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Karlsruhe: Autos und Klimakrise - Kröten leben hier gefährlich

Start der Paarungszeit  

In Karlsruhe leben Kröten gefährlich

Von Ariane Lindemann

21.02.2020, 15:16 Uhr
Karlsruhe: Autos und Klimakrise - Kröten leben hier gefährlich. Erdkröten auf einer Straße: Nach dem Winter kommt die Paarungszeit. (Quelle: Symbolbild/blickwinkel)

Erdkröten auf einer Straße: Nach dem Winter kommt die Paarungszeit. (Quelle: Symbolbild/blickwinkel)

In Karlsruhe erwachen die Kröten und Frösche aus der Winterstarre und gehen bereits jetzt auf Wanderung. Das ist für sie lebensgefährlich. Auch die Klimakrise macht ihnen zu schaffen. Eine Expertin erklärt, wie Karlsruher helfen können.

Milde Temperaturen und Regen genügen schon, um die Frösche und Kröten in Karlsruhe aus der Winterstarre zu wecken. Dann buddeln sie sich aus der Erde und machen sich auf zur Paarung. Viele Amphibien sind bereits unterwegs.

In der Stadt gibt es bekannte Strecken, auf denen jährlich unzählige Kröten Richtung Laichgewässer hüpfen. So herrscht zum Beispiel hinter dem Karlsruher Schloss, beim Rosenhof in Neureut oder an der B3 in Ettlingen ab etwa Ende Februar reges Quaken und Springen.

Was amüsant anzuschauen und anzuhören ist, birgt für die Kröten ein hohes Risiko. "Die Hauptgefahr für die wandernden Amphibien ist die Straße. Egal ob starker oder geringer Verkehr, können sie von Autos überfahren werden", erklärt Marliese Fichter, die sich beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) in Karlsruhe engagiert. "Selbst wenn Kröten nur am Straßenrand sitzen, erzeugen Autos einen starken Luftsog, der die Lungen der Tiere schädigt. Früher oder später sterben sie an den Nachwirkungen."

Krötenhelfer im Einsatz

Um die Kröten vor Gefahren zu schützen, kümmert sich Marliese Fichter um die Koordinierung freiwilliger Helfer im Schlossgarten. "Die Freiwilligen platzieren Fangkisten, die sowohl vormittags als auch abends kontrolliert werden. Die Amphibien werden gezählt, die Geschlechter bestimmt und alles dokumentiert", erläutert sie.

Schließlich würden sie in der Nähe des Laichgewässers wieder ausgesetzt. Etwa vier Wochen lang wird diese Prozedur täglich von sechs bis acht Helfern ausgeführt – natürlich nicht nur im Schlossgarten, sondern an jedem Karlsruher Krötenbrennpunkt.

Trotz der Tatkraft einiger Engagierter schrumpft die Krötenpopulation in Karlsruhe und Umgebung enorm. In den letzten fünf bis sechs Jahren habe sich mancherorts, wie am Neureuter Rosenhof, die Zahl der Tiere bereits halbiert, so Fichter. "Selbstverständlich gibt es natürliche Schwankungen der Krötenpopulation, sowohl jahresabhängige als auch ortsabhängige. Aber ein Rückgang ist leider unbestreitbar."

Klimakrise wirkt sich auf Kröten aus

Neben Kollisionen mit Autos beeinflusst vor allem die Zerstörung und Veränderung ihres natürlichen Lebensraums den Krötenbestand. "In milden Wintern legen die Kröten ihre Winterstarre schon früher ab. Das ist aber prinzipiell unproblematisch. Schlimmer sind die zunehmend trockenen Sommer", erklärt Marliese Fichter.

"Je trockener der Sommer, umso schwerer finden die Tiere Schnecken und Würmer. Genug Nahrung ist aber ausschlaggebend. Sie müssen sich Winterspeck anfuttern, um die Kälte durchzustehen, die Weibchen brauchen zudem ein Mindestgewicht, um Eier legen zu können."

Auch wenn die Zahl der Kröten deutlich sinkt, stehen sie noch nicht auf der roten Liste, seien also noch nicht vom Aussterben bedroht, meint Fichter beruhigend. Wer unsere quakenden Freunde also vor dem drohenden Schicksal bewahren will, sollte gängige Krötenstrecken zumindest mit Fahrzeugen meiden, bestenfalls aber selbst bei Rettungsaktionen mitanpacken. In Karlsruhe gibt es viele Möglichkeiten, sich zu engagieren.

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Marliese Fichter
  • Eigene Recherche

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