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IfW-Präsident: Verflechtung mit NS-Regime beschämend

Kiel  

IfW-Präsident: Verflechtung mit NS-Regime beschämend

20.02.2020, 11:04 Uhr | dpa

Als beschämend und verstörend hat der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Prof. Gabriel Felbermayr, eine enge Verflechtung seines Hauses mit dem Nazi-Regime bezeichnet. Er sei froh, dass dieser Teil der Vergangenheit von unabhängiger Seite erforscht wurde und wolle eine weitere Aufarbeitung unterstützen, erklärte Felbermayr am Donnerstag. Er äußerte sich vor einer abendlichen Vorstellung eines Buchs über die Tätigkeit des IfW in der Zeit des Nationalsozialismus, verbunden mit einer Diskussion zum Zusammenspiel von Wissenschaft und Politikberatung.

Nach Recherchen des Historikers Gunnar Take für seine Dissertation war der von 1934 bis 1945 amtierende Institutsdirektor Andreas Predöhl funktionaler Teil des Nationalsozialismus. Unter ihm habe das IfW zur Effizienzsteigerung der NS-Herrschaft beigetragen. Die Nazis hätten auf Basis von Länderanalysen Predöhls zu Rohstoffvorkommen und Versorgungswegen Angriffskriege geplant. Das IfW habe Take Zugang zu seinen Archiven gewährt und sich an Druckkosten beteiligt.

Das Institut habe sich in der Vergangenheit immer wieder mit seiner Geschichte auseinandergesetzt, gab das IfW an. Zuletzt sei unter dem langjährigen Präsidenten Dennis Snower zum 100. Gründungsjubiläum im Jahr 2014 die Arbeit des Instituts während der Nazi-Herrschaft publizistisch beleuchtet worden. Eine tiefgreifende Erforschung der Arbeitsweisen während der NS-Jahre habe es bisher aber nicht gegeben.

"Wir sind sehr froh, dass sich mit Gunnar Take ein Historiker aus eigenem Antrieb der Institutsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus angenommen hat", sagte Felbermayr. "Diese unabhängige Forschungsarbeit ist für uns wichtig und wertvoll." Die Aufarbeitung sei damit nicht abgeschlossen. Es gelte auch die Wachsamkeit gegenüber politischer Beeinflussung von Wissenschaft zu erhöhen. "Versuche, Forschung zu instrumentalisieren, sind kein Alleinstellungsmerkmal der Nazi-Zeit."

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