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Der wohl beste Radweg, den Kiel je hatte

Veloroute 10  

Der wohl beste Radweg, den Kiel je hatte

Von Sven Raschke

15.11.2019, 16:36 Uhr
. Brücke mit Veloroute-10-Aufschrift: Die Radroute kommt bei den Kielern offenbar gut an. (Quelle: Sven Raschke)

Brücke mit Veloroute-10-Aufschrift: Die Radroute kommt bei den Kielern offenbar gut an. (Quelle: Sven Raschke)

Radfahrer haben es in Kiel oft schwer. Die Wege sind häufig bedürftig ausgebaut und mann muss sich gegen andere Verkehrsteilnehmer behaupten. Die neue Veloroute 10 soll eine Ausnahme sein. t-online.de-Autor Sven Raschke hat eine Testtour gewagt.

Mit dem Fahrrad durch Kiel zu fahren heißt immer noch allzu häufig: teils viel zu schmale Radwege, etwa in der Holtenauer Straße, Kampf mit dem Autoverkehr, quälende Kopfsteinpflaster und ständiger Ampelstopp. Eine  Ausnahme ist jedoch die neue Veloroute 10.

Seit Ende September ist der größte Abschnitt fertig gestellt und führt vom Holstein-Stadion bis zum Citti-Park einmal quer durch die Stadt. Und wie ein Besuch zeigt: Die Strecke wird reichlich genutzt. Besonders morgens und zur Feierabendzeit herrscht auf der fünf Kilometer langen Strecke reger Verkehr. Die Nutzer sind fast durchweg begeistert. "Toll!", "Super!", "Mega!", heißt es von den Radfahrern und gelegentlichen Spaziergängern und Joggern.

Viel Natur, wenig Autos

"Der Untergrund ist flach und eben und fährt sich super", sagt der Henri Thiré. Wie viele der täglich mehr als 5.000 Radfahrer auf der Veloroute ist er Student und nutzt sie täglich auf dem Weg zur Uni. Mit vier Metern Breite bietet die Fahrbahn genügend Platz für Gegenverkehr und Überholmanöver.

Nachts ist sie beleuchtet. Heejia Jeong findet toll, "dass man so viel Natur um sich herum hat statt Autos". Berührungen mit dem übrigen Stadtverkehr, abgesehen von den Ab- und Auffahrten, gibt es tatsächlich kaum. Nur an zwei Stellen kreuzen Autofahrbahnen die Strecke. So ist man mit dem Rad häufig sogar schneller unterwegs als mit anderen Verkehrsmitteln. Für Henri, Heejia und viele andere ist die Veloroute damit eine deutliche Erleichterung – "seitdem sie endlich fertig ist", so Henri.

Auf den Spuren einer alten Güterzugstrecke

Beinahe zwanzig Jahre hatte es gedauert von der ersten Idee bis zur Fertigstellung des Fünf-Millionen-Euro-Projektes. Die Veloroute verläuft zum größten Teil entlang eines ehemaligen Bahngleises. Dieser Tatsache verdankt die Strecke ihren flachen Verlauf und die vier Brücken über Hauptverkehrsstraßen und Autobahn.

Bis Mitte der 90er fuhren hier noch Güterzüge. In Höhe des Graswegs erinnern ein Prellblock und ein Lampenmast als eine Art Denkmal daran. 2008 wurde der Bau eines Radweges beschlossen, 2012 begannen die ersten Bauarbeiten, und noch im selben Jahr stimmte die Ratsversammlung für die Einrichtung der Veloroute 10.

Ein Prellbock: Das Denkmal erinnert an die ehemalige Güterzugstrecke.  (Quelle: Sven Raschke)Ein Prellbock: Das Denkmal erinnert an die ehemalige Güterzugstrecke. (Quelle: Sven Raschke)

Das Ziel laut Uwe Redecker, Fahrradbeauftragter Stadt: eine möglichst attraktive, leistungsfähige Radanlage, umweltfreundlich, null CO2-Ausstoß, lärmreduzierend und gut für die Gesundheit.

Fragt man die Nutzer nach Negativem, müssen die meisten erst einmal einen Moment nachdenken. Einige Kritikpunkte finden sich dann aber doch. Ein Radfahrer beschwert sich über eine frisch umzäunte Kiesfläche nahe des Graswegs, gleich neben dem Bahndenkmal: "Was soll das? Da hätte man doch stattdessen etwas hinpflanzen können." Da es sich hierbei um Privatgelände handelt, hat die Stadt allerdings wenig Möglichkeiten, daran etwas zu ändern.

