven, der bei Arbeiten des Kampfmittelräumdienstes unter einem Maisfeld gefunden wurde, seien beispielsweise Uniformreste und ein Löffel mit einem kompletten Namen gefunden worden.

Hauptanhaltspunkt für die Spezialisten des Volksbundes sind die Erkennungsmarken der Toten. Immer wieder komme es aber vor, dass Militaria-Sammler mit Metalldetektoren Leichen entdeckten, Ausrüstung und Erkennungsmarken an sich nähmen und die Gebeine liegen ließen. Dann sei eine nachträgliche Identifizierung der Toten fast unmöglich, sagte Schmidt. "Dabei ist es total wichtig für Angehörige zu wissen, wo der Opa geblieben ist."

Bei der zentralen Gedenkstunde des Landes zum Volkstrauertag warnte Landtagspräsident André Kuper (CDU) vor einem Wiederaufleben von Hass und Antisemitismus. "Menschen werden bei uns wieder angegriffen, weil sie eine Kippa tragen. Bürgerinnen und Bürger erfahren Diskriminierung aufgrund ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihrer Lebensweise", sagte Kuper am Samstag laut Redemanuskript in Dormagen. "Wir Demokratinnen und Demokraten sind immer in der Verantwortung, gegen Anfänge von Antisemitismus, Rassismus und Hass einzutreten", mahnte er.

"Die Erinnerung an die Toten beider Weltkriege und besonders auch der NS-Zeit wird mit größerem zeitlichem Abstand immer wichtiger, aber die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden älter und versterben", sagte SPD-Chef Thomas Kutschaty, der auch Landesvorsitzender des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist. Nun seien die jungen Menschen verantwortlich, "die Folgen eines Krieges wachzuhalten und Konsequenzen für die Gegenwart abzuleiten".

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmert sich im Auftrag der Bundesregierung um die Gräber deutscher Kriegstoter vor allem im Ausland, aber auch in Deutschland. Er beantwortet jährlich rund 20.000 Anfragen von Angehörigen zum Verbleib von Toten beider Weltkriege und fördert an den Ruhestätten die Begegnung junger Menschen. Rund 333.000 Kriegsgräber gibt es laut Volksbund in Nordrhein-Westfalen an gut 2130 Kriegsgräberstätten. Mehr als die Hälfte der Toten stammen aus dem Ausland.

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