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Kiel: Mit frechem Schlager gegen die Corona-Einsamkeit

"Kieler Engagement zeigt Gesicht"  

Mit frechem Schlager gegen die Corona-Krise

Von Agata Strausa

25.05.2020, 10:23 Uhr
Kiel: Mit frechem Schlager gegen die Corona-Einsamkeit . Hanne Pries steht im Awo-Servicehaus: Die Lehrerin aus Kiel singt mit den Senioren gegen die Corona-Einsamkeit an. (Quelle: Daniela Vagt)

Hanne Pries steht im Awo-Servicehaus: Die Lehrerin aus Kiel singt mit den Senioren gegen die Corona-Einsamkeit an. (Quelle: Daniela Vagt)

Senioren sind in der Corona-Krise besonders isoliert gewesen. Die Grundschullehrerin Hanne Pries hat sich etwas Besonderes gegen diese Einsamkeit einfallen lassen.

Die Corona-Krise treibt viele Menschen in die Einsamkeit. Vor allem ältere Mitbürger trifft es hart. Dagegen singt die Grundschullehrerin Hanne Pries an. Seitdem das Virus das Leben der Bewohner im Awo-Servicehaus in Kiel-Suchsdorf stark eingeschränkt hat, kommt sie regelmäßig dorthin. Mit im Gepäck: Ihre Gitarre.

Mit Balkonkonzerten sorgt sie seitdem in der Einrichtung für Stimmung. Es ist kein gewöhnliches Konzert, denn jede Bewohnerin und jeder Bewohner nimmt einen wichtigen Teil ein. t-online.de hat mit der Freizeit-Musikerin über ihr Engagement gesprochen.

t-online.de: Wie ist es zu der Aktion im Awo-Servicehaus in Suchsdorf gekommen?

Hanne Pries: Ich bin schon aufgewachsen mit ganz vielen Großmüttern und Großvätern in der Gemeinde meines Pastorenvaters, mir lag immer viel an dieser Altersgruppe. Und da ich ganz in der Nähe an einer Grundschule bin, haben die Kinder und ich schon immer in kleineren Gruppen die Senioren rund alle sechs Wochen besucht und mit ihnen gesungen.

Doch dann kam die Corona-Krise…

Als die Schulen zumachten, hätten wir eigentlich mit meiner ersten Klasse dort wieder einen Termin gehabt. Ich habe dann mit dem Awo-Servicehaus telefoniert, um diesen Termin abzusagen. Beim Telefonieren haben wir dann gesagt, ich könnte schließlich auch allein kommen. So bin ich die nächsten Wochen jeden Vormittag dahingekommen. Denn dort passierte nur noch wenig – von einem Tag auf den nächsten. Man durfte nicht in den Gemeinschaftsraum, das Essen wurde nur noch vor die Tür gebracht.

Wie ist das dann angelaufen?

Das war ganz einfach, da wir uns schon durch die Kinder kannten. Ich habe einen großen Hang zu alten, deutschen Schlagern – und Volkslieder finde ich großartig. Da liegen einfach so viele Wahrheiten in den Texten. Das ist sehr freundlich aufgenommen worden. Nach ein paar Tagen haben wir auch schon die ersten Lieblingslieder zusammengestellt.

Das heißt, jeder singt mit?

Ja, wir singen gemeinsam! Es ist kein Konzert, es ist richtiges, gemeinsames Singen. Es machen alle mit. Ich habe zunächst ein bisschen nachgefühlt, was gut ankommt, was die Senioren mögen. Dann habe ich die ersten 30 Stücke in einem Liederheft zusammengefasst – in großer Schrift. Das wurde dann für alle kopiert. Es gibt jetzt schon ein zweites, und das dritte ist in Arbeit. Das ist ein großes Miteinander!

Welche Titel laufen am besten?

Alles, was in den Körper geht, Dreivierteltakt ist super. Das ist so gut für die Mitte, da kommt man ins Schwingen. Das ist einfach Wohltat für Körper und Seele. Es sind aber auch die frechen Lieder, wie etwa "Rote Lippen soll man küssen" oder "Schöner fremder Mann" - die werden geliebt. Oder auch "Tanze mit mir in den Morgen", weil da ein bisschen Tango drin ist. Das ist dann alte Schule, das ist allen noch im Gedächtnis.

Die Aktion "Kieler Engagement zeigt Gesicht" ehrt Ihren Einsatz mit mehreren Plakaten in der Stadt, auf denen Sie zu sehen sind. Wie fühlt sich diese Bekanntheit an?

Wenn ich etwas großartig finde an der Öffentlichkeit, dann das Signal an alle, die ein Instrument in die Hand nehmen und singen können, auch loszugehen. Es gibt noch so viele Heime, in denen nicht viel passiert. Ich habe Anrufe von anderen Musikern bekommen. Einige Kollegen konnte ich weiter vermitteln. Wenn das so weitergeht, dann bin ich sehr glücklich. Und: Ich bin der größte Fan dieses wunderbaren Chores!

Vielen Dank für das Gespräch!

Disclaimer: Das Nachrichtenportal t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group, in deren Zusammenarbeit die Aktion "Kieler Engagement zeigt Gesicht" entstanden ist.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Hanne Pries 

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