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Kiel: Ratten werden zum Problem – was gegen die Plage hilft

Kampf gegen die Nager  

Wie kann Kiel die Rattenplage in den Griff bekommen?

Von Sven Raschke

20.02.2020, 18:31 Uhr
Kiel: Ratten werden zum Problem – was gegen die Plage hilft. Eine Ratte: Die Nager werden von herumliegendem Müll angelockt. (Quelle: imago images/Symbolbild/Michael Schick)

Eine Ratte: Die Nager werden von herumliegendem Müll angelockt. (Quelle: Symbolbild/Michael Schick/imago images)

In Kiel kämpfen Anwohner wie die Rentnerin Carola Rohlfs unermüdlich gegen Ratten. Die Nager scheinen immer mehr zum Problem für die Bewohner der Stadt zu werden. Was tun?

Fünf Rattenköderboxen hat Carola Rohlfs im Garten herum um ihre Wohnung in Kiel-Wik aufgestellt. Jeden Samstag füllt sie die Köder nach. "Das war hier schon immer sehr schlimm mit den Ratten", sagt die Rentnerin. "Letzten März hatte ich in zwei Monaten vier Pakete gebraucht." Zweimal hatte sie bereits den Kammerjäger gerufen. "Ich hatte sogar mal auf meiner Terrasse eine tote Ratte liegen", erinnert sich die Rentnerin. Mit ihrem Rattenproblem ist sie nicht die einzige in Kiel.

Eine Rattenfalle im Garten von Carola Rohlfs: In Kiel sind die Nagetiere eher unbeliebt. (Quelle: Sven Raschke)Eine Rattenfalle im Garten von Carola Rohlfs: In Kiel sind die Nagetiere eher unbeliebt. (Quelle: Sven Raschke)

So viele Ratten wie Menschen in der Stadt

"Es gibt Schätzungen, dass in Städten ungefähr so viele Ratten wie Menschen leben“, sagt Frank Festersen, Leiter des Ordnungsamtes in Kiel und damit zuständig für die Rattenbekämpfung in der Stadt. Für Kiel hieße das also: rund 250.000 Ratten. 251 Rattenmeldungen gingen im vergangenen Jahr beim Ordnungsamt ein – mehr als in den Jahren zuvor, wie sich Festersen erinnert.

Frank Festersen: Der Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes mit einem Ratten-Info-Plakat. (Quelle: Sven Raschke)Frank Festersen: Der Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes mit einem Ratten-Info-Plakat. (Quelle: Sven Raschke)

Die milden Temperaturen zur Zeit könnten möglicherweise zu einer Vermehrung der Ratten beitragen. Allerdings, so erklärt der Rattenbeauftragte, "ist das wärmere Wetter auch gut für Schädlinge, die wiederum den Ratten schaden. Es ist also umstritten, wie sich das Wetter auf die Rattenpopulation auswirkt."

"Wir füttern uns die Ratten selbst heran"

Der Anstieg dürfte nach Ansicht Festersens vor allem mit der zunehmenden Menge an Müll zusammenhängen. "Wir sind eine Wegwerfgesellschaft“, so Festersen. Und darin sieht er das Hauptproblem. Entscheidend sei der Umgang mit dem Abfall. "Wir füttern uns die Ratten selbst heran", erklärt Festersen, und zählt die vier "Todsünden", wie er sie nennt, auf:

  1. Essensreste, die in der Toilette entsorgt werden. Die sind für Ratten in den Kanalisationen ein willkommenes Fressen.
  2. Offener Müll neben Abfallbehältern und nicht geschlossene Deckel. Auch durch Gelbe Säcke nagen sich die Tiere mit Leichtigkeit.
  3. Kompostierbare Abfälle, die in der Natur entsorgt werden. In den Busch geworfene Apfelkerngehäuse oder Bananenschalen verrotten zwar mit der Zeit. Aber nicht so schnell, wie sie von Ratten aufgespürt werden.
  4. Das Füttern wilder Tiere. In Kiels Grünanlagen ist das Füttern generell verboten.