Radfahrer auf der Veloroute 10: Am Grasweg säumt eine Graffiti-Wand den Weg. (Quelle: Sven Raschke)Radfahrer auf der Veloroute 10: Am Grasweg säumt eine Graffiti-Wand den Weg. (Quelle: Sven Raschke)

Genau wie an den zahlreichen Graffitis an den Gebäudewänden ganz in der Nähe. Und das würde sie auch gar nicht wollen. "Das sind ja kein Gebäude der Stadt", erklärt Peter Bender, Leiter des Tiefbauaumtes Kiel. Fahrradbeauftragter Uwe Redecker ergänzt: Wir nehmen die Graffitis wohlwollend zur Kenntnis. Ich persönlich finde sie sehr gelungen. Es gibt Städte, da werden Touristen zu solchen Orten geführt."

Vera Sauer fährt täglich auf der Veloroute und findet, es könnte mehr Abfahrten geben. "Dann müsste man nicht so viele umständliche Umwege fahren. Und manchmal liegt etwas viel Laub auf der Fahrbahn."

Uwe Redecker hierauf: "So ist das mit der Natur im Herbst. Die Abfallwirtschaft beseitigt das Laub regelmäßig, aber einen Tag lang kann es schon mal liegen bleiben." Was die Abfahrten angehe, sei man dabei, weitere hinzuzufügen, so auf Höhe der Uni bei den Geowissenschaften und der Tierforschung. "Aber dort müssen wir abwarten bis die Uni-Gebäude fertig sind – voraussichtlich also bis 2023."

Vera Sauer: Sie fährt täglich hier lang und hätte gerne mehr Abfahrten. (Quelle: Sven Raschke)Vera Sauer: Sie fährt täglich hier lang und hätte gerne mehr Abfahrten. (Quelle: Sven Raschke)

Andere Velorouten-Nutzer finden die Verkehrssituation an den Zufahrten mitunter heikel. Besonders am nördlichen Ende der Strecke, wo sich der Christinenweg mit einer anderen Radstrecke kreuzt, kommen die Radler sich leicht in die Quere. Hier würde sich der ein oder andere doch eine Art zusätzliche Verkehrsregelung wünschen. Allzu viel könne man da allerdings nicht machen, so Uwe Redecker. "Wir müssen schauen, ob eventuell zusätzliche Fahrbahnmarkierungen helfen könnten."

Auch Fußgänger sind erlaubt

Auf ein weiteres Problem weist Redecker selbst hin: Fußgänger dürfen die Veloroute benutzen. In der Praxis kann das allerdings zu Konflikten mit den Radfahrern führen. "Da sind wir ein bisschen Opfer unseres Erfolges", sagt Redecke. Zurzeit prüft die Stadt auf ganzer Länge der Strecke, inwieweit diese sich durch zusätzliche Fußgängerwege ergänzen lässt. "Überall wird das aber nicht machbar sein", so Redecke. Die Brücken etwa sind quasi vorgegebene Engstellen.

Die Veloroute in der Nähe der Uni Kiel: Der Radweg wird von vielen Studierenden genutzt. (Quelle: Sven Raschke)Die Veloroute in der Nähe der Uni Kiel: Der Radweg wird von vielen Studierenden genutzt. (Quelle: Sven Raschke)
Die Veloroute 10 soll in den kommenden Jahren stetig erweitert werden. Nördlich ab Höhe des Holstein-Stadions ist eine Anbindung an die Holtenauer Straße angedacht. Südlich könnte es hinunter gehen bis zur Hamburger Chaussee und hinüber bis ans Ostufer. Dort wiederum ist eine weitere Veloroute entlang der Werftstraße bereits in konkreter Planung. Angepeilter Eröffnungstermin: 2025.

Kiel investiert 30 Euro pro Einwohner im Jahr für Radverkehr

Auch ansonsten tut sich in Sachen Fahrradfreundlichkeit einiges in der Stadt, deren Radfahreranteil am Binnenverkehr bei beachtlichen 19 Prozent liegt. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hatte im vergangenen Wahlkampf verstärkte Maßnahmen in diese Richtung versprochen.

Die Ausgaben für Radverkehr wurden bereits von 17 auf 30 Euro pro Einwohner und Jahr erhöht. Das ist nun auch zu spüren. So werden Autospuren in Radwege umgewandelt, wie zuletzt im Kronshagener Weg nahe des Exerzierplatzes. Vor immer mehr Ampeln ist die Fahrspur auf ganzer Breite für Radfahrer reserviert.


Zudem sollen mehr Abstellflächen für Räder entstehen. Und: Ab kommendem Frühjahr gibt es Wegweiser hin zur Veloroute 10. Denn, so Fahrradbeauftragter Uwe Redecker: "Viele kennen die Veloroute noch gar nicht oder wissen nicht, wie man zu ihr gelangt."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen und Beobachtungen vor Ort
  • Gespräche mit denen im Text Beteiligten

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