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Tag der deutschen Einheit: Bundestag macht Politik per Rollenspiel erlebbar

Tag der deutschen Einheit  

Schleswig-Holsteinischer Bundestag debattiert über "Fridays for Fish"

Von Jana Walther

04.10.2019, 10:04 Uhr
Tag der deutschen Einheit: Bundestag macht Politik per Rollenspiel erlebbar.  (Quelle: imago images/penofoto)

Bürgerfest zum Tag der deutschen Einheit: In Kiel können Bürger an einer simulierten Bundestagssitzung teilnehmen.. (Quelle: penofoto/imago images)

In Kiel gab es am Tag der deutschen Einheit jede Menge zu erlebe. Ein Höhepunkt: Das Mini-Rollenspiel des Deutschen Bundestages, mit dem den Besuchern Politik auf unterhaltsame Art und Weise näher gebracht wurde.

Ein lauter Gong ertönt vom Band. Die Abgeordneten erheben sich, als der Bundestagspräsident eintritt – schließlich soll in der nachgebauten Version des Plenarsaals alles so echt wie möglich sein. Doch etwas ist heute anders, bemerkt auch der Mann mit dem zweithöchsten Amt im Staate. "Zu welcher Fraktion gehören Sie denn nun? So ein Kuddelmuddel. Das gibt es in Berlin so nicht! Sie müssen sich auch mal entscheiden", moniert der Bundestagspräsident, der heute von einem Mitarbeiter des Besucherdienstes verkörpert wird.

Er blickt stutzig auf die Zuschauer, die zwischen den Schildern der Bundestagsfraktionen Platz nehmen und sich lachend umschauen, ob sie nun eigentlich der CDU oder den Grünen angehören.

Wie der Deutsche Bundestag in Berlin arbeitet, konnten die Besucher anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel hautnah erleben. Denn beim Bürgerfest am Ostseekai war eine Mini-Version des Plenarsaals nachgebaut worden. Während die Mitarbeiter des Bundestags-Besucherdienstes die Rollen von Bundeskanzlerin, Bundestags- und Bundesratspräsident übernahmen, wurden die Besucher zu Abgeordneten der verschiedenen Fraktionen.

Rollenspiel soll Politik vermitteln

Das interaktive Rollenspiel fand im Pavillon des Deutschen Bundestags am Kieler Ostseekai in etwa 40-minütigem Turnus statt. Neben dem Parlament informierten auch der Bundesrat, das Verfassungsgericht, die verschiedenen Bundesländer sowie zahlreiche weitere Institutionen und Gruppen über ihre Aufgaben und Arbeitsweisen. Verschiedene Aktionen zum Mitmachen sollten ihnen die Politik näherbringen – und das möglichst unterhaltsam.

"Ich sehe mehr Sozialdemokraten, als die Treppe lang ist. Das gibt ja noch Hoffnung für die SPD", ruft der Bundestagspräsident in den Saal. Bei der AfD könne er allerdings nur heiße Luft feststellen und zeigt auf die pinken Ballons eines Ehepaars, welches gerade unter dem Schild der AfD Platz genommen hat. Als der Mann einige Minuten später mit seinem Souvenir den Saal verlässt, ruft ihm der Bundestagspräsident noch hinterher: "Na was ist das denn für ein Verhalten hier? Das kostet Sie das Sitzungsgeld."

Dann ergreift die Bundeskanzlerin das Wort. Schließlich hat sie etwas vorzubringen. Ein neues Gesetz muss her. Ihre Forderung: "Fridays for Fish". Die Kanzlerin möchte die gesunde Mahlzeit verpflichtend in allen Kantinen Deutschlands einführen – und zwar immer freitags. Als Pilotprojekt sollen zunächst die Speisepläne der Kantinen in den Bundesbehörden geändert werden. "Fisch macht schlank, Fisch macht fit, Fisch macht leistungsfähiger", versucht die Kanzlerin die Abgeordneten zu überzeugen. Hier an der Küste erhofft sie sich Zuspruch für ihre Idee. Doch mit Blick auf die etwas spärlich besetzten Reihen der CDU/CSU-Fraktion muss sie feststellen, dass es heute nicht so einfach werden wird.

Fisch oder Fleischkäse?

Immerhin: Von der SPD-Fraktion gibt es Unterstützung. Die Grünen sind allerdings anderer Meinung. Und dann tritt sogar die echte Claudia Roth ans Rednerpult und plädiert für die Selbstbestimmtheit beim Mittagessen. "Wie Sie wissen, haben wir das auch schon mal versucht und sind gescheitert", sagt sie lächelnd und spielt auf den Veggie-Day an, den ihre Partei vor ein paar Jahren gefordert hatte. "Fassen Sie sich kurz und denken Sie daran: Sie sind die kleinste Fraktion hier", ermahnt der Bundestagspräsident mit Blick auf die Redezeit. "Ja, aber wir haben auch viel zu sagen", kontert Claudia Roth. Dafür erntet sie Jubelrufe im Saal.


Dann ist die SPD am Zug und versucht, das Ruder nochmal rumzureißen und Unterstützer für den "Fridays for Fish“ zu gewinnen. Fehlanzeige. Die Abgeordneten stimmen für Nein, als sie vom Bundestagspräsidenten aufgefordert werden, ihre blauen oder roten Karten in die Höhe zu halten. "Dann prüfen wir als nächstes, ob wir Fleischkäse verpflichtend einführen können."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Deutscher Bundestag

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