Aber auch an Vogelfutter vergreifen sich Ratten gern. Festersen: "Ich würde nicht so weit gehen zu sagen: Hört auf, Vögel zu füttern. Aber bitte in Maßen."

In Kiel-Gaarden ist es besonders schlimm

Besonders deutlich ist das Problem in Gaarden. Denn hier ist auch das Müllproblem am größten. Allein 40 Prozent aller in Kiel gemeldeten wilden Müllablagerungen entfallen auf den Stadtteil am Ostufer. Und auch auf den Innenhöfen herrscht hier besonders häufig Abfallchaos. "In Gaarden ziehen die Menschen häufig um", sagt Kerstin Graupner, Sprecherin der Stadt. Deshalb gebe es oft weniger Verantwortungsgefühl.

Um das zu ändern, hatte die Stadt im vergangenen Dezember einen Müllgipfel in Gaarden abgehalten und mit Ortsbeirat, Vermietern und Bewohnern über das Problem gesprochen. Einen speziellen Rattengipfel gab es vor einigen Jahren in Mettenhof, bei dem es vor allem um die sichere Aufbewahrung von Müll ging.

Mit Plakaten will die Stadt Bürger sensibilisieren 

Mit Plakaten macht die Stadt seit einigen Monaten verstärkt auf das Rattenproblem aufmerksam. Vermieter können sich Informationsposter zum richtigen Verhalten der Mieter vom Ordnungsamt besorgen.
Und was ist mit Gift? "Natürlich benutzen wir auch Gift gegen die Ratten", so Festersen. "Aber den Krieg gewinnen wir damit nicht." Gegen die meisten, für Privatanwender frei verkäuflichen Rattengifte seien die Ratten mittlerweile immun. Festersen: "Außerdem sind sie schlau und haben Vorkoster." Wirksamstes Mittel sei und bleibe die "Nulldiät für Ratten", so Festersen.

Für die Zukunft überlegt man bei der Stadt, die Gelben Säcke, die von den Ratten leicht zernagt werden können, komplett abzuschaffen und überall durch Gelbe Tonnen zu ersetzen. Schulen wolle man künftig verstärkt ansprechen, um hier über den Umgang mit Abfällen zu informieren.

Kerstin Gaupner: Die Stadtsprecherin will Bürger für den Umgang mit Müll sensibilisieren.  (Quelle: Sven Raschke)Kerstin Gaupner: Die Stadtsprecherin will Bürger für den Umgang mit Müll sensibilisieren. (Quelle: Sven Raschke)

Für Gaarden ist ein Müll-Patenschaftsprojekt in Planung, bei dem freiwillige Müllpaten auf Ordnung und Sauberkeit im jeweiligen Wohnhaus achten. So wie Stadtsprecherin Graupner selbst: "Ich habe angefangen, den Müll zu ordnen, Aushänge zu den Abholzeiten ausgehangen und auch mal die Tonnen ordentlich hingestellt, damit sie auch ganz sicher abgeholt werden. Und mittlerweile läuft es schon viel besser."

Warum sind Ratten problematisch?

Bleibt die Frage: Was ist denn nun eigentlich so schlimm an den grauen Nagern? "Sie gelten zwar als Krankheitsüberträger", so Festersen. "Aber das sind Eichhörnchen auch." Die Ansteckungsgefahr sei minimal. Was bleibe, sei der der Ekelfaktor.

Für Rentnerin Carola Rohlfs aus der Wik hat es mit dem Fallenstellen aus eigener Sicht gut funktioniert. "Ich habe das Rattenproblem mittlerweile in den Griff bekommen", freut sie sich. Allerdings muss sie beständig am Ball bleiben und die Fallen mit Gift nachbestücken.

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Carola Rohlfs, Frank Festersen und Kerstin Graupner
  • Ratten-Kampagne der Stadt Kiel

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