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Ohne Miss-Kalender: Tuning-Messe will zeitgemĂ€ĂŸ sein

Von dpa
26.05.2022Lesedauer: 2 Min.
Messe Tuningworld Bodensee
Ein getunter Opel Calibra (l.) steht bei der Tuningworld Bodensee neben einem Auto, auf dem sich das Hallendach der Messe widerspiegelt. (Quelle: Felix KĂ€stle/dpa/dpa-bilder)
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Mehr als 1500 getunte Wagen, rund 850 Teilnehmer und Zehntausende Besucher: Bis Sonntag dreht sich bei der Messe Tuningworld Bodensee in Friedrichshafen alles um frisierte und individuell gestaltete Fahrzeuge. "Wir haben traumhaftes Vatertagswetter und viele Besucher mit glĂŒcklichen Gesichtern", sagte Projektleiter Dirk Kreidenweiß nach der Eröffnung am Donnerstag. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wĂŒrden "mehr Autos auf dem GelĂ€nde als je zuvor" ausgestellt. Wegen des Andrangs rechne man mit vollen Straßen rund um Friedrichshafen.

Die Tuningworld hat sich verĂ€ndert, weil die Veranstalter mit der Zeit gehen wollen. So wird es in diesem Jahr keinen "Miss Tuning"-Wettbewerb mehr geben, deren Gewinnerinnen in den vergangenen Jahren stets leicht bekleidet fĂŒr einen Kalender mit Autos fotografiert wurden. Die Darstellungen hatten der Messe in der Vergangenheit wiederholt Sexismus-VorwĂŒrfe eingebracht.

"Das Thema ist nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ", sagte Projektleiter Kreidenweiß. Bei vergleichbaren Veranstaltungen seien solche Abbildungen inzwischen auch weitgehend verschwunden. "Inzwischen sitzen die Frauen eher im Hoodie im Auto und schrauben selbst", betonte Kreidenweiß. Die Reaktionen auf das Aus des Wettbewerbs bezeichnete er als "gemischt". Manche Tuning-Fans hĂ€tten den Wegfall kritisiert. "Aber das Gros der Szene hat gesagt: Es ist an der Zeit, bei uns geht es ums Auto." Die Entscheidung sei deshalb vor gut eineinhalb Jahren gefallen und werde auch nicht zurĂŒckgenommen.

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Angekommen auf der Messe sind stattdessen inzwischen Elektroautos. "Wir haben die ersten Teslas hier, die ein neues Fahrwerk reinbekommen haben", sagte Kreidenweiß. Allerdings seien die meisten getunten Wagen auf der Messe zwischen 8 und 30 Jahren alt, daher handle es sich ĂŒberwiegend um Verbrenner. "Aber wenn ich an so einem alten Auto weiter herumschraube, ist das ja auch in einem gewissen Sinne nachhaltig", sagte Kreidenweiß.

Kritik gab es an der Messe im Vorfeld der Eröffnung dennoch. Der Konstanzer OberbĂŒrgermeister Uli Borchardt schrieb auf Facebook, BĂŒrger beschwerten sich nicht nur am Bodensee seit Jahren "völlig zu Recht darĂŒber, dass getunte, sinnlos laute Fahrzeuge LĂ€rm in unsere StĂ€dte bringen". Mit der Tuningworld "eine solche Szene und die zugehörige Industrie auch noch mit öffentlichen Mitteln" zu fördern, halte er "persönlich fĂŒr komplett falsch".

Tuningworld-Projektleiter Kreidenweiß wies die Kritik zurĂŒck. "Die Tuner, die hier unterwegs sind, distanzieren sich ganz klar von Posern. Ein Fußballfan ist auch nicht automatisch ein Hooligan." Den meisten Tunern seien ihre Autos "heilig", sagte Kreidenweiß. "Die stehen hauptsĂ€chlich in der Garage, weil daran gebastelt wird." Der Konstanzer OberbĂŒrgermeister sei eingeladen, auf der Messe selbst mit Besuchern und Ausstellern zu sprechen. "Der Beitrag zeigt mir, dass er die Szene nicht genau kennt."

Um sicherzugehen, dass dennoch niemand mit verbotenerweise getunten Autos zur Messe kommt, richtete die Polizei in der Region am Donnerstag mehrere Kontrollstellen ein. Der Fokus werde dabei auf dem regelkonformen Zustand der Autos, aber auch der FahrtĂŒchtigkeit der Menschen hinter dem Lenkrad liegen, kĂŒndigten die Beamten an.

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