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Weiter viele Menschen in der Corona-Krise ohne Job im Norden

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Weiter viele Menschen in der Corona-Krise ohne Job im Norden

01.07.2020, 10:12 Uhr | dpa

Weiter viele Menschen in der Corona-Krise ohne Job im Norden. Agentur für Arbeit

Der Schriftzug der "Agentur für Arbeit" ist am Gebäude der Agentur für Arbeit angebracht. Foto: Marijan Murat/dpa (Quelle: dpa)

Die Folgen der Corona-Pandemie hinterlassen auf Schleswig-Holsteins Arbeitsmarkt drastische Spuren. Zwar hat die Arbeitslosigkeit im Juni im Vergleich zum Mai nicht weiter zugenommen. Im Vergleich zum Vorjahr gab es allerdings einen massiven Anstieg, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Mittwoch berichtete. Demnach waren zuletzt 96 700 Menschen ohne festen Job, 0,5 Prozent weniger als im Mai und 25,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,1 Prozent, nach 6,2 Prozent im Mai und 4,9 Prozent vor einem Jahr.

Von kleinen Aufhellungen am Arbeitsmarkt im Juni sprach die Regionalchefin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann. "Hierfür ist insbesondere die Tourismuswirtschaft verantwortlich, die von den Corona-Lockerungen profitieren konnte." In den Tourismusregionen Nordfriesland (minus 9,8 Prozent) und Ostholstein (minus 8,0) seien die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vormonat überdurchschnittlich zurückgegangen.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Arbeitsagentur in Schleswig-Holstein bereits 204 Millionen Euro für Kurzarbeit ausgezahlt. Mittlerweile liegen erste harte Zahlen zur tatsächlichen Umsetzung von Anträgen vor. Mit Stand März wurden von 17 800 Anträgen auf Kurzarbeit 11 400 realisiert, sagte Haupt-Koopmann der Deutschen Presse-Agentur. Das waren 64 Prozent. "Davon betroffen waren 70 400 Arbeitnehmer." Von April bis Juni beantragten 4700 Kurzarbeiter zusätzlich Grundsicherung.

Seit März haben insgesamt 29 200 Betriebe für 338 000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Das ist mehr als ein Drittel (36,7 Prozent) aller Betriebe mit mindestens einem sozial-versicherungspflichtig Beschäftigten. "Die Schwerpunkte liegen im Einzelhandel, der Gastronomie und im Gesundheitswesen", sagte Haupt-Koopmann.

Die Unternehmen im Norden suchen zudem deutlich weniger Personal als vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 26 600 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet. Das waren 8600 oder knapp ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Zwar gebe es weiter mehr als eine Million sozialversicherungspflichtiger Jobs im Land, sagte Haupt-Koopmann. Es habe im April aber im Gastgewerbe 3300 weniger Jobs als vor einem Jahr gegeben. Im Bereich der Zeitarbeit waren es 1700 und im Handel 800. Im Gesundheits- und Sozialwesen kamen dafür 3200 hinzu.

"Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung im Vergleich des April zum März", sagte Haupt-Koopmann. Im Handel seien 1300 Jobs, im Gastgewerbe 1000, im verarbeitenden Gewerbe 800 und bei der Zeitarbeit 600 Stellen weggefallen.

Für Schleswig-Holsteins Arbeitsminister Bernd Buchholz (FDP) ist das Ziel, die zunehmende Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und bei Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund zu stoppen. So stieg die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen gegenüber dem Vorjahr um 34,4 Prozent auf 10 121, die Zahl der arbeitslosen Ausländer um 31,9 Prozent auf 23 054. "Umso mehr ist es notwendig, daran festzuhalten, die Wirtschaft wieder in Gang zu bekommen", sagte er. Neben Hilfsangeboten vom Land seien die Unternehmen selbst gefragt: "Wir benötigen das gesamte Potenzial an Arbeitskräften aus dem In- und Ausland, um wirtschaftlich handlungsfähig und erfolgreich zu bleiben."

Unter den Kreisen hat Stormarn weiter mit 4,1 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote und Dithmarschen mit 6,4 Prozent die höchste. Bei den kreisfreien Städten verbucht Lübeck mit 8,6 Prozent den besten Wert und Flensburg mit 9,8 Prozent den schlechtesten.

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